Im Kongo werden immer noch viele Kindersoldaten eingesetzt. Ein Junge schaut aus einem Zelt in einem Flüchtlingslager.

Kinder in NotKony 2012 – Kindersoldaten

Kony 2012 – so hieß ein umstrittenes Kampagnenvideo der Organisation Invisible Children Inc., das seit März 2012 um die Welt geht. Bewirken sollte es die Festnahme des ugandischen Rebellenführers Joseph Kony, der zwischen 1986 und 2006 rund 30.000 Kinder als Kindersoldaten missbraucht hat.

Nach Veröffentlichung des Videos wurde Kony kontrovers diskutiert und in vielerlei Hinsicht stark kritisiert. Das Video richtete den Blick der Öffentlichkeit auf das Verbrechen der Rekrutierung von Kindersoldaten - eine der vielen von der Weltgemeinschaft „vergessenen“ Katastrophen.

Kindersoldaten: Die Situation in Uganda

Nach seiner Unabhängigkeit 1962 wurde Uganda in den 1970er Jahren von der Terrorherrschaft Idi Amins gepeinigt. Auch danach erlebte das Land Kämpfe zwischen der Regierung von Milton Obote und Yoweri Museveni, der seit 1986 als Präsident das Land regiert. In Nord-Uganda etablierte sich als Gegenspieler des Präsidenten die Rebellenorganisation Lord´s Resistance Army (LRA) unter Führung von Kony.

Nahezu 20 Jahre lang litt der Norden Ugandas unter der Auseinandersetzung zwischen der ugandischen Armee und der LRA, die grausam auch gegen die eigene Bevölkerung vorging. Sie mordete, plünderte, vergewaltigte und entführte Erwachsene und Kinder. Seit 2006 ist Nord-Uganda zur Ruhe gekommen, nachdem die Regierung und die LRA Friedensgespräche aufgenommen hatten und sich die LRA aus Uganda zurückzog.

Tausende Mädchen und Jungen missbraucht

Rund 30.000 Minderjährige, vor allem Kinder zwischen 9 und 16 Jahren, hat die LRA zwischen 1986 und 2006 in Uganda verschleppt und als Kindersoldaten oder Sex-Sklaven missbraucht. Auch in der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan sowie Zentralafrika operierte die LRA.

Um schwer traumatisierte Kinder und Jugendlichen wieder in die Gesellschaft zu integrieren, arbeitet World Vision in Uganda mit den ansässigen Berufsschulen zusammen und ermöglicht ehemaligen Kindersoldaten und anderen Jugendlichen, einen Beruf zu erlernen. Das Rebound-Projekt, das vom Jack-Wolfskin-Geschäftsführer Manfred Hell und dem Musiker Wolfgang Niedecken mitgetragen wird, unterstützt junge Maurer, Zimmerleute oder Näherinnen nach ihrem Trainingsabschluss mit einem Startkapital und dem nötigen Werkzeug, so dass sie sich ein eigenes kleines Gewerbe aufbauen können. Ihre Existenzgründung wird durch ein Coaching begleitet, um den Erfolg des Projekts langfristig zu sichern.

Hilfe für traumatisierte Kinder & Jugendliche

Auch Mädchen und Kindermüttern wird geholfen. Viele der jungen Mädchen, die bei einer Vergewaltigung schwanger wurden, werden von der Gesellschaft ausgegrenzt. Ihnen soll eine Berufsausbildung ermöglichen, sich und ihren Kindern eine menschenwürdige Zukunft aufzubauen.

Als Kindersoldaten gelten nicht nur minderjährige Kämpfer, sondern auch Träger, Köche und Informanten bewaffneter Gruppen. Diese UN-Definition soll Kinder schützen und dafür sorgen, dass sie im Falle einer Demobilisierung Anrecht auf Hilfsmaßnahmen haben. Auch Mädchen und jungen Frauen, die häufig als Köchinnen und Sexsklavinnen missbraucht werden, soll geholfen werden.

Kinder als Soldaten: Uganda ist kein Einzelfall

Zwar verbietet ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention jegliche Art des Kriegseinsatzes von Jugendlichen unter 18 Jahren. Allerdings sind diesem Protokoll mit 143 Ländern bislang nicht alle Mitglieder der Weltgemeinschaft beigetreten. Vielerorts werden Kinder weiterhin für den Kriegseinsatz rekrutiert. Uganda ist damit bei weitem kein Einzelfall.

2011 veröffentlichte der UN-Sicherheitsrat eine Liste von über 60 bewaffneten Armeen und Rebellentruppen, die in 15 Ländern weltweit noch immer Kinder als Soldaten rekrutieren. Dazu zählten Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Irak, Myanmar, Nepal, Somalia, Sudan, Südsudan, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, Kolumbien, Philippinen, Sri Lanka, Uganda und Jemen. Schätzungsweise 250.000 Kinder sind derzeit weltweit an Kampfhandlungen beteiligt.

Quelle: World Vision, UNICEF

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