KatastrophenvorsorgeHilfsprojekt Indonesien: Die Plastikflut stoppen

17-12-2021

von Help – Hilfe zur Selbsthilfe/Aktion Deutschland Hilft

Plastik ist überall. Es ist vielseitig einsetzbar, günstig herzzustellen, einfach zu verarbeiten – und leider auch unmöglich wieder loszuwerden.

Das Plastikproblem geht uns alle an, aber die Folgen sind nicht überall in gleichem Maße spürbar. Deutschland ist weltweit unter den Spitzenreitern, wenn es um die Produktion von Plastikmüll geht. 6,3 Millionen Tonnen entstehen bei uns jährlich. Das macht 76 Kilogramm Kunststoffabfall pro Person.

Plastik & Entsorgung: Große regionale Unterschiede

Wir haben definitiv ein Plastikproblem, doch unser Entsorgungssystem erlaubt es uns, zumindest die gesundheitliche und ökologische Gefahr des Mülls einigermaßen unter Kontrolle zu halten: Rund 55 Prozent des Plastiks wird recycelt – Tendenz steigend.

In Ländern wie Indonesien ist das anders. Nur rund 10 Prozent der 6,8 Millionen Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr wird wiederverwertet. Dabei wurden bis vor wenigen Jahrzehnten viele Einwegprodukte aus natürlichen Materialien selbst produziert, beispielsweise Rattan-Körbe oder Bananenblatt-Verpackungen. Doch Plastikprodukte eroberten auch hier den Markt in kürzester Zeit – schneller, als das Entsorgungssystem mithalten konnte.

Indonesien: Plastikmüll soweit das Auge reicht


Heute gilt Indonesien als der zweitgrößte Verursacher der Plastikkrise in den Weltmeeren. Ein geregeltes Recyclingsystem gibt es nicht. Viele Familien sammeln ihren Müll nach wie vor in Gärten. Was nach einiger Zeit nicht wegweht, wird irgendwann verbrannt. Der Großteil des Plastiks landet auf Müllkippen, wo die riesigen Berge von Abfall jährlich weiter anwachsen.

Wetterextreme tun ihr Übriges: Aufgrund der besonderen geografischen Lage auf dem pazifischen Feuerring bebt in Indonesien fast täglich die Erde. Immer wieder kommt es dadurch zu Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Tsunamis. Dabei verteilt sich der Plastikmüll über ganze Landstriche und landet anschließend in den Gewässern. Jährlich gelangen so über eine Million Tonnen Plastik in die Weltmeere.

Auch in Zentral-Sulawesi breitete sich nach dem Tsunami 2018 ein riesiger Plastikteppich aus. Nachdem die Nothilfe für die Betroffenen der Tsunamis abgeschlossen war, entschied sich die Bündnisorganisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe dazu zu bleiben und gemeinsam mit der Bevölkerung etwas gegen die Plastikkrise zu unternehmen. Vieles ist seitdem geschehen.

Mit Plastikmüll Geld verdienen


So gründeten die Helferinnen und Helfer acht Abfallbanken, um den bereits bestehenden Plastikmüll zu reduzieren. Bei diesen sogenannten Bank Sampah konnten die Bewohnerinnen und Bewohner ihren Plastikmüll gegen einen kleinen Geldbetrag eintauschen. Eine Idee, die Anreize schaffte und Früchte trug: Dank der Abfallbanken konnten bis heute bereits rund 3 Tonnen Plastikmüll gesammelt und 78 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Ein Teil des so gesammelten Mülls wurde in den eigens eingerichteten Recyclingstationen geschreddert und anschließend weiterverkauft. Aus dem restlichen Teil entstanden recycelte Produkte wie beispielsweise gewebte Taschen, Pflastersteine und kleine Möbelstücke.

Schritt für Schritt in eine nachhaltige Zukunft


Damit ein Umdenken stattfinden konnte, machten die Helferinnen und Helfer die Öffentlichkeit auf die Gefahren von Plastikmüll aufmerksam, etwa durch Social Media-Kampagnen und Informationsveranstaltungen. Zusätzlich arbeitete Help mit den lokalen Schul- und Umweltbehörden zusammen und erreichte, dass die staatlichen Stellen das Thema Müllvermeidung offiziell in den Lehrplan aufnahmen.

In dem Rahmen wurden außerdem rund 80 Schülerinnen und Schüler zu Agents of Change ausgebildet, um den Freundes- und Familienkreis für das Plastikproblem zu sensibilisieren und die Idee von Klimaschutz weiterzutragen.

Gemeinsames Handeln – in Indonesien & weltweit

Help nutzt weiter die Potenziale vor Ort, um den nachhaltigen Wandel in Indonesien voranzutreiben und gleichzeitig die Wirtschaft zu stärken. Das kann auch Deutschland anspornen mehr in Sachen Umweltschutz zu tun. Auch bei uns ist noch Luft nach oben. Man darf nicht vergessen: Das Plastikproblem ist ein globales Problem. Jeder Einzelne auf der Welt kann zu seiner Lösung beitragen.

 


Aktion Deutschland Hilft leistet weltweit Katastrophenvorsorge und hilft Familien, auf Wetterextreme vorbereitet zu sein. Helfen Sie uns, zu helfen – jetzt mit Ihrer Spende!

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