ComIn in München: Eine Anlaufstelle für Flüchtlinge mit Behinderung
© Handicap International/Fleischmann

Hilfe für Flüchtlinge ComIn in München: Eine Anlaufstelle für Flüchtlinge mit Behinderung

02-09-2015

von Handicap International

Ziel ist die Einbindung von Flüchtlingen und Migranten mit Behinderung in den deutschen Alltag


Bereits im Jahr 2003 hat Handicap International das Projekt ComIn in München eröffnet. In der „Werkstatt“ im Hinterhof ihres Büros oder auch bei Besuchen in Flüchtlingsunterkünften treffen sich haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter mit behinderten Migranten und unterstützen sie dabei, die engen Grenzen ihres Alltags zu erweitern.

Das Projekt ComIn bietet vor dem Hintergrund der weltweiten Aktivitäten von Handicap International verschiedene Wege an, um die Einbindung von Migranten und Flüchtlingen mit Behinderung im Alltag in Deutschland zu fördern.

Besonders davon profitieren sollen junge Menschen, die nach Beendigung einer Ausbildung oder Förderung keinen direkten Anschluss an das Arbeitsleben finden und sich engagieren wollen, außerdem Migranten mit Behinderung. Eine spezielle Zielgruppe sind Flüchtlinge mit Behinderung, die in den deutschen Flüchtlingsunterkünften häufig keinerlei Zugang zu Kommunikation haben. Ziel ist es für alle Beteiligten, die Kompetenzen im Kommunikationsbereich zu stärken, durch gegenseitige Hilfestellungen, Arbeiten am Computer mit angepassten Hilfsmitteln, Teamarbeit und den Austausch mit Menschen mit Behinderungen aus anderen Ländern.

Was ist ComIn?

Vor allem sind es zunächst die einzelnen Flüchtlinge mit Behinderung, die regelmäßig oder für eine bestimmte Zeit in die Ganghoferstraße, ins Büro von Handicap International, kommen, so lange, bis sie mobil und selbständig eigene Ziele in die Hand nehmen können. Dann die Praktikanten und Ehrenamtlichen, die einzelne Flüchtlinge begleiten, mit ihnen in der Werkstatt arbeiten – oder auch direkt in den Unterkünften die Betreuung insbesondere von Jugendlichen oder Kindern mit Behinderung übernommen haben. Dazu gehört zum Beispiel Eberhard Zink, der für einige Monate einen jungen Iraker und einen jugendlichen Kongolesen im Rollstuhl unterrichtete oder Celine Dutron, die einem jungen Kongolesen dabei half, in ein Jugendzentrum zu kommen, um dort Kontakte zu knüpfen.

Der Äthiopier Taha Osman, der bereits Erfahrung beim Unterrichten von Flüchtlingen gesammelt hatte, übernahm neben seiner Berufstätigkeit für fünf Monate den deutsch-arabischen Unterricht für einen sehbehinderten Syrer. Rainer Schalch begleitete den Iraker Salam A. H. über fünf Monate in seinem Schieberollstuhl von der Unterkunft in Schwabing bis zu der „Werkstatt“ im Münchner Westend. Heute kann sich Salam mit einem Elektrorollstuhl selbständig fortbewegen. Jawid, ein junger afghanischer Flüchtling aus Augsburg, übernahm auch sprachlich mühelos die Ferienbetreuung von zwei behinderten Jungen aus dem Irak und Afghanistan, begleitete die beiden zu Projekten eines Abenteuerspielplatzes, der ihm von einem Praktikum her vertraut war. Andrea Gerstner wiederum hat die Begleitung eines blinden Kosovaren übernommen, um dessen Angehörige zu entlasten. Auch er kommt heute selbständig zur „Werkstatt“.

Der Fokus liegt darauf Kompetenzen im Kommunikationsbereich auszubilden

Es gibt einzelne Kurse, die nach Bedarf eingerichtet werden: Dazu gehören regelmäßig angebotene Braille-Kurse, eine Einführung in die EDV-Nutzung der Braille-Schrift für Blinde und Sehbehinderte am Computer, oder Deutschübungen für Blinde und Sehbehinderte in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Darüber hinaus entstehen zunehmend einzelne Projekte aus Eigeninitiative der Nutzer, die immer selbständiger arbeiten, oder gemeinsame Projekte. Zu diesen gehört die mit dem Münchner Flüchtlingsrat entwickelte Ausstellung, an der sich u.a. der ComIn-Nutzer Lazarus D. beteiligte, indem er Kontakte zu Betroffenen in seiner Unterkunft herstellte. Diese Ausstellung lenkt den Blick in eine neue Richtung: die Flüchtlingsunterkünfte und die Lebensbedingungen für behinderte Menschen dort – ein wichtiger Fokus für ComIn, denn Schwerkranke und Schwerstpflegebedürftige sowie besonders in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen werden nie den Weg bis in die Ganghoferstraße schaffen.

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