Hilfe für FlüchtlingeKämpfe in Syrien: World Vision fordert Friedensverhandlungen

22-10-2019

von World Vision

"Nach fast neun Jahren anhaltender Kämpfe, Tausenden von Toten und Verletzten, Hunderttausenden Vertriebenen und der weitgehenden Zerstörung von Infrastruktur muss es endlich Frieden geben", betont Ekkehard Forberg, Experte für Konfliktbearbeitung und Friedensförderung bei World Vision Deutschland, einer Bündnisorganisation von Aktion Deutschland Hilft. "Deutschland und die EU müssen ihre Zurückhaltung endlich aufgeben und sollten sich in die Verhandlungen stärker einbringen."

Syrische Familien kommen nicht zur Ruhe

Nach den jüngsten Kämpfen im Nordosten des Landes stellt sich die Situation in der Region chaotisch dar. Internationale Hilfsorganisationen mussten ihre Mitarbeiter zurückberufen und Hilfsmaßnahmen einstellen. Mehr als 190.000 Menschen, davon etwa 70.000 Kinder waren erneut gezwungen, in andere Regionen des Landes oder in Nachbarländer zu fliehen. Geschätzt 450.000 leben in der umkämpften Zone, mehr als 90.000 in Flüchtlingslagern und Ansiedlungen. Viele Familien mussten bereits mehrfach fliehen und immer wieder ihr Hab und Gut zurücklassen.

Was passiert im Norden von Syrien?

Am 9. Oktober 2019 hat die türkische Regierung eine Militäroffensive im Norden von Syrien gestartet. Seitdem werden an mehreren Orten entlang der syrisch-türkischen Grenze Luft- und Bodenangriffe gemeldet. Auch mehr als einen Monat nach Beginn der Offensive dauern die Gefechte an.

Hunderttausende Zivilisten sind betroffen. Hilfsorganisationen beobachten die Entwicklungen mit Besorgnis. Schätzungen der UN zufolge haben mindestens 160.000 Menschen die Flucht ergriffen. Darunter sind viele Syrer, die als Binnenvertriebene in der Region Zuflucht gefunden hatten. Der Krieg zwingt sie nun ein weiteres Mal dazu, alles hinter sich zu lassen.

Wie ist die humanitäre Lage nach der Offensive in Nordsyrien?

Hilfsorganisationen bewerten die humanitäre Lage im Norden Syriens als sehr ernst. Die UN gehen davon aus, dass in Kürze bis zu 400.000 Menschen Humanitäre Hilfe benötigen werden.

Im betroffenen Grenzgebiet leben circa 450.000 Menschen. Ihre Sicherheit ist aufgrund der Kämpfe gefährdet. Auf beiden Seiten der Grenze gab es bereits Tote und Verletzte. Es herrscht ein Klima der Angst. Zahlreiche Menschen haben bereits die Flucht ins Landesinnere und in Richtung Irak ergriffen. Teile der Infrastruktur sowie etwa 20 Schulen sind zerstört worden. Die Preise für Lebensmittel sind um 20 Prozent gestiegen.

Hilfsorganisationen stehen aufgrund der Situation vor großen Herausforderungen. Sie beobachten die Entwicklungen genau. Teils mussten Hilfsprojekte ausgesetzt und Mitarbeiter evakuiert werden. Zudem stehen viele Organisationen – angesichts des immensen Bedarfs an Humanitärer Hilfe im ganzen Land – am Rande ihrer Kapazitäten.

Gibt es Unterschiede zwischen dem Nordosten und Nordwesten Syriens?

Der Nordwesten und Nordosten Syriens unterscheiden sich in verschiedener Hinsicht.

Die Bevölkerung im Westen ist mehrheitlich arabischer Abstimmung. In der Region lebt ein Großteil der syrischen Binnenvertriebenen. Der Bedarf an Humanitärer Hilfe ist dort bereits sehr hoch.

Der Nordosten Syriens hingegen galt bislang als vergleichsweise stabile Region. Die Bevölkerung ist mehrheitlich kurdisch; auch arabische und christliche Minderheiten leben dort. Hilfsorganisationen befürchten, dass der Region durch die Militäroffensive eine Eskalation bevorsteht, wie sie sie noch nicht erlebt hat.

Ist Humanitäre Hilfe uneingeschränkt möglich?

Die größte Herausforderung für humanitäre Hilfsorganisationen, die in Syrien Hilfe leisten, ist der Zugang zu den betroffenen Menschen. Dieser ist aufgrund der angespannten Sicherheitslage oft nur eingeschränkt möglich.

Wegen der Gefechte im Norden des Landes mussten Hilfsprojekte ausgesetzt und Mitarbeiter evakuiert werden. Es kann zu Engpässen bei Hilfsgütern kommen, weil diese innerhalb des Landes schwer zu beschaffen sind oder Transportwege nicht mehr funktionieren. Durch den immensen Bedarf an Humanitärer Hilfe im ganzen Land stehen Organisationen am Rande ihrer Kapazitäten. Zudem stellen der Grenzübertritt sowie hohe Visa-Auflagen die Helfer in Syrien häufig vor Schwierigkeiten.

Wie helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft?

Aktion Deutschland Hilft leistet den Menschen in Syrien und den Nachbarländern wie dem Irak seit mehr als acht Jahren Nothilfe. Auch jetzt stehen die Hilfsorganisationen des Bündnisses den Kindern, Frauen und Männern zur Seite. Dabei arbeiten sie Hand in Hand mit lokalen Partnern.

Die Bündnisorganisationen beobachten die Entwicklungen im Nordosten des Landes genau. Im Irak beispielsweise bereiten sich Helfer bereits auf neu ankommende Flüchtlinge vor. Andernorts werden Menschen bereits in Schulen, die zu improvisierten Auffanglagern umfunktioniert wurden, mit Hilfsgütern versorgt.

Verheerende Situation für Kinder in Syrien

Eine zentrale Wasserversorgungsstation wurde bombardiert und Krankenhäuser zerstört. Mindestens 1,65 Millionen Menschen sind auf Humanitäre Hilfe angewiesen. Forberg betont: "So viele syrische Kinder kennen nichts anderes als Krieg und Gräueltaten. Schon wieder müssen sie Angst vor neuen Gefechten und Bombardierungen haben und ihre vertraute Umgebung und Freunde verlassen. Wir fordern, dass die Zivilbevölkerung geschützt und der Zugang für Hilfsmaßnahmen gewährleistet wird."

Dringende Hilfe für den anstehenden Winter

World Vision kümmert sich unter anderem mit Hilfe von Partnern in mehreren Landesteilen Syriens um Hundertausende Flüchtlinge und um Neuankömmlinge in Irak und wird Hilfsmaßnahmen weiter aufstocken. Auch müssen Vorbereitungen für die Wintermonate getroffen werden.

Es werden dringend Spenden benötigt, damit die betroffenen Familien und besonders die Kinder weiterhin mit sauberem Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Gesundheitsmaßnahmen versorgt werden können!

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Flüchtlinge Syrien / Nahost:

Spenden-Stichwort: Flüchtlinge Syrien / Nahost
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
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