Taifun Haiyan Philippinen Fischer

Philippinen - 2 Jahre danach„Menschen werden widerstandsfähiger gegenüber künftigen Katastrophen“

12-01-2016

von ADRA

Vor zwei Jahren fegte Taifun Haiyan über die Philippinen und sorgte für gewaltige Zerstörungen. Die Ärmsten der örtlichen Bevölkerung wurden am stärksten von der Katastrophe getroffen. ADRA macht sich für diese Menschen stark. Anna Krikun, Regionalkoordinatorin Südostasien und Pazifik, erklärt in welcher Form.

Wie sind die Zustände auf den Philippinen, zwei Jahre nach Taifun Haiyan?

Nach dem Taifun konnte einiges wieder aufgebaut werden. Die Stromversorgung und das Verkehrsnetz funktionieren beinahe so wie vorher. Das größte Problem der betroffenen Menschen sind jedoch nicht die zerstörten Häuser oder Straßen. Vielmehr haben viele mit einem Leben in Armut und der damit verbundenen Perspektivlosigkeit zu kämpfen.

Welcher Arbeit gehen diese Menschen nach?

Sie sind Fischer oder Kleinbauern. Diese Menschen verfügen über wenig Bildung und ihnen fehlen die Kenntnisse, wie sie ihre Ressourcen besser schützen, nutzen und verkaufen können. Fischer und Bauern verdienen sehr wenig und bekommen nur selten Kredite bewilligt – daher sind sie in einer Spirale aus chronischer Armut gefangen. Wer über wenig Geld oder Ressourcen verfügt, um sich vor Katastrophen zu schützen, ist den korrupten Clans völlig ausgeliefert. Tritt eine Naturkatastrophe tatsächlich ein, nehmen diese Menschen wiederum am meisten Schaden.

Welche Maßnahmen ergreift ADRA, um die Betroffenen zu unterstützen?

Wir arbeiten in den Bezirken Ajuy, Concepcion und Estancia auf der Insel Panay. Dort unterstützen wir die Menschen dabei, ihren Lebensunterhalt nachhaltig zu sichern. In insgesamt 60 Kommunen bereiten wir die Bewohner im Rahmen von Workshops, Simulationen und Schulungen auf mögliche Naturkatastrophen wie Taifune oder Tsunamis vor. Dabei erlernen sie Methoden, wie man sich mit wenig Geld schützen kann. Zusätzlich werden lokale Frühwarnsysteme weiter ausgebaut; auch unter Mitwirkung der Kommunen. Zudem unterstützen wir die Menschen dabei, ihr Einkommen dauerhaft aufzubessern.

Wie geschieht das konkret?

Von der Produktion bis zum Verkauf der Ware soll das gesamte System verbessert werden. ADRA vermittelt beispielsweise neue Technologien und Methoden, mit denen die Menschen ihre Produktion erhöhen können. Wichtig ist es, Wissen zu klimaresistenten und nachhaltigen Anbaumethoden zu vermitteln. In Schulungen erfahren die Menschen, wie sie Zugang zum Markt und damit verbunden auch faire Preise für ihre Produkte erhalten. Im Hinblick auf erneute Verwüstungen durch Naturkatastrophen und ein langfristig gesichertes Einkommen ist es zudem wichtig, gemeinsam mit den Menschen weitere Einkommensquellen zu schaffen.

Wo liegen die Herausforderungen?

Die größte Herausforderung liegt darin, die Mentalität langfristig zu ändern. Durch die herrschende Armut, durch die Unterbeschäftigung und den Mangel an Bildung leiden die Betroffenen unter starken Komplexen und haben kein Selbstbewusstsein. Sie haben kaum Hoffnung, dass sich in ihrem Leben je etwas ändert. Die Aufgabe von ADRA besteht darin, diesen Menschen innerhalb des Projekts die Gewissheit zu vermitteln, dass sie bereits durch kleine Veränderungen bessere Chancen im Leben erhalten.

Wodurch erreicht man das?

Wichtig ist, dass die Menschen selbst Verantwortung übernehmen – damit unser Tun nachhaltig bleibt. Die Workshops und Schulungen werden häufig von Dorfbewohnern durchgeführt, die zuvor durch ADRA ausgebildet wurden. Alle Mitarbeiter des Projekts haben psychologische Trainings absolviert und können daher auf die Sorgen und Probleme der Betroffenen eingehen. Langfristig gesehen werden sich die Menschen dank der neu vermittelten Kenntnisse selbst versorgen können und widerstandsfähiger gegenüber künftigen Katastrophen wie Taifun Haiyan sein – das gibt Selbstvertrauen.

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