In Uganda sitzt eine Flüchtlingsfamilie. Sie sind Flüchtlinge aus Südsudan.
© World Vision/Stefanie Glinski

Flucht und Hunger im Südsudan Viele Menschen in Juba hungern

15-07-2016

von World Vision

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba konnten Mitarbeiter der Kinderhilfsorganisation World Vision am Donnerstag die Waffenruhe nutzen um Spezialnahrung für über 700 hungernde Kinder zu verteilen. Diese Kinder haben sich wegen der Kämpfe der vergangenen Tage in Kirchen und Schulgebäude geflüchtet. Heute will das Team aus lokalen und internationalen Hilfen auf dem Gelände Tongping der UN-Mission weitere hungernde Menschen mit Lebensmitteln versorgen. Die ausgeteilten Rationen reichen jeweils für zwei Wochen.

World-Vision-Mitarbeiter Jeremiah Young ist mit dem Helferteam unterwegs und beschreibt die Lage als „ruhig, aber sehr angespannt“. „Viele Menschen trauen sich wieder auf die Straße, aber sie hungern. Es gibt kaum Lebensmittel auf den Märkten, und das wird vermutlich noch eine Weile so bleiben. Was es zu kaufen gibt, können sich viele nicht leisten. In ihrer Not stehlen  oder plündern manche, und das ist traurig zu sehen. Wir wissen, dass die meisten Leute nicht gerne zu solchen Überlebenstaktiken greifen, und deshalb ist es wichtig, dass wir rausgehen und helfen die Not der Vertriebenen zu lindern.“

Schon vor der Krise konnten sich 4,8 Millionen Menschen nicht ausreichend ernähren

World Vision hat auch in anderen Teilen des Landes, in den Bundesstaaten West-Equatoria, Warrap, Bahr-El-Ghazal und Upper Nile, seine Arbeit wieder aufgenommen. Die akuten Bedürfnisse der verängstigten und vertriebenen Bevölkerung in der Hauptstadt seien Teil einer sehr großen humanitären Krise. Mehr als 4,8 Millionen Menschen waren schon vor Ausbruch der neuen Gewalt nicht in der Lage sich selbst ausreichend zu ernähren. Die meisten Experten erwarten, dass sich die Lage weiter verschlechtert, wenn nicht rasch Hilfe mobilisiert werden kann, insbesondere für Binnenflüchtlinge und die in den Städten lebenden armen Familien. In diese Hilfsmaßnahmen müssen nun auch  noch viele Bewohner von Juba einbezogen werden.

Die Entsendung von Mitarbeitern und der Transport von Hilfsgütern sind nach aktuellen Informationen noch schwieriger als in ruhigeren Zeiten, berichten die Mitarbeiter in Juba. Es gebe zur Zeit zum Beispiel keine Inlandsflüge, und wegen der Regenzeit seien viele Straßen für Lastwagen nicht nutzbar. Internationale Flüge würden vor allem für Evakuierungen genutzt. In Juba sei Benzin sehr knapp, da viele Tankstellen in Juba geschlossen seien. Der Benzinmangel beeinträchtigt auch die Stromversorgung mit Generatoren. Einige Grenzen zu Nachbarländern seien geschlossen, so dass sich die Menschen ebenfalls nicht über das Ausland mit Gütern versorgen könnten.

Diplomatie ist wichtiger denn je

Am wichtigsten ist für die Südsudanesen, deren Hoffnung auf Frieden und Stabilität in den letzten Tagen erneut massiv erschüttert wurde, dass ihr Land nicht wieder im Krieg versinkt. Die Arbeit daran dürfe auch von der internationalen Staatengemeinschaft nicht aufgegeben werden, sagt Ekkehard Forberg. Experte für Friedensförderung bei World Vision Deutschland: „Diplomatie ist jetzt wichtiger denn je. Es muss Druck auf die Konfliktparteien ausgeübt wird, damit die beiden Kontrahenten (Präsident Kiir und Vize-Präsident Salva Kiir) ernsthafte Verhandlungen führen und schnelle Fortschritte erzielen. Dabei ist die Kasernierung der Truppen beider Seiten und letztlich die Zusammenführung der verschiedenen Ameen und Milizen entscheidend. Kommen jetzt nicht schnell Verhandlungen in Gang, wird vor allem die dringend auf Nahrungsmittel, sauberes Wasser und medizinische Hilfe angewiesene Bevölkerung darunter leiden.“

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