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KatastrophenvorsorgePositionierung zum Schwerpunktthema Katastrophenvorsorge

Positionierung Aktion Deutschland Hilft zum Schwerpunktthema Katastrophenvorsorge

Die Zahl der registrierten Naturkatastrophen weltweit steigt stetig an. Laut ECHO (European Commission Humanitarian Office), dem Amt für humanitäre Hilfe der Europäischen Union, haben sich Naturkatastrophen seit 1975 mehr als verfünffacht. Die Auswirkungen des Klimawandels sind bei dieser drastischen Steigerung ein wichtiger Faktor. Erdbeben, Stürme, Hungersnöte und andere Naturkatastrophen kosteten allein im Jahr 2010 297,752 Menschen das Leben, 304 Millionen Menschen waren betroffen.

Das sind erschreckende Zahlen – die Anforderungen an Hilfsorganisationen steigen damit stetig. Immer wichtiger wird es daher, alle Akteure im Feld der humanitären Hilfe enger zusammenzubringen – ein Ziel, das Aktion Deutschland Hilft, das Bündnis der Hilfsorganisationen, bereits seit der Gründung im Jahre 2001 verfolgt. Unter dem Namen Aktion Deutschland Hilft haben sich bisher insgesamt 17 anerkannte Hilfswerke zusammengeschlossen, um ihre Kompetenzen zu bündeln und im Falle von humanitären Katastrophen gemeinsam weltweit schnelle und vor allem wirksame Hilfe leisten zu können.

Gemeinsam vorbeugen


Doch nicht nur in der akuten Nothilfe wird Zusammenarbeit immer wichtiger: Wie viel Leid kann verhindert werden, wenn man schon vor einer Katastrophe aktiv ist! Katastrophenvorsorge ist daher ein immer bedeutender werdender Bereich der humanitären Hilfe. Diese beschränkt sich längst nicht nur auf die Errichtung von technischen Frühwarnsystemen. Katastrophenvorsorge geschieht schon auf der Mikroebene, bei vielen kleinen Projekten, die gemeinsam mit Betroffenen geplant und umgesetzt werden. Die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung ist dabei außerordentlich wichtig, denn Projekte der Katastrophenvorsorge sind nur dann erfolgreich, wenn die lokalen Strukturen berücksichtigt werden. Hilfe zur Selbsthilfe ist die Leitlinie des Handelns.

Aktion Deutschland Hilft deckt mit seinen Mitgliedsorganisationen bei Wiederaufbauprojekten bereits seit Jahren ein breites Spektrum der Katastrophenvorsorge ab – von der Risikoanalyse bis zur Katastrophenvorbeugung und Vorbereitung auf den Katastrophenfall. Ziel ist es hierbei präventive Maßnahmen immer mit den Betroffenen bzw. lokalen Institutionen gemeinsam zu planen und zu implementieren sowie technische und soziale Kapazitäten zu stärken.

Position Katastrophenvorsorge

Katastrophenvorsorge in Nicaragua und Indonesien

Am Beispiel Nicaragua wird deutlich, wie wichtig es ist, die Maßnahmen an die Lebenssituation der Menschen anzupassen. Denn Naturkatastrophen werden für die Menschen in Nicaragua immer wieder zur tödlichen Gefahr: Während an der Pazifikküste vor allem Vulkanausbrüche und Erdbeben drohen, treten an der Atlantikküste häufig schwere Wirbelstürme und tropische Unwetter auf. Hier engagiert sich unsere Mitgliedsorganisation Arbeiter Samariter Bund (ASB) seit 2004 im Bereich der Katastrophenvorsorge. Ziel der Projektarbeit ist es, durch die Vermittlung von speziellen Verhaltensregeln die Auswirkungen von Naturkatastrophen abzumildern. Dabei setzt der ASB in erster Linie auf die Arbeit mit Schülern, die erfahrungsgemäß ihr Wissen in ihre Familien tragen. Im aktuellen Projekt im Bezirk Waspam im Nordosten des Landes geht es vor allem um das richtige Verhalten bei Wirbelstürmen sowie um die Prävention von Erdrutschen und Waldbränden. Bisher wurden dabei 13.000 Mädchen und Jungen sowie 650 Lehrer an Vor-, Grund- und Sekundarschulen trainiert. Ein Team von acht Lehrerinnen und Lehrern, die selbst aus der Region stammen, besucht die Schülerinnen und Schüler. Sie unterrichten in Miskito, der Sprache der ansässigen Bevölkerung. Ein wichtiges Thema ist hierbei die Evakuierung bei heranziehenden Wirbelstürmen.

Neben Wirbelstürmen sind Erdrutsche, Überschwemmungen und Waldbrände häufig auftretende Gefahren in der Region. Deshalb erklären die ASB-Teams den Schülerinnen und Schülern beispielsweise, dass die Rodung von Bäumen an Hängen Erdrutsche verursachen kann und zeigen ihnen, wie man zur Vermeidung von Erosionen neue Setzlinge pflanzt. Außerdem erfahren bereits die Jüngsten, dass Häuser nicht in unmittelbarer Nähe eines Flusslaufs errichtet werden sollten, da bei Überflutungen oft der gesamte Besitz vom Wasser zerstört wird. Zudem warnen die ASB-Mitarbeiter vor Waldbränden, die in der trockenen Jahreszeit immer wieder durch achtlos weggeworfene Zigaretten entfacht werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist, die Schülerinnen und Schüler für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Sie lernen, wie wichtig es ist, die Flüsse und Brunnen frei von Abfall zu halten, um die Natur zu schonen und gleichzeitig die eigene Trinkwasserversorgung zu sichern.

