Collage von Helfern zum Welttag der Humanitären Hilfe

Hilfe hat ein GesichtWas Humanitäre Helfer weltweit berichten

08-08-2017

von Aktion Deutschland Hilft

Erdbeben, Tsunamis oder Hungersnöte: Weltweit sind Millionen Menschen auf Humanitäre Hilfe angewiesen. Wer im Notfall helfen will, muss sich im Einsatzland gut auskennen.

Das Wissen lokaler Partner ist entscheidend für schnelle und wirkungsvolle Hilfe. Sie kennen die örtlichen Gegebenheiten – und sie wissen, was in Krisen am dringendsten gebraucht wird. Denn viele von ihnen waren früher selbst von Naturkatastrophen betroffen.

Nun unterstützen sie wiederum Menschen, die sich in einer akuten Notlage befinden. Andere haben ihre Heimat verlassen, um den Frauen, Männern und Kindern in Katastrophengebieten zur Seite zu stehen. Was bewegt diese Helfer, wie sieht ihr Alltag aus und warum setzen sie sich trotz der Gefahren mit ganzem Herzen für Menschen in Not ein? Ihre Geschichten erzählen sie hier.

Ali Sandeed: „Nicht aufgeben, sondern selber helfen“

Syrischer Flüchtlingshelfer steht neben Flüchtlingskindern im Libanon.
©CARE/Mitscherlich


Ali Sandeed ist syrischer Flüchtling und Projektleiter bei einer Partnerorganisation von CARE im Libanon. "Ich wurde als palästinensischer Flüchtling geboren und vor mehr als fünf Jahren zum zweiten Mal Flüchtling", sagt er.

Mit seiner Familie floh Ali Sandeed vor dem Krieg in Syrien in den Libanon. "Dort begann ich, anderen Flüchtlingen zu helfen. Sie brauchten mich und ihr Lächeln und Dank waren mein Antrieb. Jeden Morgen stand ich auf, um als Freiwilliger zu arbeiten."

Geblieben, um zu helfen

"Irgendwann hielt ich das Leid der Menschen um mich herum nicht mehr aus. Ihre Trauer, ihre zerstörten Hoffnungen und Träume nahmen mir die Luft zum Atmen. Und ich dachte an meine eigene Zukunft. Also plante ich meine Flucht nach Europa", berichtet er weiter.

Es folgten lange Diskussionen mit der Familie und schließlich entschied sich Ali Sandeed doch dagegen, an Bord eines Schlepperboots zu gehen. Noch immer ist er im Libanon und unterstützt Menschen, die wie er selbst fliehen mussten. "Ich habe nicht aufgegeben, sondern leite das Projekt und bilde andere Freiwillige aus."

Aziz-u-nisa Sheikh: „Mit Schulungen rette ich anderen das Leben“

Die Trainerin Aziz-u-nisa schult Frauen in Pakistan.
©Malteser International/Pakistan


Aziz-u-nisa Sheikh ist 48 Jahre alt und wohnt in Keti Bunder, Pakistan. Ursprünglich lebten die Menschen dort von der Landwirtschaft. Doch die Errichtung von Staudämmen führte dazu, dass die Felder von Meerwasser überflutet wurden.

Die Menschen verloren ihre gesamte Lebensgrundlage und die Familie von Aziz-u-nisa Sheikh traf ein weiterer Schicksalsschlag: Bei einem Unfall kam ihr Sohn ums Leben.

Als Trainerin für Katastrophenvorsorge anderen etwas beibringen

Von der Organisation Pakistan Fisherfolk Forum, die zusammen mit Malteser International Kampagnen und Weiterbildungen in Katastrophenvorsorge anbietet, ließ sie sich zur Trainerin ausbilden.

Sie begann, ihre Nachbarn und die Gemeinschaft in Keti Bunder im richtigen Umgang bei Naturkatastrophen zu schulen. So wurde Aziz-u-nisa Sheikh zur Hauptverdienerin in ihrer Familie.

"Diese Chance hat nicht nur die Trauer um den Verlust meines Sohnes gelindert, sie hat meinem Leben auch wieder einen Sinn gegeben. Nun habe ich eine Aufgabe und kann dazu beitragen, dass in dieser katastrophengefährdeten Region Leben gerettet werden", sagt Aziz-u-nisa mit stolzem Lächeln. 

