Wir über unsEvaluierung der Nothilfe nach Hurrikan Matthew in Haiti 2016

Am 4. Oktober 2016 traf Hurrikan Matthew mit voller Wucht auf Haiti. 546 Menschen verloren ihr Leben und 128 werden bis heute vermisst. Mit Windgeschwindigkeiten bis 250 km/h war er einer der stärksten Hurrikans der vergangenen zehn Jahre.

Der Sturm löste die größte humanitäre Katastrophe des Landes seit dem Erdbeben im Jahr 2010 aus. Von Überschwemmungen und Schlammlawinen, aber auch Schäden an Gebäuden und Straßen sowie Stromausfälle und Wassermangel waren mehr als zwei Millionen Menschen betroffen. Die meisten von ihnen brauchten schnell Humanitäre Hilfe.

Hilfe durch die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft

Aktion Deutschland Hilft startete am 5. Oktober 2016 einen Spendenaufruf für die vom Hurrikan Matthew betroffene Bevölkerung in Haiti. Dabei kamen mehr als 5,6 Millionen Euro Spenden zusammen.

Die Bündnisorganisationen waren direkt nach dem Hurrikan zur Stelle, um vor Ort lebensrettende Nothilfe zu leisten. Sie verteilten Lebensmittel und Hygieneartikel, versorgten Betroffene mit Medikamenten und medizinischen Hilfsgütern und kümmerten sich um Verletzte. Außerdem stellten sie Decken, Matratzen, Zelte und Plastikplanen für Notunterkünfte zur Verfügung und errichteten Wasseraufbereitungsanlagen, um das Ausbrechen von Seuchen wie Cholera zu verhindern.

Seit Anfang 2017 konzentrieren sich die Bündnisorganisationen in Haiti auf den katastrophensicheren Wiederaufbau beschädigter Gebäude wie Gesundheitszentren und Schulen. Weitere Hilfsprojekte und Schulungen zur Katastrophenvorsorge sorgen dafür, dass die Menschen in Haiti besser auf kommende Katastrophen vorbereitet sind.

Qualitätssicherung: Warum lassen die Bündnisorganisationen ihre Arbeit evaluieren?

Qualitätssicherung: Warum lassen die Bündnisorganisationen ihre Arbeit evaluieren?

Seit der Gründung von Aktion Deutschland Hilft im Jahr 2001 ist es den Bündnisorganisationen wichtig, nachweisbar hochwertige Arbeit zu leisten und diese überprüfen zu lassen. Um die Qualität der Arbeit zu verbessern, wenden wir einen Teil der Spenden für die Qualitätssicherung auf.

Aktion Deutschland Hilft und seine Bündnisorganisationen führen damit beispielsweise externe Evaluierungen durch. Mit  den Ergebnissen kann das Bündnis die Arbeit noch zielgerichteter durchführen. Zusätzlich kann jede Bündnisorganisation ihre eigenen Hilfsmaßnahmen bewerten.

Die Daten zum Projektverlauf werden systematisch gesammelt. So sind alle laufend über Fortschritt und Ziele ihrer Arbeit informiert. Das trägt dazu bei, noch wirksamer Not- und Katastrophenhilfe zu leisten.

Als Träger des Spendensiegels des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) ist Aktion Deutschland Hilft dazu angehalten, die Wirkung seiner Arbeit zu belegen und eine sparsame und effiziente Mittelverwendung nachzuweisen.

Was waren die Ziele & Schwerpunkte der Evaluierung?

Was waren die Ziele & Schwerpunkte der Evaluierung?

Mit der Evaluierung sollen die Hilfsmaßnahmen zur Katastrophenvorsorge untersucht werden. Das Evaluierungsziel ist für Aktion Deutschland Hilft wichtig: Die Erfahrungen und Erkenntnisse zu Katastrophenvorsorge können helfen, die künftige Arbeit noch zielgerichteter durchzuführen.

Die beiden Schwerpunktfragen bei der Evaluierung:

  • Welche Relevanz und Wirksamkeit haben Programme und Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge?
  • Welche Auswirkungen haben und wie nachhaltig sind Programme zur Katastrophenvorsorge, die die Widerstandsfähigkeit der betroffenen Bevölkerung verbessern sollen?

An der Evaluierung beteiligten sich sechs Bündnisorganisationen, die seit dem Erdbeben 2010 mit Projekten zur Katastrophenvorsorge in Haiti sind und nach Hurrikan Matthew erneut vor Ort Hilfe leisteten.

Wer gehörte zum Gutachterteam der Evaluierung?

Wer gehörte zum Gutachterteam der Evaluierung?

Nach einer öffentlichen Ausschreibung wurde ein unabhängiges Gutachterinnenteam beauftragt, die Evaluierung zwischen September und Dezember 2017 durchzuführen. Die beiden erfahrenen internationalen Expertinnen lebten mehr als 10 Jahre in Haiti und kennen sich mit der Evaluierung von humanitären Projekten zur Katastrophenvorsorge sehr gut aus.

Das Gutachterinnenteam sichtete Projektdokumentationen und Leitlinien zur Katastrophenvorsorge und wertete diese aus. Außerdem führten die Expertinnen persönliche Gespräche in den Bündnisorganisationen und der Geschäftsstelle von Aktion Deutschland Hilft. Die Expertinnen sprachen auch mit den Projektteams der Bündnisorganisationen in Haiti, lokalen Behörden und den vom Hurrikan Matthew betroffenen Menschen. Weiterhin besuchte das Gutachterinnenteamverschiedene Katastrophenvorsorgeprojekte.

