Die Organisationen wollen aus den Erfahrungen lernen
© Aktion Deutschland Hilft/Kopp

Wir über uns"Die Organisationen wollen aus den Erfahrungen lernen"

Evaluierung ist ein denkbar schwerfälliger Begriff. Die unabhängige entwicklungspolitische Gutachterin Beate Scherrer spricht daher immer von Projektprüfungen, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Doch auch dieser Begriff klingt noch etwas trocken und lässt daher nicht erahnen, welch hochinteressantes Arbeitsfeld sich dahinter verbirgt.

Wie hat man sich Ihre Arbeit konkret vorzustellen?

Projektprüfungen gehören seit vielen Jahren zum Standard jeder seriösen Hilfsorganisation in Deutschland. Sie dienen einerseits der Transparenz und Rechenschaftslegung über die Verwendung von Spendengeldern und öffentlichen Finanzmitteln gegenüber einer interessierten Öffentlichkeit. Andererseits wollen die Organisationen selbst und ihre lokalen Partner ja wissen, ob ihre Zusammenarbeit erfolgreich war und was sie gegebenenfalls aus Problemsituationen lernen können. Deshalb beauftragen sie regelmäßig externe Gutachterinnen und Gutachter, die ihre Programmarbeit und Projekte mit einem unabhängigen Blick und dem nötigen Fachwissen prüfen. Die Prüfungsberichte finden dann ihren Weg zurück in die jeweilige Organisation, damit aus ihnen Schlussfolgerungen für die künftige Arbeit gezogen und – falls nötig – Korrekturen vorgenommen werden können.

Wie ist der zeitliche Ablauf?

In der Regel werden solche Prüfeinsätze über Vorgespräche mit der Auftrag gebenden Organisation, also zum Beispiel mit Aktion Deutschland Hilft oder eine der Mitgliedsorganisationen, über Aktenstudium und danach auch vor Ort in dem jeweiligen Projektland durchgeführt. Sind ausländische Partnerorganisationen beteiligt oder setzen die Projekte in Eigenregie um, werden sie selbstverständlich in den Prüfungsprozess einbezogen.

Was sind Ihre Prüfkriterien sowie -ziele?

Die definierten Qualitätsstandards der humanitären Hilfe, also auf Basis der Prinzipien für Humanitäre Hilfe formulierte und allgemein gültige Standards, zum Beispiel Sphere oder IRK, sind die Prüfkriterien für jeden Einsatz und gelten natürlich auch in meiner Arbeit. Darüber hinaus werden Methodensicherheit und bestimmte Grundregeln im interkulturellen Umgang mit Menschen verlangt, für die eine kontinuierliche Fortbildung Voraussetzung ist. Diese Notwendigkeiten meiner gutachterlichen Tätigkeit werden manchmal unterschätzt, weil sie weitgehend unsichtbar sind. Trotzdem muss auch langjähriges Erfahrungswissen immer wieder aktualisiert werden und auf den Prüfstand kommen, denn auch auf den ersten Blick ähnliche Problemlagen können völlig unterschiedliche Ursachen haben und ganz unerwartete Dynamiken entfalten.
Darauf muss man sich ständig neu einstellen.

Wer sind dabei Ihre Gesprächspartner?

Direkte Gesprächspartner sind zunächst natürlich einmal meine Auftraggeber, in der Regel Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit, also Nichtregierungsorganisationen, Ministerien, EU, UN oder andere. Sie geben den Auftragsrahmen vor, und als Dienstleister muss ich mich über die konkreten Aufgaben und Bedingungen mit ihnen verständigen. In den Projektländern selbst arbeite ich dann mit den Kooperationspartnern zusammen, auch dies sind zum Teil zivilgesellschaftliche, nationale oder internationale Organisationen oder staatliche Behörden. Im Mittelpunkt stehen aber die sogenannten Zielgruppen der Arbeit, also diejenigen Menschen, denen das jeweilige Vorhaben letztendlich zugute kommen soll. Ihre Beteiligung muss auf jeden Fall sichergestellt sein, damit sie langfristig gestärkt werden und wieder aus eigener Kraft ihr Leben gestalten können. Hierzu müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten. Ich spiele dabei oftmals nur die Rolle eines Übersetzers und Vermittlers.

In welchen Ländern haben Sie bereits für Aktion Deutschland Hilft oder für die Bündnispartner Projektprüfungen durchgeführt?

Aktion Deutschland Hilft hat mich erstmals im Frühjahr 2006 damit beauftragt, die Projektarbeit derjenigen Mitgliedsorganisationen zu evaluieren, die sich nach dem großen pazifischen Tsunami in Indonesien, Sri Lanka und Indien mit umfangreichen Hilfsmaßnahmen engagiert haben. Ein Kollege und ich haben damals 12 von über 80 durchgeführten Projekten angesehen und begutachtet, um deren Erfolge, aber auch Probleme in einem schwierigen Umfeld zu bewerten, damit die Mitgliedsorganisationen daraus ihre Lehren für die zukünftige Arbeit ziehen konnten. So konnte später auch einer breiteren Öffentlichkeit über die Verwendung ihrer Spendenmittel berichtet werden.

Das Spezialwissen ist sicherlich einer der wichtigsten Aspekte, um in der Nothilfephase trotz Hektik und Chaos professionell arbeiten zu können …

Das stimmt. Das Hauptanliegen von Aktion Deutschland Hilft ist es ja, in wiederkehrenden Notsituationen und Katastrophen schnelle Hilfe für die betroffenen Menschen zu organisieren. Da werden schon spezielle Kenntnisse aus der humanitären Hilfe benötigt, zumeist brauchen die Menschen ja als erstes Nahrungsmittel, Medizin, sauberes Trinkwasser und ein sicheres Dach über dem Kopf. Dies alles muss logistisch so organisiert sein, dass die Hilfe den Bedürfnissen der Frauen und Männer, Kinder und Alten entspricht und diese auf dem schnellsten Wege erreicht. Einkauf, Transport und Verteilung müssen soweit wie möglich im Land selbst organisiert werden, obwohl dies aufgrund von Zerstörungen oder mangelnder Infrastruktur nicht immer einfach ist. Um eine ausreichende Quantität und Qualität der Maßnahmen zu gewährleisten, braucht es Mindeststandards und qualifiziertes männliches und weibliches Personal aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen. Ärzte, Ingenieure, Logistiker, Wasserexperten und Ernährungsfachkräfte sind hier gefragt, aber auch Sozialarbeiter respektive Psychologen, die den häufig traumatisierten und desorientierten Menschen Hilfe anbieten und sie kompetent betreuen können. Nach den Phasen der frühen Not- und Übergangshilfe, folgen in der Regel die weniger spektakulären Maßnahmen des Wiederaufbaus, der wirtschaftlichen und sozialen Rehabilitation. Auch hierfür werden speziell geschulte Fachkräfte benötigt, vor allem aus den Projektländern selbst. Der interkulturellen Zusammenarbeit mit einheimischen Organisationen kommt deshalb besondere Bedeutung zu.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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