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Flucht und Hunger im Südsudan Moses: "Ich möchte nach vorn blicken"

09-07-2015

Die Geschichte von Moses

Der 18-jährige Moses kommt aus dem Südsudan. Nachdem er im Alter von 7 Jahren von einer Schlange gebissen wurde, musste sein rechtes Bein amputiert werden. Durch den Bürgerkrieg im Südsudan war er gezwungen, zu fliehen. Seit Februar 2014 lebt er im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia. Dank der Unterstützung von Handicap International hat er heute eine neue Prothese und kann endlich wieder zur Schule gehen.

Rückblick: Der Tag, an dem sich für Moses alles änderte

Es war Regenzeit im südsudanesischen Dorf Fangak, als der 7-jährige Moses am Fluss spielte. Plötzlich stieß er einen lauten Schrei aus, sprang aus dem Wasser und rannte so schnell es ging nach Hause. Eine Schlange hatte ihn ins Bein gebissen.

Plötzlich abseits des Spielgeschehens

Im Dorf gab es weder einen Arzt noch ein Krankenhaus. Auch seine Eltern konnten nichts für ihren Sohn tun. Das Bein entzündete sich und musste wenige Monate später im Krankenhaus in Lockichogio amputiert werden. Er erhielt eine Prothese. Doch mit dieser Prothese konnte er weder zu Schule gehen, noch seinem Lieblingshobby Fußball nachgehen. So musste er als Zuschauer zu Fußballspielen gehen, ohne selbst mitspielen zu können. Der König des Fußballs, so nannten sie ihn, war nun gezwungen, abseits des Spielgeschehens hinter den Seitenlinien zu stehen und zuzuschauen.

Moses‘ Onkel

Als Moses zehn Jahre alt war, entschied sein Onkel, dass etwas getan werden muss: „Du bist jung und hast nur noch ein Bein“ sagte er. „Wenn du nicht zur Schule gehst, war es das mit dir. Wir müssen gehen.“ Daraufhin packte Moses seine sieben Sachen, verabschiedete sich von seinen Eltern, Schwestern und Brüdern und reiste zusammen mit seinem Onkel in die südsudanische Hauptdstadt Juba. Seine Familie sollte er nie wiedersehen.

Plötzlich allein

Die Jahre zogen ins Land. Moses ging in die Grundschule und schloss diese erfolgreich ab. Seine Erinnerungen an diese Zeit sind nicht sehr glücklichen. „Es war eine beschwerliche Zeit“, sagt er. Im Dezember 2013 brach der Bürgerkrieg aus. Als sein Onkel kurze Zeit später bei den Kämpfen ums Leben kam, war Moses von einem Moment auf den anderen allein.

Flüchtlingslager Kakuma

Im Februar 2014 kam Moses mit Hilfe der Vereinten Nationen in das Flüchtlingslager Kakuma im Nordwesten Kenias. Bei 40 Grad Hitze stand er im Aufnahmezentrum des Flüchtlingslagers, wo sich die Neuankömmlinge sammeln. Die Prothese sitzt so schlecht, dass er starke Schmerzen beim Gehen hat.  „Meine Prothese passte mir nicht mehr. Es war sehr schwer darin zu gehen”, berichtete er.

Handicap International verändert Moses‘ Leben grundlegend

Im Flüchtlingslager Kakuma traf Moses auf Mitarbeiter von Handicap International. Sie hörten sich seine traurige Geschichte an, untersuchten sein Bein und gaben ihm für den Übergang Krücken. Der 9. Oktober 2014 war der Startschuss für sein neues Leben. Moses wurde in das Rehabilitationszentrum in Nairobi überwiesen. Dort erhielt er eine neue Prothese und eine Rehabilitationstherapie. Ab diesem Zeitpunkt begann sich das Blatt für Moses zum Positiven zu wenden. Nun konnte er sich endlich frei bewegen.

Menschen mit Behinderung sind gefährdeter als andere Menschen

Reiza Dejito ist Koordinatorin der Flüchtlingsprojekte von Handicap International in Kenia. Sie weiß: „Moses ist 18 Jahre alt. Er ist kein Kind mehr. Aber er hat eine Behinderung und keine Familie hier. Wir können ihn nicht einfach allein lassen. Er muss beschützt werden. In Kakuma haben über 50% der Menschen mit Behinderungen bestimmte Formen von Menschenrechtsverletzungen erfahren. Oftmals werden Sie Opfer physischer oder verbaler Gewalt, werden marginalisiert und diskriminiert. Sie sind gefährdeter als andere Menschen.”

Endlich wieder zur Schule gehen

Nachdem es anfänglich Probleme gab, setzte sich Handicap International dafür ein, dass Moses wieder zur Schule gehen kann. Im Mai 2015 erhielt er dadurch eine offizielle Ermächtigung des Bildungsministeriums. John Kimani, Bildungsbeauftragter von Handicap Internationals in Kenia, berichtet: „Wir waren von Moses Geschichte besonders bewegt. Unserer Ansicht nach war es lebensnotwendig für ihn, wieder zur Schule zu gehen. Deshalb haben wir uns mit dem Bildungsministerium im Südsudan in Verbindung gesetzt. Wir hatten ein langes Gespräch mit Moses jetzigem Klassenlehrer und haben seine Uniform, Schuhe und Bücher bezahlt. Materielle Umstände sollten seiner Bildung nicht im Weg stehen.”

Moses‘ erster Schultag

Noch im Mai war Moses erster Schultag. In weißem Hemd und grüner Hose saß er zusammen mit seinen 52 Klassenkameraden im Klassenzimmer und verfolgte aufmerksam den Unterricht. Am Ende des Tages leuchten seine Augen: „Ich hatte einen tollen Tag. Es war wunderbar. Ich werde Dinge lernen! Und vielleicht kann ich auch wieder Fußball spielen. Ich habe meine Vergangenheit vergessen. Sie liegt hinter mir. Ich will von jetzt an nur nach vorn blicken.“ Ein neues Kapitel in Moses Leben hat begonnen.

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