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GazakonfliktGaza: Leben mit den Narben des Krieges

14-10-2014

Vom 8. Juli bis 26. August eskalierte die Gewalt zwischen israelischem Militär und der Hamas im Gazastreifen erneut dramatisch. Laut OCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) sind auf israelischer Seite 77 Todesopfer zu beklagen, auf palästinensischer 2.131, darunter 501 Kinder. Mindestens 373.000 Kinder benötigen psychosoziale Betreuung, um das Erlebte zu verarbeiten. Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V., die bereits von 2009 bis 2013 psychosoziale Hilfe im Gazastreifen geleistet haben, werden erneut vom 25.10. bis 8.11. in Dir El Balah und Gaza-Stadt traumapädagogisch tätig werden.

Neben stabilisierenden Maßnahmen für Kinder und Jugendlichen wird das ehrenamtliche Expertenteam aus Deutschland auch für lokale NotfallpädagogInnen psychosoziale Hilfe an bieten. „Wir arbeiten bereits seit 2010 mit Reem Abu Jaber zusammen, die mittlerweile Leiterin des Nawa Centres for Culture and Arts ist. Viele ihrer MitarbeiterInnen wurden von uns notfallpädagogisch geschult“, berichtet Bernd Ruf, geschäftsführender Vorstand der Freunde der Erziehungskunst und Einsatzleiter. „Alle diese jungen Menschen haben in den vergangenen Wochen erneut seelische Wunden erlitten, die langsam vernarben. Sie haben Todesängste durchlebt, Todesopfer in der Familie und im Freundeskreis zu beklagen und vielleicht ihr Zuhause verloren. Sie sind selbst traumatisiert und bedürfen psychosozialer Hilfe.“

Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene werden durch die von Menschenhand verursachte Gewalt traumatisiert. Aufgrund der immer wiederkehrenden Eskalation der Gewalt im Gazastreifen sind die Menschen zudem ständigen Retraumatisierungen ausgesetzt, fühlen sich hilflos und entwickeln keine Zukunftsperspektiven. Die Arbeit der lokalen NotfallpädagogInnen mit Kindern kann vor diesem Hintergrund eine heilende Wirkung haben: Durch das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit kann der Opferrolle entkommen werden, man ist in der Lage, das eigene Umfeld zu gestalten.
Um den Kindern und Jugendlichen im aktuellen Krisenfall beizustehen, hat das Nawa Centre for Culture and Arts bereits mit der notfallpädagogischen Hilfe begonnen. In Schulen der Vereinten Nationen und in den Räumlichkeiten des Nawa Centres for Culture and Art gab es verschiedene traumapädagogische Aktivitäten. Auch die deutschen NotfallpädagogInnen werden in diesen Örtlichkeiten arbeiten sowie mit Kindern des Samouni-Clans in Zeitoun, einem Vorort von Gaza.

Notfallpädagogik: Pädagogische Erste Hilfe

Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst basiert auf waldorfpädagogischen Methoden und verwandten Therapieformen. Durch die Anregung der Selbstheilungskräfte der Betroffenen wird der Verarbeitungsprozess gefördert und unterstützt. Mit erlebnispädagogischen Übungen soll das Vertrauen in sich selbst und seine Mitmenschen gestärkt werden. Gerade in Kontexten von Kriegen sind derartige Maßnahmen von immenser Bedeutung. In den kunst- und erlebnispädagogischen Kursen haben betroffene Kinder die Möglichkeit den traumatischen Erlebnissen neue, schöne Erfahrungen entgegenzusetzen. Bewegungs- und Klatschspiele bringen Freude, lösen innere Erstarrungen und unterstützen die körperliche Koordination.
Diese nicht-konfrontative Art der Traumaarbeit wurde bereist von 2009 bis 2013 zahlreichen Kindern und Jugendlichen in Gaza geboten, finanziert vom Auswärtigen Amt und in enger Zusammenarbeit mit dem Gaza Community Mental Health Center und dem Al Qattan Center for the Child.

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