Eine Helferin schult Mütter und Kinder in Haiti nach dem Hurrikan Matthew

Hurrikan MatthewEine Klinik trotzt dem Regen

07-05-2018

von Aktion Deutschland Hilft

Am Ende der Auffahrt liegt ein freundlicher Innenhof, gesäumt von hell gestrichenen Gebäuden. Alles ist ruhig - allerdings nur außerhalb der steinernen Fassaden. Dahinter drängen sich vor allem Frauen mit kleinen Kindern und ältere Menschen auf den hölzernen Bänken und dem weißen Fliesenboden. In dem größten der etwa zehn Häuser warten, auf zwei Etagen verteilt, Dutzende Menschen auf medizinische Versorgung.

Dicht an dicht warten die Frauen in der Klinik in Haiti auf Beratung
Aktion Deutschland Hilft/Jakob Studnar

Sejour Manouchka berät Mütter in Haiti

Zwischen ihnen schiebt sich eine junge Frau vorbei an schreienden Babys und müden Müttern. "Willkommen in Lamardelle", sagt Sejour Manouchka und eilt schon wieder davon. Die 34 Jahre alte Frau ist leitende Koordinatorin der Klinik, die mithilfe von action medeor und der langjährigen lokalen Partnerorganisation Fondation Enfant Jesus (FEJ) in der ländlichen Gegend im südlichen Haiti eingerichtet wurde.

Seit fünf Jahren arbeitet Manouchka, die viele Jahre in Port-au-Prince als Erzieherin tätig war, in Lamardelle. Wie so oft berät sie auch an diesem Dienstag ältere Menschen zu Diabetes und schult Mütter, deren Kinder unterernährt sind.

Stillende und schwangere Frauen werden in der Klinik in Haiti beraten
Aktion Deutschland Hilft/Jakob Studnar

Vielen Frauen fehlt die Zeit zum Stillen

Gut 50 Frauen hören Manouchka aufmerksam zu, wie sie Tipps gibt und Spezialnahrung austeilt, mit der die Kinder wieder zu Kräften kommen. "Achtet darauf, dass ihr den Kindern genug davon gebt", sagt sie und klatscht dabei bekräftigend in die Hände, bevor sie reihum die dünnen Arme der Kinder mit einem Maßband misst. "Sorgt auch gut für euch, damit ihr die Kleinen stillen könnt."

Und sie mahnt: Wer mit der energiereichen Erdnuss-Paste zu handeln versuche, werde vom Programm ausgeschlossen. Manche Frauen versuchten, sie gegen Reis oder andere Lebensmittel zu tauschen, erklärt Manouchka später. Viele müssen etliche Kilometer laufen, um Trinkwasser zu holen, ihnen fehle oft schlicht die Zeit zum Stillen.

Hanna Pütz spricht mit Frauen in Haiti ein Jahr nach dem Hurrikan Matthew
© Aktion Deutschland Hilft/Jakob Studnar

Natasha & Myrlande kommen regelmäßig in die Klinik

Eine der Zuhörerinnen ist Natasha. Sie ist 28 Jahre alt und mit ihrem zweieinhalb Jahre alten Sohn Isaac hier. Er soll außerdem gegen Polio geimpft werden – auch das ist kostenlos möglich in der Klinik.

Natasha wohnt nicht weit entfernt. Eine halbe Stunde zu Fuß ist für eine ländliche Gegend in Haiti nahe. Seit dem Hurrikan lebt sie mit fünf Nachbarn in einem Haus. Die alte Unterkunft der Familie wurde zerstört. Ihr Kind zieht sie allein groß: Der Vater lebt in Port-au-Prince und ist auf der Suche nach Arbeit.

Auch Myrlande (Foto) ist froh, dass es die Klinik gibt: Sie ist heute mit ihrer kleinen Tochter Rose-Sarah gekommen, um sie gegen Polio (Kinderlähmung) impfen zu lassen.

Myrlande aus Haiti und ihre Tochter sind froh, dass sie in der Klinik von action medeor gut versorgt werden

Kleine Tipps mit großer Wirkung

Natasha ist froh, dass sie herkommen kann. Vor allem die Tipps zu Gesundheit und Hygiene helfen ihr, sagt sie. Dass sie heute vor dem Behandlungszimmer sitzt, ist nicht selbstverständlich.

Nach dem Hurrikan drohte das Gebäude einzustürzen: Eine der tragenden Wände hielt den von den umliegenden Bergen herabstürzenden Schlammmassen nicht stand. Mit Unterstützung von Aktion Deutschland Hilft konnte die Klinik mit einer stabilen Mauer vor weiteren Regenfluten geschützt werden (Foto).

Hilfsorganisationen haben die Klinik in Haiti sicher wieder aufgebaut
Aktion Deutschland Hilft/Jakob Studnar

"Mich um Leute kümmern - das wollte ich seit meiner Kindheit"

Bevor Sejour Manouchka im Behandlungszimmer verschwindet, stoppt sie bei Natasha. Sie kennt Isaac bereits, seit er ein Jahr alt ist. "Mich um Leute kümmern – das wollte ich schon seit meiner Kindheit", sagt sie noch, bevor sie wieder davoneilt. Bei action medeor und den Partnern von FEJ fühle sie sich damit in genau der richtigen Gemeinschaft.

Eine Helferin in Haiti mit einem Hungermaßband
Aktion Deutschland Hilft/Jakob Studnar


In Haiti helfen unsere Bündnisorganisationen bis heute - zum Beispiel mit Projekten zur Katastrophenvorsorge. Das verhindert Leid, noch bevor es geschieht.

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Spenden-Stichwort: Hurrikan Matthew Karibik
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