Wir über unsEvaluierung des Nothilfeeinsatzes Zyklon Mosambik

Am 14. März 2019 traf der tropische Wirbelsturm Idai mit einer Geschwindigkeit von bis zu 195 Stundenkilometern in der Nähe der Stadt Beira in Mosambik auf Land. Weniger als sechs Wochen später, am 25. April 2019, verwüstete der Zyklon Kenneth weite Teile im Norden Mosambiks.

Die heftigen Regenfälle und starken Winde führten zu Sturzfluten, von denen rund drei Millionen Menschen vor allem in Mosambik, aber auch in Simbabwe und Malawi betroffen waren.

Idai und Kenneth gehörten zu den fünf schlimmsten Stürmen, die Mosambik je heimgesucht haben. Sie forderten Hunderte von Todesopfern und hinterließen 1,8 Millionen Menschen, die nach der Zerstörung ihrer Häuser und Ernten direkte Hilfe benötigten.

Hilfe durch die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft

Aktion Deutschland Hilft startete am 19. März 2019 einen Spendenaufruf zur Unterstützung der betroffenen Bevölkerung. Dabei wurden mehr als 15 Millionen Euro Spenden gesammelt.

Die Bündnisorganisationen begannen sofort, lebensrettende Nothilfe zu leisten. Sie verteilten Hilfsgüter wie Nahrungsmittel, Trinkwasser und Hygieneartikel, versorgten Betroffene mit Medikamenten und sorgten für den Wiederaufbau von Unterkünften, Schulen und Krankenstationen.

Bis heute unterstützen Bündnisorganisationen die Menschen vor Ort. Sie unterstützen bei Maßnahmen zur Krankheitsbekämpfung und -prävention, verteilen lebenswichtige Medikamente an Gesundheitszentren, planen Aktivitäten zur Ernährungssicherung sowie zur Infrastruktur im Bildungssektor und betreiben Katastrophenvorsorge.

Fragen & Antworten: Evaluierung Hilfseinsatz Zyklon Idai

Qualitätssicherung: Warum lassen die Bündnisorganisationen ihre Arbeit evaluieren?

Seit der Gründung von Aktion Deutschland Hilft im Jahr 2001 ist es den Bündnisorganisationen wichtig, nachweisbar hochwertige Arbeit zu leisten und diese überprüfen zu lassen. Um die Qualität der Arbeit zu verbessern, wenden wir einen Teil der Spenden für die Qualitätssicherung auf.

Aktion Deutschland Hilft und seine Bündnisorganisationen führen damit beispielsweise externe Evaluierungen durch. Mit  den Ergebnissen kann das Bündnis die Arbeit noch zielgerichteter durchführen. Zusätzlich kann jede Bündnisorganisation ihre eigenen Hilfsmaßnahmen bewerten.

Die Daten zum Projektverlauf werden systematisch gesammelt. So sind alle laufend über Fortschritt und Ziele ihrer Arbeit informiert. Das trägt dazu bei, noch wirksamer Not- und Katastrophenhilfe zu leisten.
Als Träger des Spendensiegels des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) ist Aktion Deutschland Hilft dazu angehalten, die Wirkung seiner Arbeit zu belegen und eine sparsame und effiziente Mittelverwendung nachzuweisen.

Was waren die Ziele & Fragen dieser Evaluierung?

Ziel dieser Evaluierung war es, zu bewerten, inwieweit der Standard zu Qualitäts- und Rechenschaftslegung von den Bündnisorganisationen bei der Planung und Durchführung ihrer Programme und Projekte vor Ort berücksichtigt wurde. Auch wenn die Bündnisorganisationen in allen betroffenen Ländern aktiv waren, war Mozambik als eines der am schwersten betroffenen Länder, Ziel dieser Evaluierung.

Der Standard zu Qualitäts- und Rechenschaftslegung (Core Humanitarian Standard on Quality and Accountability; CHS) ist auf die Arbeit von humanitären Hilfsorganisationen ausgelegt. Hilfsorganisationen verpflichten sich, den CHS-Standard einzuhalten: zur Verbesserung der Qualität und Effektivität der humanitären Hilfe.

Erfahren Sie hier mehr über den CHS!

Welche Schwerpunkte hatte die Evaluierung?

In dieser Evaluierung wurde besonders auf die zwei Verpflichtungen 4 und 5 des CHS geachtet:

  • CHS 4 – Die humanitären Maßnahmen basieren auf Kommunikation, Partizipation und Feedback.
  • CHS 5 – Beschwerden sind willkommen und werden bearbeitet.


Die Schwerpunktfragen bei der Evaluierung waren deshalb:

  • Welche Richt- und Leitlinien zu CHS 4 und CHS 5 sind bei den Bündnisorganisationen in Deutschland und bei lokalen Partnerorganisationen vorhanden? Welche Art der Beteiligung mit den von der Krise betroffenen Gemeinschaften und Personen wurden gewählt? Und warum?
  • Welches sind die formellen und informellen Beschwerdemechanismen der Bündnisorganisationen? Zum Beispiel in Bezug auf deren Prioritäten und den Zeitrahmen der Beantwortung?

