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Ebola Westafrika„Beim Kampf gegen Ebola sind alle Formen der Prävention entscheidend“

10-11-2014
Interview mit Daniel Peter vom Bündnismitglied Arbeiter-Samariter-Bund

Interview mit Daniel Peter vom Bündnismitglied Arbeiter-Samariter-Bund

Herr Peter, Sie sind Arzt im „First Assistance Samaritan Team“ (FAST) des Arbeiter-Samariter-Bundes. Seit über einem halben Jahr wächst die Zahl der Ebola-Erkrankungen in Westafrika. Was sind die Hauptursachen für die große Verbreitung?

Die WHO hat eine Analyse der ersten Ebola-Fälle in der Region veröffentlicht. Demnach hatte die Erkrankung bereits bevor sie als Ebola diagnostiziert wurde, sowohl die Hauptstadt Guineas, als auch das Nachbarland Sierra Leone erreicht. Das heißt, es hat eine rasche Verbreitung über die Grenzen Guineas hinaus und in Ballungszentren hinein gegeben. Erst im März 2014 wurde Ebola in Westafrika diagnostiziert, den ersten Fall gab es dort jedoch bereits im Dezember 2013. Die WHO hat noch weitere Besonderheiten dieses Ausbruchs benannt: Erstmals sind mehrere Hauptstädte in großem Maße betroffen, darunter auch eines der größten Slum-Gebiete Afrikas – West Point in Guinea mit 70.000 Menschen. Die internationale Hilfe – trotz der Aufrufe seitens der Organisation Ärzte ohne Grenzen – ist hingegen nur langsam angelaufen.

Was kann man überhaupt tun, um diese Epidemie einzudämmen?


Sicherlich sind Ebola-Behandlungszentren wichtig, um Patienten zu versorgen und gleichzeitig zu isolieren. Entscheidend im Kampf gegen die tödliche Krankheit sind aber alle Formen der Prävention: Aufklärung der Bevölkerung, Identifikation von Menschen, die Kontakt zu Ebola-Patienten hatten oder Hygienemaßnahmen. Wichtig sind zum Beispiel bessere Ausbildungen, besonders im Umgang mit Schutzausrüstung. Ich denke hier vor allem auch an die lokalen medizinischen Mitarbeiter. Insbesondere das Ablegen kontaminierter Schutzausrüstung birgt ein hohes Infektionsrisiko. Das von den CDC in Atlanta propagierte Buddy-System, das heißt Mitarbeiter überwachen sich gegenseitig beim An- und Ablegen der Schutzkleidung, könnte weiter ausgedehnt werden auf einen „Team-Buddy“ – also eine Person, deren ausschließlicher Job es ist, das An- und Ablegen der Schutzkleidung der Mitarbeiter zu überwachen. Mittelfristig ist die Entwicklung und Durchführung von Impfungen zielführend.

Was leistet der Arbeiter-Samariter-Bund konkret im Kampf gegen Ebola?

Der ASB hat im Oktober ein Projekt zur Prävention und Eindämmung der Ebola-Epidemie in Westafrika/Gambia gestartet. Ziel des ASB ist es, mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes, die Mitarbeiter in 30 Gesundheitszentren in Gambia zu schulen, sie mit nötigen Schutzanzügen, Handschuhen und Desinfektionsmitteln auszustatten. Die Mitarbeiter lernen den richtigen Umgang mit Schutzanzügen, erfahren, wie Isolierräume für Verdachtsfälle aufgebaut und Ebola-Patienten sicher in besser ausgestattete Einrichtungen verlegt werden. Der ASB Gambia betreibt seit 2002 eine Klinik in Serrekunda. Sie versorgt jährlich rund 34.000 Patienten. Bisher ist in Gambia noch kein Ebola-Fall aufgetreten.

Was kann ein Bündnis wie Aktion Deutschland Hilft leisten?

Unter den Mitgliedsorganisationen finden sich eine Vielzahl von Kompetenzen: Wir haben medizinische Organisationen, die den Umgang mit Schutzkleidung schulen können, genauso, wie es Organisationen gibt, die ihre Kompetenzen im Bildungsbereich haben, also beispielsweise in der Aufklärung der betroffenen Bevölkerung. Der letzten WHO-Statistik zufolge, sind bislang fast 270 medizinische Mitarbeiter an Ebola gestorben. Das könnte auch nach Beendigung der Epidemie zu Problemen in der Gesundheitsversorgung führen, die internationale Hilfe weiterhin erforderlich machen. Sobald ein Impfstoff verfügbar sein wird, könnten Impfkampagnen unterstützt werden.

Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass Ebola auch in Deutschland ausbrechen könnte?

Sollte in unserem Land ein Fall von Ebola auftreten, so würden der Patient und alle Kontaktpersonen isoliert, bzw. überwacht. Dieses Vorgehen zusammen mit der Tatsache, dass Ebola nur von symptomatischen Patienten übertragen werden kann, macht eine Epidemie in Deutschland extrem unwahrscheinlich.

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