von Aktion Deutschland Hilft
Skabies, umgangssprachlich Krätze, zählt zu den ältesten bekannten Hauterkrankungen. Wird sie früh erkannt, lässt sie sich gut behandeln. Für viele Betroffene wiegt das soziale Stigma besonders schwer.
Im Überblick: Was ist Skabies?
Schätzungen zufolge sind weltweit jedes Jahr über 400 Millionen Menschen mit Skabies infiziert. Dabei handelt es sich um eine ansteckende Hautkrankheit, die vor allem durch direkten Körperkontakt übertragen wird.
Der für die Krankheit typische Juckreiz wird von einer Immunreaktion auf mikroskopisch kleine Parasiten verursacht: Die sogenannten Skabiesmilben graben sich in die oberste Hautschicht ein und legen dort Eier ab.

Wie Krätze übertragen wird
Eine kurze Berührung reicht meistens nicht für eine Ansteckung aus. Entscheidend ist enger und langanhaltender Hautkontakt – abhängig davon, wie viele Milben sich auf der jeweiligen Körperstelle befinden.
Außerhalb des menschlichen Körpers können die Parasiten nur wenige Tage überleben. Zudem können sich die Milben nur langsam fortbewegen. Eine indirekte Übertragung, beispielsweise durch Handtücher oder Bettwäsche, kommt daher nur selten vor.
Hängt Krätze mit mangelnder Hygiene zusammen?
In den meisten Fällen dauert es eine Weile, bis man eine Infektion mit Skabies bemerkt: Die typischen Symptome zeigen sich in der Regel erst nach drei bis sechs Wochen. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Milben bereits in die Haut eingegraben.
Begünstigt wird eine Ansteckung dort, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, etwa in Pflegeheimen, Kitas oder Notunterkünften. Skabies ist damit weniger ein Zeichen mangelnder persönlicher Sauberkeit als vielmehr ein Hinweis auf strukturelle Probleme. Zwar spielt Hygiene bei der Eindämmung eine Rolle, grundsätzlich kann sich jedoch jede Person anstecken.
Skabies kommt weltweit vor
In politischen Debatten wird Skabies fälschlicherweise immer wieder als akute Gefahr im Zusammenhang mit Migration benannt. Diese Behauptung wurde wissenschaftlich widerlegt, auch mehrere Gesundheitsämter haben entsprechenden Aussagen in den vergangenen Jahren öffentlich widersprochen.
Betroffen sind Menschen mit unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen. Obwohl es länderspezifische Unterschiede gibt und die Krankheit in tropischen Gebieten verbreiteter ist, kommt Skabies weltweit vor.
Skabies/Krätze: Häufig gestellte Fragen und Antworten
Skabies bzw. Krätze wird durch die Übertragung von Skabiesmilben verursacht, vordergründig durch längeren und engen Hautkontakt. Zu den typischen Symptomen zählen starker Juckreiz sowie Veränderungen der Haut wie sichtbare Milbengänge und entzündete, gerötete Hautstellen.
Scabies crustosa ist eine hoch ansteckende Form, die mit einer starken Krustenbildung einhergeht. Aufgrund der sehr hohen Anzahl an Milben auf der Haut kann bereits kurzer Hautkontakt ausreichen, um sich anzustecken.
Die Skabies zählt zu den ältesten bekannten Krankheiten. Bereits im Alten Testament der Bibel finden sich Hinweise auf eine Infektion, die auf Skabies hindeutet. Im Jahr 1687 entdeckte der italienische Arzt Giovanni Cosimo Bonomo, dass die Skabiesmilbe die Ursache für die Erkrankung ist.
Sarcoptes scabiei, die Skabiesmilbe, ist ausschließlich an den Menschen als Wirt angepasst. Tiere haben allerdings ähnliche, artspezifische Erkrankungen. Deren Erreger können zwar vorübergehend auf den Menschen übergehen, dort jedoch nicht dauerhaft überleben.
Grundsätzlich kann sich jede Person mit Skabies infizieren. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder jene, die auf engem Raum mit vielen anderen leben: zum Beispiel Kinder in Kindertagesstätten, ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Geflüchtete in Notunterkünften.
Wird Skabies rechtzeitig erkannt, kann sie gut mit Cremes, Salben oder Tabletten behandelt werden. Frühzeitige Therapie hilft, eine Ansteckung weiterer Personen zu verhindern.
Während der Behandlung sollten infizierte Personen engen Hautkontakt mit anderen Menschen meiden. Zudem empfehlen Mediziner:innen, den gesamten Haushalt zu behandeln, auch wenn nur eine Person betroffen ist. Darüber hinaus sollten Kleidung und Bettwäsche gewaschen sowie die Räume, in denen sich die infizierte Person aufgehalten hat, gründlich gereinigt werden.
Genaue Zahlen liegen nicht vor, da keine allgemeine Meldepflicht besteht. Schätzungen zufolge erkranken hierzulande jedes Jahr mehrere Hunderttausend Menschen.
Stigmatisierung erschwert die Behandlung
Insgesamt erschweren Stigmatisierung und Schuldzuweisung die Behandlung: Erkrankte Menschen leiden nicht nur unter nächtlichem Juckreiz, Schlafmangel und Stress – auch Scham spielt eine Rolle.
Dabei ist die Behandlung an sich meist einfach: Cremes oder Tabletten sind effektiv und töten die Milben schnell ab. Aus diesem Grund ist Skabies in Deutschland nicht allgemein meldepflichtig.
Frühzeitige Therapie unabdingbar
Jedoch ist es wichtig, dass die ärztliche Behandlung frühzeitig und umfassend erfolgt. Die Auswirkungen auf das Immunsystem sowie die direkten Folgen des Kratzens können dazu führen, dass Bakterien in die Haut gelangen.
Daraus können sich schwerwiegende Entzündungen oder eine Blutvergiftung entwickeln. In tropischen Regionen sind durch Krätze verursachte Hautinfektionen ein häufiger Risikofaktor für Nierenerkrankungen.
Quellen: ARD Faktencheck, Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, Robert Koch Institut (RKI), “Increase of scabies in Germany and development of resistant mites? Evidence and consequences”, von Cord Sunderkötter et al., “The history of scabies in veterinary and human medicine from biblical to modern times”, von Raffaele Roncalli, World Health Organization (WHO)
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