„Wir mussten rennen, um unser Leben zu retten“
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Flucht und Hunger im Südsudan „Wir mussten rennen, um unser Leben zu retten“

15-09-2015

Aissa und ihre Geschwister mussten rennen, um ihr Leben zu retten

Ihre Stadt, eine belebte Stadt an einem Fluss, ist nur noch Erinnerung. Das Handelszentrum Bentiu im nördlichen Südsudan wurde Mitte Januar 2014 niedergebrannt. Aissa* floh mit ihren jüngeren Geschwistern in den Busch.

“Mutter und Vater wurden in einem Kreuzfeuer getötet. Wir konnten nicht viel machen. Wir mussten rennen, um unser Leben zu retten.” Aissa blickt bei der Erinnerung zur Seite, um ihre Tränen zu verbergen.  Die 16Jährige hatte in dem furchtbaren Moment der Trennung von den Eltern aber wahrscheinlich die einzig richtige Entscheidung getroffen, denn drei Monate später kamen in Bentiu bei einem Massaker erneut hunderte Menschen ums Leben.

Die Flüchtlinge leben in ärmlichen provisorischen Unterkünften

Mit der Hilfe von Nachbarn konnten Aissa und ihre drei Geschwister im Busch überleben. Sie hatten nichts mitgenommen bei ihrer Flucht. Eine ältere Frau nahm sich besonders der vier Waisen an und half ihnen, den Bezirk Twic im angrenzenden Bundesstaat Warrap zu erreichen. Dort wird momentan nicht gekämpft, aber die Dörfer der Region haben selbst viele Probleme und wenig abzugeben. So leben die Waisen zusammen mit vielen weiteren geflohenen Menschen in ärmlichen provisorischen Unterkünften aus Ästen und Planen oder Stofffetzen.

Bereits als Flüchtling geboren

Aber war Bentiu überhaupt wirklich “ihre” Stadt? Aissa und ihre Geschwister wurden bereits als Flüchtlinge geboren – in einem Auffanglager für Vertriebene in der nordsudanesischen Hauptstadt Khartum. Dort hatten ihre Eltern Zuflucht vor dem Bürgerkrieg in den neunziger Jahren gesucht. Von ihren Verwandten wurde die Familie bei der Flucht getrennt, und Aissa weiß nicht wo sie sie finden könnte.

Die Unabhängigkeit des Südsudan gab der Familie Hoffnung, dass in ihrer Heimat ein Neuanfang möglich wäre. Daher verließ sie 2012 Khartum und ging zurück in die Heimatregion. Doch der Ausbruch des Konflikts zwischen der neuen südsudanesischen Regierung und Rebellen im Dezember 2013 zerstörte ihre Träume. Wie bei so vielen Südsudanesen, die sich nach Frieden und einem besseren Leben sehnen.

Aissa (16) kümmert sich nun um die Versorgung ihrer Geschwister

Das Leben in Bentiu sei nicht leichter gewesen als das Leben im Lager in Khartum, meint Aissa. Ihr Vater arbeitete hart als Schreiner und die Mutter wusch Wäsche, um Essen auf den Tisch zu bringen. Sie waren aber so arm, dass sie Aissa nicht zur Schule schicken konnten.

Aissa würde immer noch gerne zur Schule gehen und eines Tages gerne Ärztin werden. Auch diesen Traum teilt sie mit vielen jungen Menschen im Südsudan. Ohne Unterstützung ihrer Eltern und jetzt als Flüchtling muss die Älteste und damit Hauptverantwortung tragende Teenagerin  aber noch viel mehr leisten, um ihrem Traum näher zu kommen. “In Bentiu hat mein Vater Essen gebracht, aber jetzt muss ich Feuerholz sammeln, um Essen für uns kaufen zu können”, nennt sie als Beispiel.  Morgens verlässt sie mit anderen Mädchen das Flüchtlingslager, um Feuerholz zu sammeln.  In einer Gruppe sind sie sicherer. Manchmal komme sie erst abends bei Dämmerung wieder zurück, erzählt Aissa. Das Holz verkaufe sie dann am nächsten Tag auf dem Markt.

Der Verdienst reicht gerade so zum Überleben

Der Verdienst reicht gerade so zum Überleben. “Jeden Tag sorge ich mich aber,  ob wir genug zu essen haben werden, weil wir hier kein Land haben, das wir bestellen könnten”, erzählt Aissa.  Die ältere Nachbarin, die sich noch immer um die Waisen kümmert, gibt dem Mädchen Recht. “Unser Leben wäre besser, wenn wir etwas anbauen und ernten könnten.”

Die Binnenflüchtlinge erhalten zwar  Nahrungsmittelhilfe, aber die Rationen reichen nicht aus, um gesund zu leben. Wer Glück hat, findet eine bezahlte Arbeit bei einem Bauern in der Nähe und kann dadurch seine Lage etwas verbessern. 

World Vision hilft Waisenkindern andere Familienangehörige zu finden

World Vision-Mitarbeiter versuchen, Waisenkindern und von ihren Familien getrennten Kindern bei der Suche nach Angehörigen zu helfen. In Warrap gelang ihnen dies in den letzten Monaten auch bei mehr als 100 Kindern. Auch durch Kinderbetreuungsangebote,  mit Koch- und anderen Haushaltsutensilien hilft World Vision den Flüchtlingen. In der Umgebung werden außerdem unterernährte Kinder mit energiereicher Nahrung aufgepäppelt und Bauern bei der Verbesserung ihrer Ernährungsgrundlage unterstützt. 

Fest steht aber: Nur wenn sich im Südsudan der Wille zur Einhaltung des kürzlich verabschiedeten Friedensabkommens durchsetzt und die Flüchtlinge sich mit internationaler Hilfe wieder ansiedeln können, können mehr als 750.000 aus ihren Dörfern vertriebene Kinder im Südsudan auf eine Zukunft und die Rückkehr in die Schule hoffen.

*Name aus Kinderschutzgründen geändert

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