KatastrophenvorsorgeFotostrecke: Symposium Katastrophenvorsorge

“Ich bin Suparman aus Bantul. Ich weiß, wie man bei einem Erdbeben überlebt.” Der junge Mann im Rollstuhl dreht das große Pappschild, das er in den Händen hält, um und ruft den Zuschauern vorm Bildschirm zu: „Get ready. I am!“

Suparman ist einer der Botschafter der jüngsten Kampagne des Netzwerks für Inklusion in der Katastrophenvorsorge (DiDRRN), die in zahllosen Videos auf der Internetplattform Youtube ihr Gesicht zeigen. „Get ready. We are!“ – damit wollen sie weltweit Menschen mit Behinderungen erreichen und ihnen Mut machen, sich aktiv an Maßnahmen der Katastrophenvorsorge zu beteiligen und ihr Wissen über das richtige Verhalten im Fall von Naturkatastrophen an andere – Menschen mit und ohne Behinderungen – weiterzugeben.

Laut UN leben 10 Prozent der Weltbevölkerung mit einer Behinderung. Dazu zählen Menschen mit eingeschränkter Mobilität, wenig Kraft, vermindertem Seh- oder Hörvermögen und auch solche mit neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz oder Epilepsie. Im Fall von Naturkatastrophen sind diese Mitglieder der Gesellschaft besonders gefährdet, denn ihre körperlichen oder geistigen Einschränkungen können bei Erdbeben, Wirbelstürmen oder Fluten zur tödlichen Falle werden: Taube Menschen nehmen auditive Warnsignale nicht wahr, alte und schwache Menschen haben Schwierigkeiten, sich aus eigener Kraft zu befreien, wenn sie verschüttet oder eingeschlossen werden, Rollstuhlfahrer brauchen einen ebenerdigen Untergrund um zu fliehen. Die Erfahrung zeigt: Im Fall von Naturkatastrophen bleiben körperlich oder geistig behinderte Menschen oftmals hilflos zurück.

„Die Anfälligkeit von Menschen mit Behinderungen in Katastrophensituationen ist spezifisch. Es ist unabdingbar diese besonderen Bedürfnisse in Maßnahmen der Katastrophenvorsorge zu berücksichtigen“, so Francois De Keermaeker, Geschäftsführer von Handicap International. Die Partnerorganisation von Aktion Deutschland Hilft ist Mitglied der ersten Stunde im DiDRRN. Das Netzwerk wurde im Oktober 2012 auf der fünften Asian Ministerial Conference on DRR in Indonesien gegründet. Und obwohl der Verbund von insgesamt sieben Organisationen damit noch recht jung ist, macht sein Herzensthema aufgrund des intensiven Einsatzes seiner Mitglieder und Kooperationspartner große Sprünge – und ist mittlerweile in der breiten Öffentlichkeit angekommen.

Ganz deutlich war dies auf dem ersten Fachkongress „Katastrophenvorsorge für alle“ zu spüren, der unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Kooperation mit Aktion Deutschland Hilft“ und dem Deutschen Komitee für Katastrophenvorsorge (DKKV) am 10. Oktober 2013 in Bonn stattfand. Zu dem hochkarätigen Publikum gehörten neben Experten von Nichtregierungsorganisationen und Vereinen auch Vertreter des BMZ und des Auswärtigen Amtes. Einen Tag lang wurde über den Status Quo der inklusiven Katastrophenvorsorge diskutiert und sich über bewährte Ansätze und zukunftsweisende Konzepte für Projekte ausgetauscht.

Eine These zog sich dabei durch die ganze Veranstaltung: In der Entwicklung, Ausarbeitung und Umsetzung von Projekten der inklusiven Katastrophenvorsorge, muss auf das Know-how von Menschen mit Behinderungen zurückgegriffen werden. Sie kennen die eigenen Bedürfnisse am besten und wissen, wie ihre Gefährdung im Katastrophenfall verringert werden kann. Dagmar Greskamp von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. brachte es auf den Punkt: „Menschen mit Behinderungen sind Expertinnen und Experten in eigener Sache. Daher kann ohne Einbindung der Selbsthilfe in den entsendenden und betroffenen Ländern bei Ausbildung und Schulung von Katastrophenhelferinnen und –helfern die Inklusion im Katastrophenschutz nicht gelingen.“

Dass in der Praxis bereits an diesem Punkt angesetzt wird, demonstrierten die teilnehmenden Organisationen bei der Vorstellung ihrer weltweiten Projekte: Malteser International beispielsweise, ebenfalls Gründungsmitglied des DiDDRN, arbeitet in Vietnam eng mit lokalen Selbstvertretungsorganisationen für Menschen mit Behinderung zusammen. Gemeinsam erstellen sie barrierefreie Lehrmaterialien und Leitfäden, die dann zur Schulung von zukünftigen Trainern auf Dorf- und Gemeindeebene genutzt werden können.

Allerdings war der Fachkongress trotz der offensichtlichen Erfolge und der positiven Stimmung über das bisher Erreichte kein reines Schulterklopfen: Die Vertreter der Nichtregierungsorganisationen und der Politik betonten gleichermaßen, dass das Ziel „Katastrophenvorsorge für alle“ nur durch einen kontinuierlichen Austausch und finanzielle Unterstützung für langfristige Maßnahmen erreicht werden kann.

Große Ziele leben von kleinen Erfolgen. Dass Suparman aus Bantul nun weiß, wie man bei einem Erdbeben überlebt, ist als so ein Erfolg zu werten.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die Katastrophenvorsorge:

Spenden-Stichwort: Katastrophenvorsorge
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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