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Taifun PhilippinenInterview Taifun Hagupit: Lehren aus Taifun Haiyan verhinderten Schlimmeres

11-12-2014

Karl-Otto Zentel (CARE) und Henning Hillmer (Help) berichten von der Lage vor Ort

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h ist der Wirbelsturm Hagupit über die Philippinen gezogen. Laut UN sind rund 1 Million Menschen vor den Naturgewalten geflüchtet und haben in fast 700 Evakuierungszentren Schutz gesucht. Ersten noch ungesicherten Berichten zu Folge hat es rund 30 Todesopfer gegeben. Eine befürchtete Wiederholung der Katastrophe nach dem Taifun Haiyan 2013 blieb aus, trotzdem haben Tausende Menschen erneut alles verloren. Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland-Luxemburg und Vorstandsmitglied bei Aktion Deutschland Hilft befand sich in Manila, als Hagupit über die Millionenstadt zog. Der Landeskoordinator von Help - Hilfe zur Selbsthilfe e.V., Henning Hillmer, erlebte die Vorbereitungen und das Eintreffen des Wirbelsturms auf der Insel Leyte. Beide berichten im Interview von der Lage vor Ort.

Herr Zentel, sie waren in der philippinischen Hauptstadt Manila als die Warnungen vor Hagupit kamen. Wie bereitet sich eine Millionen-Metropole auf einen Taifun dieser Größenordnung vor?

Herr Zentel: Die Schulen waren am 8. Und 9. Dezember vorsorglich geschlossen. Auch Büros schlossen am 8. Dezember bereits mittags, um den Menschen die Möglichkeit zu geben vor Eintreffen der Regenfälle sicher nach Hause zu kommen. So hat z.B. das CARE Büro nach einer Lagebesprechung mit allen Mitarbeitern um 15 Uhr lokaler Zeit auch seine Pforten geschlossen. Wichtig war für uns dabei sicher zu stellen, dass die Kommunikation mit den Teams unserer Partner, die in Ost und Nord Samar und in Payna nach dem Typhoon im Einsatz sind, sichergestellt bleibt.
Auch in Manila wurden Evakuierungen in den Küstengebieten durchgeführt und Menschen in Evakuierungszentren untergebracht. Viele Flüge wurden abgesagt. Der öffentliche Nahverkehr wurde am späten Nachmittag weitgehend eingestellt.

Herr Hillmer, wie haben Sie und Ihre Kollegen sich auf den Taifun vorbereitet und sich vor ihm geschützt?

Herr Hillmer: Alle Help KollegInnen und ihre Familien sowie die meisten Bewohner in unseren Projektgebieten waren diesmal schon einige Tage vor dem Eintreffen des Taifun Hagupit von den nationalen und internationalen Wettervorhersagen und verschiedenen Medien (Radio, Fernsehen und Tageszeitungen) gewarnt worden. Somit konnten wir uns rechtzeitig mit Nahrungsmitteln, Wasser, Kerzen, Benzin für die Projekt- und Privatfahrzeuge etc. versorgen. Schutz haben wir in Privathäusern (gebaut aus Stein und Beton) gesucht und gefunden, die den Windstärken genug Widerstand bieten konnten.

Wovor hatten die Menschen am meisten Angst?


Herr Zentel:
In den Gebieten, die bereits von Haiyan betroffen wurde, waren die Ängste der Menschen vor einer Wiederholung dieses Ereignisses groß gewesen. Traumatische Erinnerungen des vergangenen Jahres wurden wieder wach gerufen. Aber auch konkrete Ängste vor dem möglichen Verlust einer gerade wieder aufgebauten Lebensgrundlage.
Wie sieht aktuell die Planung und Umsetzung von Nothilfe-Maßnahmen in den Regionen aus, über die der Wirbelsturm bereits hinweg zog?

Herr Hillmer: Wir haben kurz nach dem Eintreffen des Taifun in unserem Projektgebiet eine erste kurze Bestandsaufnahme der sichtbaren baulichen Schäden vorgenommen und waren erleichtert, dass die Sturmschäden in der Provinz Leyte bei weitem nicht so stark und verheerend waren, wie im letzten Jahr durch den Taifun Haiyan. Help nimmt an den regelmäßigen Koordinierungstreffen aller beteiligten staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen und Organisationen in Ormoc Stadt teil. Zurzeit wird noch von der Stadtregierung eine Bestandsaufnahme der materiellen Schäden durchgeführt. Auf Basis der Ergebnisse werden dann von uns adäquate humanitäre Hilfsmaßnahmen geplant und umgesetzt. Help ist auch in regelmäßigem Kontakt mit verschiedenen UN-Organisationen (z.B. UNOCHA und UN-Habitat), die alle geplanten Hilfsmaßnahmen der verschiedenen internationalen Hilfsorganisationen in den betroffenen Regionen koordinieren.

Sind auch Hilfsprojekte – bspw. Notunterkünfte oder von Help wieder instandgesetzte Schulen – von Taifun Hagupit betroffen?

Herr Hillmer: Nein. Zu unserem Glück ist der Taifun im Kern einige hundert Kilometer nördlich unseres Projektgebietes über das Land gefegt und hat unsere Projekte nur minimal beschädigt. Einige der Schulen, die Help im Kontext der post-Haiyan Rehabilitierungsphase repariert hat, wurden als Notunterkünfte genutzt. Seit gestern kehren die evakuierten Familen nun auch bereits wieder zurück in ihre privaten Unterkünfte.

Inwiefern haben Maßnahmen der Katastrophenvorsorge zur Verringerung der Schäden beigetragen?

Herr Zentel: In der kurzfristigen Vorsorge hat die Evakuierung sicher dazu beigetragen die Zahl der Opfer gering zu halten. Aber wir haben auch schon Bilder aus den betroffenen Regionen erhalten, die zeigen, dass die von CARE nach Haiyan wieder aufgebauten Häuser dem Typhoon standgehalten haben. Einfache bauliche Verbesserungen haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet die Schäden zu reduzieren.

Herr Hillmer: Es ist sehr deutlich erkennbar, dass viele staatliche Akteure auf allen Ebenen (National-, Provinz- und Stadtregierungen) ihre Lehren aus dem verheerenden letzten Taifun gezogen haben und diese in eine weit verbesserte Katastrophenvorsorge umgesetzt haben. Die meisten Schäden sind materieller Natur (das kann ja auch bei der Leichtbauweise der privaten Wohnhaueser nicht ausbleiben). Glücklicherweise sind nur wenige Menschen zu Schaden gekommen, da im Vorfeld massiv evakuiert wurde und es nun genügend sichere Evakuierungszentren gibt.

Wie gehen die Menschen ein Jahr nach Haiyan mit der nächsten Katastrophe um?

Herr Hillmer: Sicherlich sind Menschen - insbesondere Kinder - zum Teil noch von den Folgen des letzten Supertaifuns traumatisiert. Viele haben ihre engsten Familienangehörigen und Verwandten verloren sowie auch ihr Wohn- und Lebensumfeld. Es gibt auch 1 Jahr nach Haiyan noch zahlreiche Notunterkünfte, in denen viele Familien immer noch auf die Zuteilung einer adäquaten Wohnunterkunft warten. Dennoch leben die Menschen hier seit vielen Generationen mit den jährlichen Folgeerscheinungen vieler verschiedener Naturkatastrophen und bewahren sich ihre ansonsten natürliche Fröhlichkeit und positive Lebenseinstellung – auch wenn sie wissen: nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe!

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