Wer gehörte zum Gutachterteam der Evaluierung?

Nach einer öffentlichen Ausschreibung wurde ein unabhängiges Gutachterteam beauftragt, die Evaluierung zwischen Dezember 2019 und April 2020 durchzuführen. Dieses Gutachterteam konnte große Erfahrung in der Nothilfe und Kenntnisse des Standards zu Qualitäts- und Rechenschaftslegung nachweisen.

Durch Sichtung und Auswertung relevanter Schriftstücke, persönlicher Gespräche mit den Bündnisorganisationen in Deutschland und in Mosambik sowie den betroffenen Menschen war es dem Gutachterteam möglich, Antworten auf die Evaluierungsfragen zu finden.

Schlussfolgerungen des Gutachterteams

Basierend auf den Ergebnissen dieser Evaluierung machte das Gutachterteam einige Empfehlungen. Diese werden im Bündnis Aktion Deutschland Hilft diskutiert und schrittweise durch die Hilfsorganisationen umgesetzt.

Ergebnisse: Was lernt Aktion Deutschland Hilft?

Bewusstsein von Mitarbeiter:innen stärken

Richt- und Leitlinien zu den beiden Selbstverpflichtungen CHS 4 und CHS 5 sind in Hilfsorganisationen vorhanden, Bewusstsein dafür bei Mitarbeiter:innen muss aber weiter gestärkt werden:

  • Die Richt- und Leitlinien könnten das Thema Inklusion stärker hervorheben, also die bessere Integration von Menschen mit Behinderung. Als Empfehlung gab das Gutachterteam die Aktualisierung der Richt- und Leitlinien an, um diese für Menschen mit Behinderungen integrativer zu gestalten.
  • Alle evaluierten Bündnisorganisationen haben Richt- und Leitlinien zu CHS 4 und CHS 5. Das Gutachterteam stellt allerdings fest, dass diese innerhalb der Organisationen noch besser bekannt sein sollten.
  • Auch sollten der Erfahrungsaustausch über CHS 4 und CHS 5 intensiver in den Zentralen, auf Länderebene und zwischen den Bündnisorganisationen gefördert werden.
  • Das Gutachterteam empfiehlt, vermehrt Schulungen, Workshops und Fortbildungen zu den beiden Verpflichtungen CHS 4 und CHS 5 anzubieten, um nachhaltig das Bewusstsein aller Mitarbeiter:innen im In- und Ausland zu stärken und um für die entsprechenden Aufgaben zu sensibilisieren.


Die Kommunikationskanäle zählen

Von der Krise betroffene Gemeinschaften und Personen sind an Entscheidungen beteiligt – wichtig sind verschiedene Kommunikationskanäle:

  • Alle Bündnisorganisationen und deren Partner beteiligen die von den Wirbelstürmen betroffenen Gemeinschaften an der Planung und Umsetzung der Hilfsmaßnahmen. Die am häufigsten gewählte Art der Kommunikation waren Versammlungen innerhalb betroffener Gemeinden, aber auch mit bestimmten Interessensgemeinschaften, wie zum Beispiel Lehrer:innen oder Gesundheitspersonal.
  • Auch wenn sich die Mehrheit der Betroffenen auf Rückfrage des Gutachterteams über die Projekte informiert fühlte, kann die Kommunikation noch verbessert werden. Besonders effektiv dabei ist es, Ehrenamtliche aus der lokalen Bevölkerung einzubeziehen; genau wie Gemeinde- und Interessensvertreter:innen.
  • Informationen sollten in der lokalen Sprache erstellt und verbreitet werden. Informationsversammlungen sollten allen Betroffenen offenstehen.


Informationen stärker verbreiten

Bündnisorganisationen haben Beschwerdemechanismen etabliert, diese könnten aber unter den Betroffenen besser bekannt sein:

  • Das Gutachterteam stellte fest, dass alle Bündnisorganisationen entsprechende Beschwerdemechanismen etabliert haben und die Möglichkeiten für Feedback und Kritik an den Hilfsmaßnahmen sicher und gut zugänglich waren.
  • Beschwerdeboxen und Telefon-Hotlines waren die gängigsten und am meisten genutzten Feedbackinstrumente. Allerdings war die Kenntnis seitens der Betroffenen zu Beschwerdemöglichkeiten und Beschwerdemechanismen teils gering.
  • Bündnisorganisationen sollten daher an jedem Projektstandort mindestens zwei verschiedene Möglichkeiten für Feedback planen und Betroffene ausreichend über die Möglichkeiten informieren. Es sollte vermehrt darauf geachtet werden, unterschiedliche Methoden für den Umgang mit sensiblen und weniger sensiblen Beschwerden festzulegen. Sensible Beschwerden müssen noch besser mit aller Dringlichkeit und von höheren Stellen (wie Leitung des Länderbüros oder in den Zentralen) bearbeitet werden.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die weltweite Nothilfe

Spenden-Stichwort: Nothilfe weltweit
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
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