Im Kongo werden immer noch viele Kindersoldaten eingesetzt. Ein Junge schaut aus einem Zelt in einem Flüchtlingslager.

Kinder in NotKony 2012 – Kindersoldaten

27-04-2012

Kony 2012 – so heißt das umstrittene Kampagnenvideo der Organisation Invisible Children Inc., das seit Anfang März um die Welt geht. Bewirken soll es die Festnahme des ugandischen Rebellenführers Joseph Kony, der zwischen 1986 und 2006 rund 30.000 Kinder als Kindersoldaten missbraucht hat. Seit Veröffentlichung des Videos wird Kony 2012 überaus kontrovers diskutiert und in vielerlei Hinsicht stark kritisiert. Eines hat die Kampagne trotz aller berechtigter Kritik – wie in der Medienberichterstattung der letzten Wochen deutlich wird – immerhin geschafft: Den Blick der Öffentlichkeit wieder auf das Verbrechen der Rekrutierung von Kindersoldaten zu lenken. Denn wie so viele von der Weltgemeinschaft „vergessene“ Katastrophen findet das Thema kaum Beachtung in den Medien.

Die Situation in Uganda

Nach seiner Unabhängigkeit 1962 wurde Uganda zwischen 1971 und 1979 von der Terrorherrschaft Idi Amins mit mehreren hunderttausend Toten gepeinigt. Auch danach erlebte das Land verlustreiche Kämpfe zwischen der Regierung von Milton Obote und Yoweri Museveni, der seit 1986 als Präsident das Land regiert. In Nord-Uganda etablierte sich als Gegenspieler des Präsidenten die Rebellenorganisation Lord´s Resistance Army (LRA) unter Führung von Kony.

Nahezu 20 Jahre lang litt der Norden unter der Auseinandersetzung zwischen der ugandischen Armee und der LRA, die mit unbeschreiblicher Grausamkeit auch gegen die eigene Bevölkerung vorging: Sie mordete, plünderte, vergewaltigte und entführte Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Seit 2006 ist Nord-Uganda zur Ruhe gekommen, nachdem die Regierung und die LRA Friedensgespräche aufgenommen hatten und sich die LRA aus Uganda zurückzog.

Doch noch immer ist vor allem die Situation von Frauen und Kindern prekär: Die LRA ist durch ihre systematische Verschleppung von Kindern weltweit berüchtigt und gilt als brutalste Rebellenorganisation der Welt. Rund 30.000 Minderjährige, vor allem Kinder zwischen 9 und 16 Jahren, hat die LRA zwischen 1986 und 2006 in Uganda verschleppt und als Kindersoldaten oder Sex-Sklaven missbraucht. Inzwischen operiert die LRA vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo. Doch auch der Süd-Sudan und die Zentralafrikanische Republik dienen der Miliz als Rückzugsbasis und werden von deren Aktionen destabilisiert.

Im Norden Ugandas dagegen hat sich die Sicherheitslage nach dem Rückzug der LRA zwar merklich verbessert. Doch leidet die Region nach wie vor an einem enormen Entwicklungsrückstand. Einige hunderttausend Binnenflüchtlinge leben noch immer in Flüchtlingslagern, die ehemaligen Kindersoldaten sind schwer traumatisiert. Die Bevölkerung steht vor der Herausforderung, in ein geregeltes Leben zurückzukehren und ehemalige LRA-Kämpfer wieder in die Gesellschaft aufzunehmen.

World Vision unterstützt ehemalige Kindersoldaten in Uganda

Um die schwer traumatisierten Kinder und Jugendlichen wieder in die Gesellschaft zu integrieren, arbeitet World Vision im Distrikt Pader in Nord-Uganda mit den ansässigen Berufsschulen zusammen und ermöglicht ehemaligen Kindersoldaten und anderen Jugendlichen, einen Beruf zu erlernen. Das Rebound-Projekt, das vom Jack-Wolfskin-Geschäftsführer Manfred Hell und dem Musiker Wolfgang Niedecken mitgetragen wird, unterstützt junge Maurer, Zimmerleute oder Näherinnen nach ihrem Trainingsabschluss mit einem Startkapital und dem nötigen Werkzeug, so dass sie sich ein eigenes kleines Gewerbe aufbauen können. Ihre Existenzgründung wird durch ein Coaching begleitet, um den Erfolg des Projekts langfristig zu sichern. Besondere Hilfe wird den Mädchen und Kindermüttern zuteil. Viele der jungen Mädchen, die nach einer Vergewaltigung schwanger geworden sind, werden von der Gesellschaft ausgegrenzt. Ihnen soll eine Berufsausbildung ermöglichen, sich und ihren Kindern eine menschenwürdige Zukunft aufzubauen.

Über 60 Armeen und Milizen rekrutieren weltweit Kindersoldaten

Als Kindersoldaten gelten nicht nur Kämpfer, sondern auch minderjährige Träger, Köche und Informanten bewaffneter Gruppen. Diese UN-Definition soll die Kinder besser schützen und dafür sorgen, dass sie im Falle einer Demobilisierung Anrecht auf Hilfsmaßnahmen haben. Vor allem soll damit den Mädchen und jungen Frauen geholfen werden, die häufig als Köchinnen und als Sexsklavinnen missbraucht werden.

Zwar verbietet ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention jegliche Art des Kriegseinsatzes von Jugendlichen unter 18 Jahren. Allerdings sind diesem Protokoll mit 143 Ländern bislang nicht alle Mitglieder der Weltgemeinschaft beigetreten und in der Praxis geht die Rekrutierung von Kindern für den Kriegseinsatz vielerorts weiter. Uganda ist damit bei weitem kein Einzelfall. Im April 2011 veröffentlichte der UN-Sicherheitsrat im Anhang eines Berichts über den Missbrauch von Kindern in bewaffneten Konflikten eine Liste von über 60 bewaffneten Armeen und Rebellentruppen, die in 15 Ländern weltweit – in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, in Irak, Myanmar, Nepal, Somalia, Sudan, Südsudan, Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, in Kolumbien, auf den Philippinen, in Sri Lanka, Uganda und im Jemen – noch immer Kinder als Soldaten rekrutieren. Schätzungsweise 250.000 Kinder sind derzeit weltweit an Kampfhandlungen beteiligt.

Quelle: World Vision, UNICEF

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