Sudan - Darfur / Tschad40 Fasten-Euro für den Sudan Malteser Nothilfe-Expertin: Sicherheitslage in Darfur instabil wie das Stromnetz!

03-10-2007

Mit dem „instabilen Stromnetz“ vergleicht die Malteser Nothilfe Expertin Birke Herzbruch die Sicherheitslage in Darfur: „Trotz einiger Fortschritte nach den Friedensgesprächen von Abnja gibt es immer wieder Ausfälle der Sicherheit: Banditen plündern, Milizen kämpfen – dazu kommen zahlreiche Übergriffe auf Frauen.“ Die Folge der Kämpfe seien große Lücken in der Versorgung der inzwischen mehr als zwei Millionen Flüchtlinge.

Viele Menschen haben nach wie vor keinen Zugang zu Wasser, Nahrung und sanitätsdienstlicher Hilfe. „Zudem wächst der Druck der Regierung auf die Vertriebenen, wieder in ihre Dörfer zurückzukehren. Man will damit die Normalisierung der Situation ‚beweisen’ – die Dörfer aber sind zerstört und bieten keine Lebensgrundlage mehr“, so Herzbruch.

Die Nothilfe-Expertin, die seit dem Sommer 2004 im Norden der Krisenregion Darfur tätig ist, hat bisher Impfkampagnen gegen Kinderlähmung organisiert, Medikamente verteilt, den Wiederaufbau zerstörter Gesundheitszentren und Programme zur Weiterbildung von Hebammen unterstützt.
In den 40 Tagen der Fastenzeit berichtet sie wöchentlich über ihre Erlebnisse in Darfur. Sie unterstützt damit die Aktion der Malteser "40 Fasten-Euro für den Sudan", die vor zwei Wochen begonnen hat. Die Malteser bitten darum, in den 40 Tagen der Fastenzeit an jedem Tag einen Euro für den Sudan zurückzulegen. Mit 40 "Fasten-Euro" können im Darfur 160 Kinder geimpft werden oder fünf Kinder täglich mit der überlebensnotwendigen Zucker-Salz-Lösung versorgt werden.

Hier Birke Herzbruchs aktueller Bericht:
"Seit einer Woche sitze ich ohne Strom im Malteserbüro in El Fasher. Auch heute wird es keinen Strom geben. Unsere nationalen Mitarbeiter erzählen, dass beide Generatoren der Stadt noch ausgefallen sind. Die Reparaturen ziehen sich hin. Vielleicht gibt es morgen Strom, Inshallah ... So Gott will.
Auch unser kleiner Generator, der im Vorhof des Gebäudes steht, macht Pause. Wahrscheinlich setzt ihm die Hitze zu. Das Thermometer kletterte in den letzten Tagen auf über 40°C im Schatten, dabei sollte es bis Ende März eigentlich kühl bleiben, angenehme 34°C, so hieß es.

Nach endlosen Versuchen, den Generator in Betrieb zu nehmen, gebe ich auf, nehme Laptop und Mobiltelefon und gehe auf das dreimal wöchentlich stattfindende Sicherheitsmeeting der Vereinten Nationen (VN). An diesen Treffen nehmen alle internationalen Organisationen teil und tauschen sich über die Sicherheitslage in Norddarfur aus. Während Laptop und Mobiltelefon laden, füllt sich der Raum mit den üblichen Gesichtern, man begrüßt sich und wartet auf die Sicherheitsexperten der VN. Es wird berichtet, dass vor ein paar Tagen ein Helikopter der Vereinten Nationen im Norden von den Rebellen beschossen wurde, in derselben Region kam es zu Auseinandersetzungen um Wasserressourcen und Vieh. Weiter südlich sind Mitarbeiter einer Hilfsorganisation über Nacht "Gäste" der Rebellen gewesen, am nächsten Tag wurden sie wieder freigelassen und kehrten unversehrt nach El Fasher zurück. Man steht nach dem Treffen noch ein Weilchen zusammen, trinkt ein Glas Tee, tauscht Informationen aus zur Lage in den Projektgebieten oder plaudert einfach mit netten Kollegen.

Danach geht es wieder ins Büro: der Laptop ist fast aufgeladen, so kann ich wenigstens eMails abrufen und beantworten, Berichte schreiben, Projektanträge erstellen und Statistiken für das Gesundheitsministerium vorbereiten. Die Batterie hält aber nicht lange und das nächste Treffen steht auch schon wieder an: diesmal im Gesundheitsministerium. Die vorherrschenden Themen hier lauten: Koordination und die nächsten Immunisierungskampagnen gegen Polio und Meningitis.

Zurück im Büro muss ich feststellen, dass es heute definitiv keinen Strom mehr geben wird. So bleibt mir nur, Telefonate zu führen, Projektkomponenten mit Unicef zu besprechen, Ablage zu machen und - den Kühlschrank zu entsorgen. Bei den Temperaturen halten sich keine Lebensmittel länger als zwei Tage ungekühlt. In dem für die Impfkampagnen zuständigen Department habe ich eine große Kühlbox besorgt, die wir morgen ins Projektgebiet mitnehmen. Sie ist bis zum Rand gefüllt mit Impfstoffen und mit viel Eis. Eis, das ich auch gerne für die Getränke nutzen würde ... trotz Fastenzeit... bei 40 °C im Schatten. Wer weiß: vielleicht gibt es ja morgen wieder Strom - Inshallah."

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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