Auch in Asien (Indonesien) arbeitet der ASB im Rahmen von Projekten der Erdbebenprävention eng mit Lehrern zusammen. Projektmitarbeiter führen Schulungen durch und erläutern, wie im akuten Notfall optimal reagiert werden sollte – ähnlich wie unsere Schulungen der freiwilligen Feuerwehr. Darüber hinaus werden Lehrbücher für Grundschulen entwickelt, die die jungen Menschen kindgerecht auf Erdbeben vorbereiten sollen. In den Erdbebenregionen in Indonesien arbeiten auch die Johanniter mit solchen Trainings verstärkt an der Ausbildung in Erster Hilfe.

Stärkung sozialer Kompetenzen in Indien

Die Mitgliedsorganisationen ADRA und die Malteser gehen im Rahmen von Maßnahmen im Bereich Katastrophenvorsorge in den Flutregionen im Norden von Indien noch weiter: Sie betten ihre Ansätze zur Katastrophenvorsorge ein in Maßnahmen zum Capacity Buildung. Hier geht es gezielt um die Stärkung sozialer Kapazitäten, um, neben der Anschaffung von Holzbooten oder Solarlampen, auch die Dorfgemeinschaften langfristig zu stärken. Die dahinter liegende Idee ist, dass gestärkte Dorfgemeinschaften besser in der Lage sind, sich selbst zu helfen. Dies ist im Norden von Indien besonders wichtig, denn hier leben die ärmsten Bevölkerungsschichten – innerhalb der untersten Kaste, die wiederum unterste Schicht – Menschen also, denen gar nicht bewusst war und ist, dass sie überhaupt Rechte haben. Die längerfristige Arbeit der Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft setzt darauf, die international gültigen Menschrechte überall einzuhalten und die Menschen in ihrer eigenen Entwicklung zu stärken. Daher besteht ein erster Schritt darin, diese Menschen über ihr Recht zum Beispiel auf Bildung aufzuklären. Dazu gehört auch, über das Verhalten bei einem Erdbeben aufzuklären, damit bei der nächsten Flut mögliche Todesopfer verhindert werden.

Position Katastrophenvorsorge

Auch in akuten Krisenländern wie Somalia, dem Sudan und Afghanistan ist Aktion Deutschland Hilft aktiv. So engagiert sich World Vision in Afghanistan, um die lokale Katastrophenvorsorge und das Katastrophenmanagement in 25 Gemeinden der Provinz Badghis zu stärken. Ziel ist die Stärkung der lokalen Katastrophenvorsorge und Reaktionsfähigkeiten in der Region, die immer wieder von starken Schneefällen, Überschwemmungen und Dürren heimgesucht wird und wo die Widerstandskräfte der Bevölkerung durch den Jahrzehntelangen Bürgerkrieg geschwächt sind, um so die Abhängigkeit der Region von reaktiver humanitärer Hilfe zu verringern.

Mit Kooperation und Koordination zum Erfolg


Die Zusammenarbeit mit lokalen Regierungsebenen haben alle Programme der Katastrophenvorsorge gemein, denn nur eine tiefgreifende Verankerung der präventiven Maßnahmen auf politischer Ebene kann auch langfristig die Schadensanfälligkeit der Bevölkerung verringern.

All diese Beispiele zeigen, dass Dank der großen Nähe zur Bevölkerung unsere Mitgliedsorganisationen einen unschätzbaren Pool an detaillierten Kenntnissen der lokalen Verhältnisse in potentiellen Katastrophenregionen gesammelt haben. Ein Wissen, welches stetig im Netzwerk ausgetauscht, unabdingbar für eine rasche Entscheidungsfindung im Notfall ist.

In dieser Koordination und Kooperation liegt die Stärke unseres Aktionsbündnisses weltweit. Dank der intensiven Projektarbeit sind die Teams unserer Mitgliedsorganisationen nah an der Bevölkerung und werden im Katastrophenfall zur unverzichtbaren Informationsquelle.
Die Verbindung lokaler Kompetenz mit globalem Katastrophenmanagement ist die starke Seite unseres Bündnisses.

Verzahnt werden soll aber nicht nur die Arbeit auf Projektebene: Die Zusammenarbeit mit Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ist gerade in der Katastrophenvorsorge unablässig. Aktion Deutschland Hilft beteiligt sich daher aktiv am Sphere Projekt und hat bereits erste Projekte mit DIPECHO umgesetzt. So ist auch die Partnerschaft mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) eine wichtige Kooperation, um sich besser auf extreme Wetterereignisse einzustellen und gefährdete Bevölkerungsgruppen auf mögliche Naturereignisse vorbereiten zu können. Im Falle eines Einsatzes erhält das Bündnis von den Meteorologen aktuelle Wetterdaten, um die Arbeit der Hilfsorganisationen vor Ort besser planen und koordinieren zu können.

Insgesamt lässt sich Katastrophenvorsorge als zwingende Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung einer Gesellschaft einordnen. Allein die bestmögliche Absicherung gegenüber Naturgefahren mit ihren verheerenden Auswirkungen kreiert für eine Gesellschaft das Umfeld, sich nach ihren besten Möglichkeiten und Fähigkeiten zu entfalten.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die Katastrophenvorsorge:

Spenden-Stichwort: Katastrophenvorsorge
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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