Schlussfolgerungen der Gutachterinnen

…zur Katastrophenvorsorge in den einzelnen Bündnisorganisationen

Bei allen Bündnisorganisationen ist  Katastrophenvorsorge schon lange in die Projekte in Haiti integriert. Obwohl es keine einheitliche Definition oder standardisierte Leitlinien für alle Bündnisorganisationen gibt, verfolgen alle evaluierten Bündnisorganisationen ähnliche Ansätze. Für alle ist es wichtig, Ursachen und Zusammenhänge einer Katastrophe im Vorfeld zu erfassen. Der Grund dafür: mögliche Gefahren einer Katastrophe im Vorfeld zu senken, sich besser vorzubereiten und die Menschen zu stärken.

…zu Relevanz & Wirksamkeit von Projekten mit Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge

Die Gutachterinnen stellten fest, dass alle Bündnisorganisationen sofort nach Hurrikan Matthew relevante und wirksame Hilfe leisten konnten. Es bestand eine gute Kooperation und Koordinierung mit den zuständigen nationalen Behörden. Somit waren sie gemeinsam in der Lage, Bedarfe zu prüfen und zielgerichtete Hilfe zu leisten. Laut Gutachterinnen war die Hilfe der Bündnisorganisationen nach Hurrikan Matthew wirksamer als die nach dem Erdbeben 2010.

Katastrophenvorsorge rechnet sich

Das machten die Gutachterinnen an folgenden Beispiele deutlich:

  • Gemeinsam mit einer lokalen Organisation schulte eine Bündnisorganisation Familien darin, wie sie sich im Falle einer Katastrophe besser schützen können. Die Familien erstellten Notfallpläne, um sich aus ihren Häusern in wenigen Minuten mit den wichtigsten Dokumenten und einer Notfall-Tasche zu evakuieren.
  • Nach dem Erdbeben wurden öffentliche Gebäude wie etwa Schulen erdbebensicher repariert bzw. wieder aufgebaut. Diese Strukturen haben sich bei Hurrikans als sicher erwiesen und wurden deshalb von der Bevölkerung als sichere Zufluchtsorte genutzt.

Auswirkungen & Nachhaltigkeit - Projekte mit Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge

Trainings, Workshops und Fortbildungen zur Katastrophenvorsorge sind wichtig, um nachhaltig das Bewusstsein der Bevölkerung und nationaler Behörden gegenüber Katastrophen zu verändern. Erst dann kann gemeinsam vorgesorgt werden.  Das soll künftige Katastrophen wenn möglich verhindern, Schäden begrenzen und Leid lindern.

Bewusstseinsbildung, Veränderungen im Lebensstil und die Akzeptanz und Umsetzung risikomindernder Maßnahmen – das erfordert Zeit. Ein tiefes Verständnis der Bevölkerung und der Gesellschaft sind erforderlich. Nothilfemaßnahmen sind dazu da, schnell überlebensnotwendige Hilfe zu leisten. Nicht alle Bündnisorganisationen bleiben dort, wo sie nach Hurrikan Matthew gearbeitet haben. Das macht die langfristige Planung bei der Katastrophenvorsorge schwieriger.

Was lernt Aktion Deutschland Hilft aus dieser Evaluierung?

Die Gutachterinnensprachen folgende Empfehlungen aus, die von Aktion Deutschland Hilft diskutiert und schrittweise umgesetzt werden:

  • Die Gutachterinnen bescheinigten dem Bündnis, die aktuelle Katastrophenvermeidungs- und Katastrophenvorsorge-Diskussion mitlenken zu können: Das Bündnis setzt hohe Standards in der Qualitätssicherung. In diesem Zusammenhang könnte das Bündnis eine Umfrage zu Vorgehensweisen bei der Katastrophenvorsorge bei den Bündnisorganisationen durchführen. Denkbar ist, einen gemeinsamen Leitfaden zur Katastrophenvorsorge zu erstellen und die Ansätze von Bargeldtransfer in der Katastrophenvorsorge weiter zu untersuchen.
  • Die Evaluierung ergab erhöhten Trainings- und Fortbildungsbedarf im Bereich der Katastrophenvermeidung und Katastrophenvorsorge. Das nationale Katastrophenvorsorgesystem muss dabei immer berücksichtigt werden. Kapazitätsaufbau – auch denkbar als übergreifende Maßnahme unter den Bündnisorganisationen – ist dringend notwendig. Zielgruppe könnten internationale, nationale und lokale Mitarbeiter, lokale Partner sowie Behörden und Institutionen, die sich damit beschäftigen.
  • Bündnisorganisationen sollten "Risiko-Kartierungen“ für die Gebiete durchführen, in denen sie tätig sind. Dazu wird eine enge Zusammenarbeit mit kommunalen, regionalen und nationalen Strukturen des Katastrophenschutzes empfohlen und die Bevölkerung für Katastrophenvorsorge weiter zu sensibilisieren.
  • Um Projekte zur Katastrophenvorsorge nachhaltig zu gestalten, sollten Bündnisorganisationen die Möglichkeiten bei der Zusammenarbeit mit lokalen Mitarbeitern prüfen: Diese könnten parallel zu Nothilfemaßnahmen bereits eingesetzt werden, um sofort eng mit den lokalen Behörden und der Bevölkerung zusammen zu arbeiten. Das Ziel: gemeinsam geeignete Vorsorgemaßnahmen erarbeiten und diese langfristig umsetzen.

Stand 30.11.2016

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