Auch zwei Jahre nach dem Beben in Nepal kommen die Freundinnen jeden Monat ins Rehabilitationszentrum

Erdbeben Nepal Nepal 3 Jahre nach dem Erdbeben: Hilfe ist weiter nötig

23-04-2018

von Handicap International

Als in Nepal vor drei Jahren die Erde bebte, wurden mehr als 8.000 Menschen getötet und 22.000 verletzt. Da Handicap International, Mitglied im Bündnis Aktion Deutschland Hilft, bereits vor Ort war, konnten die Teams unmittelbar mit der Nothilfe für die Opfer starten und über 15.000 Menschen unterstützen.

Nach dem Erdbeben in Nepal: So geht es den Menschen heute

Der 20-jährige Ramesh war einer der Betroffenen. Er verlor beide Beine – heute ist er Spitzensportler. Und die beiden zehnjährigen Mädchen Nirmala und Khendo haben gelernt, mit ihren Prothesen gut zu laufen und sind unzertrennliche Freundinnen. Handicap International (HI) ist weiterhin vor Ort und hilft Tausenden, die nach wie vor Unterstützung brauchen.

Ramesh wurde unter den Trümmern begraben und ertrug schlimme Schmerzen, bis er gerettet werden konnte. Ihm mussten beide Beine amputiert werden. HI passte ihm Prothesen an und hilft ihm seitdem mit Reha. Heute besucht er wieder die Schule und trainiert mit eisernem Willen für die Paralympischen Spiele.

"Ich wollte unbedingt wieder zur Schule gehen"

"Ich habe schon 22 Medaillen gewonnen. Meine Preisgelder gebe ich meinen Eltern und Geschwistern. Sie leben in sehr ärmlichen Verhältnissen und wohnen weit von hier entfernt. Ich wollte unbedingt wieder zur Schule zu gehen, denn ich will einen Job finden und für mich selbst sorgen können", bekräftigt Ramesh mit einem fröhlichen Lachen.

Nirmala und Khendo lernten sich im Krankenhaus kennen. Beide waren verschüttet worden, beide hatten ein Bein verloren.

Im Video erfahren Sie mehr über die Geschichte der beiden Mädchen:


Gemeinsam trainierten sie ihre Reha-Übungen mit den Physiotherapeuten von HI und lernten wieder laufen. Heute, drei Jahre danach, sind die zwei Mädchen unzertrennlich und besuchen dieselbe Schule. "Wir schlafen im selben Zimmer, im selben Bett. Wenn Nirmala weint, dann weine ich auch. Wir machen alles zusammen", erzählt Khendo.

Mit Handicap International fanden die Mädchen ins Leben zurück

"Ich habe Nirmala und Khendo kurz nach dem Erdbeben kennengelernt", erklärt Sudan Rimal, Physiotherapeut für Handicap International. "Ich habe ihre Beinstumpfe massiert und ihnen Übungen beigebracht, die die Beinmuskulatur stärken. Sie haben Prothesen erhalten und erneut das Laufen gelernt. Sie kommen regelmäßig vorbei, um mich zu sehen. Da sie so schnell wachsen, müssen wir ihnen alle sechs Monate eine neue Prothese anpassen. Wir haben eine gute, vertrauensvolle Beziehung zueinander aufgebaut."

Die Hilfsorganisation Handicap International hat seit dem Erdbeben am 25. April 2015 über 34.000 Physiotherapiestunden und Sitzungen mit psychologischer Hilfe für mehr als 15.000 Menschen durchgeführt und 6.300 Prothesen, Orthesen etc. an Verletzte gespendet. Darüber hinaus hat HI mehr als 4.300 Hilfspakete mit Zelten, Küchensets, Hygienesets, Decken etc. an über 2.200 Familien verteilt.

Wie entsteht ein Erdbeben?

Die meisten Erdbeben haben ihre Ursache in der Plattentektonik der Erde. Die Erdkruste, die äußerste Schicht der Erde, besteht aus mehreren großen Krustenplatten. Aufgrund von Konvektionsströmen im Erdinneren geraten die Platten in Bewegung, driften voneinander weg oder stoßen zusammen. Besonders erdbebengefährdet sind daher Regionen, die in der Nähe der Plattengrenzen liegen. Wird durch die Reibung der Platten der Druck zu groß oder verkeilen sich zwei Platten ineinander, kommt es zu einem Bruch und die Spannungen entladen sich in einem Beben. Erfolgt das Beben auf See, kann es gewaltige Tsunamis auslösen.

