Ein Jahr ist seit dem schweren Erdbeben in Nepal vergangen und es wurde vieles erreicht. Unsere Bündnisorganisationen unterstützen die Betroffenen weiter beim Wiederaufbau, nachdem sie in den Tagen und Wochen nach dem Erdbeben Soforthilfe geleistet haben.

Erdbeben NepalDie neue Zeitrechnung des Herrn Bahadur

20-04-2016

Die Zeit seit dem Erdbeben unterteilt Lal Bahadur auf seine Weise: Da waren zunächst die Monate unter der zugigen Regenplane, die ihm ein Nachbar geschenkt hat. Das Stück Plastik habe immerhin den Regen ferngehalten – wenn auch nur von oben. Den Boden bekamen er und seine Frau Ful Maya kaum trocken. Dann kam die Zeit, als HelpAge die Wellbleche für das Dach vorbeigebracht hat, die der Wind nicht mehr so leicht davonblasen konnte. Dann die Zeit der „Dignity Kits“, zu deutsch etwa „Ausstattung für Würde“ – Päckchen mit Rasierzeug, Suppen, Tellern, Löffeln. Und mit richtigen Bettdecken – endlich brauchten sie sich nachts nicht mehr mit den aus Kleidung und Säcken selbst zusammengenähten Provisorien zuzudecken.

Alte Menschen leiden besonders unter den Folgen des Erdbebens


Scheinbar unbewegt zählt er die Stationen auf. Jammern scheint nicht die Sache von Lal Bahadur zu sein. Er hat kein Land und kein Haus, das ist so, wieso große Worte machen?! 65 Jahre ist er alt und hat es immer verstanden, von wenig zu leben. Nur wenn er vom Erdbeben erzählt, wird er laut und gestenreich: Er erzählt vom Lärm, vom Umfallen der Häuser.

Es sind Menschen wie er, derer sich HelpAge annimmt: ältere Menschen, die schon vor dem Beben mit dem Nötigsten aus-kommen mussten. Oftmals sind es Menschen, die nicht aufstampfen, sich nicht empören und auch nicht gegen die Regierung demonstrieren, der vorgeworfen wird, auf Hilfsgeldern zu sitzen anstatt sie einzusetzen. Lal Bahadur sagt: „Ich danke den Göttern für die Hilfe für die Menschen, die vom Erdbeben betroffen sind."

Cash for Work, Wellblech und Werkzeug

In Nepal zeichnen sich Entwicklungen ab, die viele Länder des globalen Südens schon seit Jahrzehnten prägen: Weniger Kinder als früher müssen für mehr Alte aufkommen; immer weniger Familien leben generationenübergreifend beisammen. Angehörige besonders der niedrigeren Kasten migrieren auf der Suche nach Arbeit in die Städte, in andere Teile Nepals oder in die Golfstaaten. Längst nicht alle verdienen dort genug Geld, um ihren Eltern, die zu Hause zurückbleiben, davon etwas zukommen zu lassen. Wenn deren Kräfte schwinden oder etwas Unvorhergesehenes passiert, können sie sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Not herausarbeiten.

Hier setzt HelpAge an: Unmittelbar nach dem Erdbeben verteilten Helfer Bargeld an über 10.500 Haushalte mit besonders bedürftigen älteren Menschen. Wie das Geld verteilt wurde, legten die HelpAge-Mitarbeiter gemeinsam mit Mitgliedern des lokalen Gemeinderates fest. Als es darum ging, die Menschen vor dem nahen Winter zu schützen, verteilten Helfer Wellblech für Dächer und Wände, Werkzeug, Decken, Solarlichter – zudem wurden Betroffene im Bau winterfester Unterkünfte geschult. Die Haushalte erhielten weiteres Geld zum Wiederaufbau dazu – nicht mehr bedingungslos wie unmittelbar nach dem Erdbeben, sondern gegen den Nachweis, dass sie beim Wiederaufbau selbst mit Hand angelegt haben – nach dem Prinzip „Cash for Work“.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Menschen in Nepal

Spenden-Stichwort: Erdbeben Nepal
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Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
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