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Ebola Westafrika"Die Eindämmung der Epidemie ist eine Mammutaufgabe für die humanitäre Hilfe"

29-01-2015
Dr. Marie Theres Benner

Interview mit Dr. Marie Theres Benner, Expertin für Public Health und Policy Advisor bei Malteser International, zum Thema Ebola

Mehr als 8.600 Todesopfer – das ist Ende Januar die traurige Statistik der Ebola-Epidemie in Westafrika. Ein Update zur Lage in der betroffenen Region lesen Sie hier im Interview mit unserer Gesundheitsexpertin Dr. Marie T. Benner.

Im Oktober haben wir zuletzt über die Ebola-Epidemie in Westafrika gesprochen. Was hat sich seitdem getan?

Die schlimmsten Szenarien, die bis zu 1,4 Millionen Infizierte in Liberia und Sierra Leone zum heutigen Zeitpunkt prognostizierten, falls keine maßgeblichen Interventionen stattfinden, haben sich Gott sei Dank nicht bestätigt. Dennoch ist die Situation in Liberia, Guinea und Sierra Leone nach wie vor angespannt. Zwar gibt es positive Signale: Angaben der WHO zufolge verzeichneten Guinea und Sierra Leone Anfang Januar die geringste Anzahl an Neuansteckungen seit August, in Liberia war es die Woche mit den wenigsten Neuansteckungen seit Anfang Juni. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass der Kampf gegen den Virus bereits gewonnen ist. Die Zahl der neuen Fälle kann jederzeit auch wieder deutlich ansteigen.

Ende Januar soll eine Impfung in den betroffenen Regionen starten. Welche Chancen und Bedeutung messen Sie dieser bei?

Es gibt momentan drei mögliche Impfstoffe zur Auswahl, die ab Ende Januar vor Ort getestet werden sollen. Bis deren Schutzwirkung allerdings mit Sicherheit bestätigt werden kann, kann es bis zu einem halben Jahr oder vielleicht sogar noch länger dauern. Erfahrungen aus der Vergangenheit mahnen uns, besser vorsichtig optimistisch zu sein, da eine effektive Impfstoffentwicklung Zeit braucht.

Im vergangenen Oktober haben wir viel über eine notwendige Kooperation in der Hilfe gesprochen: Wie wird diese nun konkret umgesetzt?

Die Eindämmung der Ebola-Epidemie ist nach wie vor eine Mammutaufgabe für die humanitäre Hilfe und nicht zuletzt für die Weltgesundheitsbehörde und ist von einzelnen Organisationen alleine kaum zu stemmen. Da sind sich alle Beteiligten einig. Wir arbeiten daher in Kooperationen: Zum einen über unser weltweites Ordensnetzwerk mit der französischen Assoziation des Malteserordens, die seit über 30 Jahren in Westafrika tätig ist, über ein gutes Netzwerk vor Ort verfügt und sich speziell in Guinea in der Ebola-Prävention engagiert. Zum anderen unterstützen wir über das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ gemeinsam mit mehreren Mitgliedsorganisationen ein Projekt in Liberia, das Anfang Februar starten soll.

Was sind ihrer Meinung nach noch dringende Fragestellungen zu denen es Handlungsbedarf gibt?

Noch immer sind die Menschen in den betroffenen Ländern und speziell in den Peripherien schlecht oder teilweise gar nicht über die Krankheit informiert bzw. versorgt. Aus Sorge vor möglicher Ansteckung und Stigmatisierung meiden sie Krankenhäuser oder pflegen traditionelle Heilmethoden und Bestattungsrituale. Dabei bilden eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sowie die Isolierung der Patienten die Grundvoraussetzungen, um die Epidemie zu kontrollieren. Ein wesentliches Problem ist die generell mangelnde bis schlechte Basisgesundheitsversorgung, sei es die Vorsorge von Schwangeren, Impfungen von Kindern oder der mangelnde Zugang zu sauberem Trinkwasser. Diese schwachen Gesundheitssysteme sind gar nicht in der Lage, so etwas wie eine Ebola-Epidemie aufzufangen. Daher brauchen sie in den kommenden Jahren die größte Aufmerksamkeit. Nur starke Gesundheitssysteme vermindern die Vulnerabilität der Menschen und können Epidemien einigermaßen standhalten. Das erfordert politische Umsetzungen in Form von Investitionen und Reformen. Die Menschen brauchen weiter dringend unsere Hilfe!

Interview: Elena Stein (Januar 2015)

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