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Taifun Haiyan/PhilippinenEin Lichtblick auf den Philippinen: Endlich wieder frisches Trinkwasser in Hernani

09-01-2014

Ein unschlagbares Team

Jeder kennt ihn hier inzwischen, in der Kleinstadt Hernani auf den Philippinen, den über 1,90 m großen Wasserbauingenieur Friedrich Machein von arche noVa. „Er gehört schon fest mit zur Gemeinde“, stellt Pfarrer Francisco Courado, der von allen Father Tito genannt wird, lachend fest. „Ich will Ihnen ein Geheimnis verraten“, sagt der katholische Priester, „das ist der erste Deutsche, mit dem ich je in meinem Leben gesprochen habe.“ Inzwischen bilden die beiden ein festes Team, der deutsche Wasserbauingenieur und der Gemeindepfarrer von Hernani, das sich in der in der entlegenen Region von Eastern Samar befindet - einem Landstrich, der auch vom verheerenden Taifun Haiyan heimgesucht wurde.

Hernani: Ein Dorf nach der Katastrophe


Elf Tage nach der Katastrophe traf Friedrich Machein mit einem kleinen Erkundungsteam von arche noVa in Hernani ein. Wo konnten und sollten sie mit ihrem besonderen Know-how der schnellen Trinkwasserrehabilitierung am besten tätig werden? Das entlegene Hernani mit zirka 11.000 Einwohnern, tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, war schwer getroffen. „Gott sei Dank haben wir nur 77 Todesopfer zu beklagen, aber sonst ist alles kaputt“, zieht Bürgermeister Edgar Boco, 36, Bilanz. Fischfang und Kokosöl sind hier die Haupteinnahmequellen. Doch die Boote sind zerstört, die Kokospalmen entwurzelt. Ein ganzer Landstrich der Existenzgrundlage beraubt. Das gewaltige Ausmaß der Zerstörung erschreckte auch Machein: „Es sah aus, als wäre eine Explosionswelle über diesen Teil der Insel gerollt. Nichts ist den Menschen geblieben. Kaum ein Haus hat der Katastrophe standgehalten.“ Doch das dringendste Problem: Trinkwasser! Der Sturm löste eine gewaltige 15 Meter hohe Flutwelle aus, die nicht nur Menschen, Boote, Häuser und Autos verschlang, sondern alle Brunnen der Gegend versalzte. „Daher waren wir so froh, als arche noVa kam“, erinnert sich Father Tito. „Ich habe dem Deutschen gesagt, du kannst mein ganzes Haus nutzen als Lager und Büro.“ Gesagt, getan!

Endlich wieder frisches Trinkwasser in Hernani

Friedrich Machein nahm das Angebot dankend an. Lagerte kilometerlange Leitungen und Tanks im Pfarrhaus und im Garten. Damit die Menschen nicht längerfristig abhängig von geliefertem Trinkwasser in Flaschen sind, stellte Machein als erstes acht Tanks in der Gemeinde auf, die täglich von einem Tankwagen mit frischem Wasser befüllt werden. Als nächstes errichtete der Wasserbauingenieur mit seinem Team einheimischer Helfer eine Bruchwasserleitung mit Zapfstellen quer durch die Gemeinde. Hierher kommen die Menschen jetzt, besonders zum Wäsche waschen. Sein ehrgeiziges Ziel: frisches Trinkwasser für Hernani bis zur Jahreswende. Dafür macht sich Machein, der auf 17 Jahre Erfahrung in der Entwicklungshilfe und Humanitären Hilfe zurückblickt, auf in den Dschungel. Zirka fünf Kilometer im Landesinneren stoßen sie in den Felsen oberhalb von Hernani auf eine Frischwasserquelle. Von hier ziehen sie eine neue Leitung quer durch den Dschungel bis zur Straße. Auf einem drei Meter hohen selbstgebauten Turm installiert Machein mit seinem Team eine Filteranlage, um das Wasser von Schwebstoffen zu reinigen. Auch tagelanger, strömender Monsunregen kann sie nicht abhalten. Notwendiges Bauholz wird direkt vor Ort zugesägt, aus den entwurzelten Kokospalmen. Schließlich steht sie, die Trinkwasserzapfanlage, mit sechs Hähnen, im Kirchhof vor dem Haus von Father Tito. Hernani hat weniger als zwei Monate nach der Katastrophe wieder eigenes frisches Trinkwasser. Auf Strom hingegen werden die Einwohner der Kleinstadt wohl noch einige Zeit warten müssen. Bereits vor dem Taifun gehörte die Gegend zu den abgelegensten und ärmsten Regionen der Philippinen. „Dass es so schnell geht, damit hatte ich nicht gerechnet“, freut sich Father Tito. Auch Bürgermeister Edgar Boco zeigt sich beeindruckt.

Informationsverbreitung durch sonntägliche Predigt

Als nächstes ist Aufklärung gefragt. Die Menschen müssen wissen, dass sie nun nicht mehr auf die Lieferungen der internationalen Organisationen angewiesen sind, dass das Wasser von ausgezeichneter Qualität ist und dass einige Hygienetipps reichen, um sich wirksam vor Infektions- und Durchfallerkrankungen zu schützen. „Ist doch klar, das baue ich am Sonntag in meine Predigt mit ein“, sagt lachend Father Tito.

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