Simraj Danuwar: „Einheimische wissen am besten, was ihre Gemeinschaft braucht“

Simraj Danuwar ist in Nepal im Einsatz.
©Aktion Deutschland Hilft/Schamberger


Simraj Danuwar arbeitet bei Habitat for Humanity in Nepal. "Das hier ist meine Gemeinde: Pipaltar im Bezirk Kavre. Hier bin ich aufgewachsen, hier leben meine Eltern und meine Schwester", sagt er.

Der 27-Jährige organisiert und mobilisiert die Gemeinschaft und ist ihr Sprachrohr. "Die meisten von uns sind Bauern. Ich war der erste, der ein College besucht hat." Er erzählt, wie sein Schultag früher aussah: "Um fünf Uhr morgens holte ich Trinkwasser für unsere Büffelkuh, später brachte ich ihre Milch in die Stadt. Wieder zu Hause, aß ich und ging zur Schule. Wenn ich nachmittags zurückkam, holte ich wieder Trinkwasser oder half auf dem Feld." Und am Abend machte er sich an die Hausaufgaben.

Botschafter der Hoffnung

Simraj Danuwar sagt weiter: "Die Helfer, die hierher kommen, sind Botschafter der Hoffnung. Auch ich als Community Manager kann den Menschen Hoffnung bringen. Ich kann Streit schlichten. Ich kann dafür sorgen, dass eine Familie, die ein Stück Land seit Jahrzehnten bewirtschaftet, dieses Land endlich juristisch stichfest zugeschrieben bekommt."

Er ist sehr glücklich darüber, sein Dorf unterstützen zu können. "Aber allein mit Hoffnung und gutem Herzen ist niemandem geholfen." Simraj Danuwar plant daher, weiter zu studieren, einen Master zu machen. "Vielleicht spezialisiere ich mich auf Katastrophenhilfe und Wiederaufbau."

Simraj Danuwar kann sich auch vorstellen, in sein Heimatdorf zurückzukehren: "Als Bauer. Mit einem Businessplan."

José Carlos Leon Vargas: „Ich wollte etwas ändern"

José Carlos mit einem Beneficiary auf der Müllhalde
© SiKanda/Mexiko


José Carlos Leon Vargas arbeitet als Direktor bei SiKanda, einem Kooperationspartner von TERRA TECH:

"Ich wurde in Oaxaca geboren, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos. Während ich eine gute Ausbildung genießen durfte und immer genug zu essen hatte, waren mir die großen Unterschiede in der Gesellschaft stets bewusst und ich wollte etwas ändern.

Eine NGO für Müllsammel-Familien

Nach dem Studium arbeitete ich 13 Jahre für NGOs rund um den Globus. Die so gemachten Erfahrungen halfen mir, als ich mit meiner Frau in meiner Heimat Mexiko eine eigene NGO gründete: SiKanda.

Im Jahre 2008 starteten wir mit einem Budget von 300 Euro, einem Fahrrad und einem alten Laptop. Unsere Zielgruppe sind Müllsammel-Familien auf den Müllhalden rund um die Stadt Oaxaca. Anstelle des Mülls aus der Stadt bringen wir soziale Projekte in die ärmeren Gebiete. Heute erreichen wir mit unseren elf Mitarbeitern über 2000 Menschen in 15 Gemeinden."

Bildergalerie: Helfer weltweit erzählen ihre Geschichten

Klicken Sie sich hier durch unsere Bildergalerie zum Welttag der Humanitären Hilfe.

Der Welttag der Humanitären Hilfe

Der Welttag der Humanitären Hilfe am 19. August ist den Menschen gewidmet, die bei einem humanitären Einsatz ihr Leben verloren haben.

Am 19. August 2003 kamen 22 Mitarbeiter der Vereinten Nationen bei einem tödlichen Bombenanschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bagdad ums Leben. Daran wollen die Vereinten Nationen jährlich erinnern und das internationale humanitäre Engagement würdigen. 

Im Jahr 2017 lautet das Motto der Vereinten Nationen #NotATarget. Unsere Bündnisorganisationen sorgen mit Sicherheitstrainings und Schulungen vor. Dennoch werden Helfer in vielen Ländern immer öfter selbst Opfer von Gewalt.

Der Gedenktag gilt zugleich den Menschen, die auf Nothilfe und Schutz angewiesen sind. Im Jahr 2016 waren das den Vereinten Nationen zufolge weltweit mehr als 130 Millionen Frauen, Männer und Kinder.

Infografiken zum Einsatz Humanitärer Helfer

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die vom Hungertod bedrohten Menschen in Afrika:

Spenden-Stichwort: Hunger in Afrika
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden