Cash for Work - Hilfe zur Selbsthilfe
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Nothilfe und KatastrophenhilfeCash for Work - Hilfe zur Selbsthilfe

14-09-2009

Bargeld für Arbeit-Programme

Die Grundidee der Cash for Work-Programme ist, dass Betroffene nach einer Katastrophe eine Arbeit bekommen, bei der sie selbst an Wiederaufbauprojekten mitarbeiten. Der Lohn in diesen „Bargeld für Arbeit“- Programmen wird von der ausführenden Hilfsorganisation bezahlt. Besonders effektiv sind die Programme nach Naturkatastrophen, zerstörerischen Kriegen und in Zeiten von akuten Nahrungsmittelkrisen.

Die lokale Bevölkerung wird also in die Katastrophenbewältigung mit einbezogen. Das führt dazu, dass Hilfsmaßnahmen besser akzeptiert werden, die Verantwortung geteilt wird und sich die finanzielle Situation der lokalen Bevölkerung verbessert. So kann sich die lokale Marktwirtschaft einer Gesellschaft (sei sie noch so klein) langsam wieder entwickeln – und zwar von innen heraus.

Vorteile von Cash for Work-Programmen

  • Individuelle Stärkung der Betroffenen
    Die Betroffenen erhalten ein geregeltes Einkommen und haben daher eine gewisse finanzielle Flexibilität. So können sie ihre individuellen Probleme selbstverantwortlich lösen.
  • Anregung der lokalen Wirtschaft
    Die Betroffenen haben mehr Geld zur Verfügung, wodurch sich die gesamte wirtschaftliche Situation in der Region verbessert. Die Menschen konsumieren mehr und die lokalen Geschäfte erzielen höhere Umsätze. 
  • Rehabilitation des Gemeinschaftsbesitzes
    Die betroffene Bevölkerung kann durch die gestiegene Kaufkraft Projekte mit unterstützen, die der Regeneration des Gemeinschaftsbesitzes und -kapitals dienen.
  • Erleichterung der Verwaltung
    Der Bedarf an dringend benötigten Hilfsgüter kann durch lokale oder benachbarte Märkte gedeckt werden. Dies erleichtert die Verwaltungsarbeit und verhindert mögliche Verzögerungen, die etwa bei einer Verschiffung der Hilfsgüter aus anderen Staaten entstehen könnten.
  • Geringere Arbeitslosigkeit durch Kurzzeit-Jobs
    Es werden kurzfristige Arbeitsplätze für einen großen Teil der betroffenen Bevölkerung geschaffen.
  • Schuldenreduktion
    Durch die Löhne wird verhindert, dass die Betroffenen eigene Habseligkeiten verkaufen oder Schulden aufnehmen, um aus ihrer misslichen Lage herauszukommen.
  • Partizipation
    Durch die aktive Mithilfe der Bevölkerung entsteht ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Bevölkerung. Zudem kommt es zu einer größeren Akzeptanz der Maßnahmen von Hilfsorganisationen.

 

Herausforderungen bei Cash-for-Work-Programmen

  • Beeinträchtigungen der Marktwirtschaft
    Wenn mögliche negative Preisentwicklungen nicht berücksichtigt werden, kann es zu Inflation und Preissprüngen auf den lokalen Märkten kommen. Die beteiligte Hilfsorganisation muss daher stets die Entwicklung der Preise in der Projektregion überwachen.
  • Korruption und schlechtes Finanzmanagement
    Es besteht die Möglichkeit, dass Geld von lokalen Eliten abgezweigt oder von Individuen verschwendet wird. Es muss daher bei Cash for Work-Programmen auf einen guten Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung geachtet werden, da diese eher in der Lage ist sich gegen Missmanagement und Korruption zu wehren.
  • Negative Einflüsse auf die regionale Kultur
    Wenn man in eine Gemeinschaft eingreift, kann das zukünftige Verhalten dieser in Katastrophensituationen beeinflusst werden. Auch können Hilfsprogramme die Wertestruktur verändern. Bei der Durchführung von Cash for Work-Programmen müssen daher kulturelle Besonderheiten frühzeitig erkannt und berücksichtigt werden.
  • Begrenzte Reichweite der Maßnahmen
    Da die Programme nur einer begrenzten Zahl von Menschen helfen können, kann es zu Missgunst in benachbarten Regionen kommen. Auch ist es nicht immer möglich, ältere oder behinderte Menschen angemessen in die Programme zu integrieren. Daher muss man in der Durchführung darauf achten, dass möglichst viele unterschiedliche Menschen einer Region in die Mitarbeit der Cash for Work-Programme integriert werden.
  • Abhängigkeiten verhindern
    Die neuen Arbeitsmöglichkeiten können Abhängigkeiten erzeugen. Den Arbeitern muss daher frühzeitig vermittelt werden, dass es sich bei Cash for Work-Programmen nicht um langfristige Unterstützungsprogramme handelt und sie ihre ursprünglichen Erwerbsformen hierdurch nicht vernachlässigen sollten.
  • Sicherheitsrisiken
    Sowohl für die ausführenden Organisationen wie auch für die Begünstigten der Programme kann es zu Sicherheitsrisiken wie Erpressungen und Überfällen kommen. Die Berücksichtigung der Sicherheitslage muss daher immer ein zentraler Bestandteil der Projektplanungen einer Hilfsorganisation sein.

Beispiele von Cash for Work-Programmen

Helfen mit Cash for work ProgrammenDie Bündnispartner von Aktion Deutschland Hilft haben weitreichende Erfahrungen mit Cash for Work-Programmen und können vielfältige Erfolge vorweisen:

HELP initiierte direkt nach dem Tsunami in Südasien Anfang 2005 ein solches Programm, bei dem über 200 Einheimische in die Aufräumarbeiten eingebunden wurden. Care Deutschland-Luxemburg förderte bereits sechs Monate nach dem verheerenden Tsunami 2.000 Menschen, die längerfristig am Wiederaufbau mitarbeiteten. Das Prinzip der Cash for Work-Programme fand aber auch in anderen Katastrophen Anwendung. So wurden den arbeitslos gewordenen Menschen in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina über Cash for work-Programme neue Einkommensquellen erschlossen. Auch beim Erdbeben in Pakistan im Jahr 2008 sorgte Malteser International mit Cash for Work-Programmen für eine nachhaltige Unterstützung der Bevölkerung.

Bei den Einsätzen der Bündnispartner von Aktion Deutschland Hilft in verschiedenen Katastrophen hat sich herausgestellt, dass mögliche negative Auswirkungen von Cash for Work-Programmen durch gute Planung verhindert oder verringert werden können. Nimmt man die Herausforderungen ernst, sind Cash for Work-Programme ein unersetzliches Mittel um Menschen in Not schnell, individuell und nachhaltig zu helfen.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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