LandminenStreubomben: Eine Berührung verändert das ganze Leben

18-09-2020

von Aktion Deutschland Hilf/Handicap International

Millionen von Tastsensoren sitzen in unser Haut, mit denen wir täglich die Welt berühren und uns von ihr berühren lassen. Vom Säugling bis ins hohe Alter hinein, tasten und fühlen wir und bilden damit unser gesamtes Weltverhältnis aus. Schöne wie auch schmerzvolle Erfahrungen kann das hinterlassen, in manchen Teilen der Welt leider auch lebenseinschneidende.

"Es sah aus wie ein Ball"

"Es war ein sehr kleines, rundes Objekt und sah aus wie ein Ball", erinnert sich Chue Por Vang aus der Provinz Houaphan in Laos. Auf dem Heimweg von der Schule weckte das auf dem Feldboden liegende kuriose Etwas die Neugierde des Kindes.

Seit dieser einen Berührung lebt Chue ohne seinen linken Arm. Fünf Jahre lang mussten seine Eltern die Schulden begleichen, die die Behandlung im Krankenhaus kostete – für die Bauernfamilie beinahe der finanzielle Ruin.

Loslassen – aber wie?

Heute ist der 30-jährige Chue selbst Vater von vier Kindern. Gemeinsam mit seiner Frau kümmert er sich um das Land und die Tiere. Doch dieser eine Tag lässt ihn nicht los: "Ich bin wütend", sagt er mit gedämpfter Stimme, weil es ihm unangenehm ist.

"Meine Frau ist die einzige, die das Land richtig bearbeiten kann. Sie kümmert sich auch um die Kühe und unser Haus. Ich helfe, so gut ich nur kann. Doch wir sind auf das Land angewiesen, und haben Mühe, unsere Kinder davon zu ernähren." Dass in seiner Heimat weiterhin so viele explosive Kriegsreste liegen und seine Kinder bedrohen, trägt sichtlich zu seiner Wut bei.

Laos: Auf tödlichen Feldern

Chue ist keine Ausnahme: In Houaphan kennt jeder jemanden, der bei einem Unfall mit Streumunition, die zum Großteil noch aus dem Vietnamkrieg stammt, gestorben oder verletzt worden ist. Noch immer liegen geschätzt 80 Millionen der kleinen runden Bomben 20 bis 25 cm unter der Erdoberfläche vergraben.

Stand: März 2019

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Schon bei der geringsten Berührung oder Erschütterung können sie explodieren: durch einen Spatenstich, eine neugierige Hand oder den Schritt eines Bauern. In einer Region, in der die Menschen auf Landarbeit angewiesen sind, passiert genau dies regelmäßig. Viele wissen, dass die Felder gefährlich sind, doch das Überleben hängt auch davon ab, wie viel auf ihnen angebaut werden kann. Die Bauern gehen hinaus – trotz der Angst im Bauch.

Entminungsteam: Mit Metalldetektor auf Suche nach den Bomben


"Jedes Mal, wenn ich eine Bombe finde, weiß ich, dass sie niemandem mehr Schaden zufügen kann. Das macht mich sehr glücklich", erzählt die junge Oncha Phonethavon. "Und sobald wir ein Feld geräumt haben, bekommen die Bauern es zurück und danken uns. Dann hat sich ihr Leben dank uns verändert", ergänzt sie lächelnd.

Eigentlich wollte die 20-Jährige nach ihrem Studium Sozialarbeiterin werden. Doch als sie eines Tages die Durchsage von Handicap International über den Lautsprecher in ihrem Dorf hörte, entschloss sie sich, einem Minenräumungsteam anzuschließen.

Nicht nur, weil es spannend klang, auch aus einem Verantwortungsgefühl ihrer Heimat gegenüber, wie Oncha berichtet. Ein Jahr wurde sie intensiv ausgebildet. Heute tastet sie sich gekonnt mit einem Metalldetektor und ihrer Ausrüstung in der Hand Schritt für Schritt durch die Felder voran.

Bereits 30.000 explosive Kriegsreste vernichtet

"Ich habe keine Angst. Es stimmt, dass ein Risiko besteht, aber ich kenne meine Arbeit und die Sicherheitsmaßnahmen. Es reicht, diese Maßnahmen zu befolgen, dann läuft alles gut", sagt sie. "Dieser Job kombiniert Kühnheit, große körperliche Ausdauer und den sozialen Aspekt. Es ist nie langweilig. Und vor allem fühle ich mich sehr nützlich."


Seit 2006 hat das Entminungsteam von Handicap International in Laos fast 4.000.000 Quadratmeter Land gesäubert und etwa 30.000 explosive Kriegsreste vernichtet. Und dennoch bleibt für Oncha und das Team noch viel zu tun, bis hier alle die Welt um sich herum gefahrlos berühren können.


Streumunition: Über die Hälfte der Opfer sind Kinder

Handicap International (HI) kämpft für ein weltweites Verbot von Streumunition – und dafür, dass die betroffenen Gebiete geräumt und die Opfer nachhaltig unterstützt werden. Außerdem schult sie Experten und Expertinnen, klärt die Zivilbevölkerung über die Risiken auf und versorgt Opfer mit Prothesen und Physiotherapie. Die Organisation hat bereits in über 20 Ländern Minen und explosive Kriegsreste geräumt.

Derzeit ist sie in sechs Ländern aktiv: im Irak, in Kolumbien, Laos, Libanon, Libyen und im Tschad. Auch heute noch wird Streumunition eingesetzt – zum Beispiel im Jemen und in Syrien. Auch Jahrzehnte nach einem Konflikt besteht für Millionen Menschen die Gefahr durch Blindgänger.

Fast alle Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung, davon mehr als die Hälfte Kinder. Laos ist bis heute eines der am schlimmsten betroffenen Länder. Allein in der Provinz Houaphan müssen noch Tausende Quadratmeter Land geräumt werden.

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