Welche Regionen sind besonders gefährdet?

Verheerende Erdbeben entstehen vor allem an konservativen und konvergenten Plattengrenzen.
An konservativen Plattengrenzen schieben sich zwei Platten aneinander vorbei. Ein Beispiel hierfür ist die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien, an der sich die Pazifische und die Nordamerikanische Platte aneinander vorbeischieben. Die dadurch entstehenden Erdbeben bedrohen die Millionenmetropole San Francisco.
An konvergenten Plattengrenzen stoßen zwei Platten aneinander. Handelt es sich um eine ozeanische und eine kontinentale Platte, taucht die schwerere ozeanische Platte unter die leichtere Kontinentalplatte ab. Die dabei entstehende Spannung führt zu einem plötzlichen Erdbeben und auf dem Meer folgt diesem häufig ein Tsunami. Ein verheerendes Beben dieser Art ereignete sich im März 2011 in Japan.
Doch nicht alle Erdbeben sind für den Menschen spürbar. Erschütterungen von einer Stärke von unter 2,0 auf der Richterskala können nur von Messinstrumenten wahrgenommen werden. In Deutschland ereignen sich jährlich mehrere Hunderte solcher Erdbeben.

Was ist die Richterskala?

Die Richterskala dient dazu, Aussagen über die Stärke von Erdbeben zu treffen. Sie wurde vom US-amerikanischen Seismologen Charles Francis Richter entwickelt und in den 1930er Jahren eingeführt. Je nachdem wie viel Energie durch ein Erdbeben in Form von seismischen Wellen ausgesandt wird, reicht die Skala von Minus-Werten bis zu Werten über 9.
Ab Stärke 3 oder 3,5 beispielsweise spüren Anwohner in besiedelten Gegenden die Beben. Ab Stärke 5 muss man mit Schäden rechnen und ab Stärke 8 kann ein Erdbeben Zerstörungen in Bereichen von hunderten Kilometern verursachen.

Kommt es auch in Deutschland zu Erdbeben?

In Deutschland werden jährlich mehrere Hunderte Erdbeben gemessen. Diese sind jedoch meistens so schwach, dass die Menschen sie nicht mitbekommen. Nur in seltensten Fällen richtet ein Beben in Deutschland größere Schäden an. Das Land liegt mitten auf der Eurasischen Kontinentalplatte, also weit entfernt von Plattengrenzen. Und zu verheerenden Erdbeben kommt es in der Regel dort, wo die Krustenplatten der Erde aufeinandertreffen.


Die Nichtregierungsorganisation hat die Lagerung von über 5.400 Tonnen an humanitären Hilfsgütern organisiert und deren Verteilung in abgelegene Dörfer koordiniert. Weiterhin erhielten über 1.500 vom Erdbeben schwer getroffene Haushalte eine finanzielle Unterstützung, um einen Weg zurück in Arbeit und Einkommen zu finden. Dadurch konnten sie beispielsweise Ziegen züchten oder kleine Läden eröffnen. Zusätzlich verteilte HI im Winter 2016 warme Kleidung, Decken usw. an mehr als 9.000 Menschen, die durch die Folgen des Erdbebens Unterstützung brauchten.

Katastrophenvorsorge für die Schutzbedürftigsten

Letztlich konnten die Teams von Handicap International die humanitäre Versorgung, die von anderen Organisationen im Bereich Gesundheit und Bildung angeboten wurde, für die schutzbedürftigsten Menschen zugänglich machen. Außerdem sensibilisierte HI über 3.000 Regierungsmitglieder in Nepal, um sicherzustellen, dass sie die besonders schutzbedürftigen Menschen zukünftig in der Katastrophenvorsorge berücksichtigen.

Aktuell verfügt HI über ein Team von 70 Mitarbeitern in Nepal. Diese unterstützen fünf Reha-Zentren im Land und helfen Erdbebenopfern dabei, wieder Einkommensmöglichkeiten zu finden. Darüber hinaus stellen sie sicher, dass Kinder mit Behinderung zur Schule gehen können.

Auch die Opfer der Überschwemmungen vom August 2017 erhalten Unterstützung dabei, ihre Existenzgrundlagen wieder aufzubauen und erneut auf eigenen Beinen zu stehen.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Menschen in Nepal

Spenden-Stichwort: Erdbeben Nepal
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
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