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Flüchtlinge KongoGefangen in der Vergangenheit

04-02-2009

Der grausame Mord an seiner Mutter ließ den Kongolesen Jean-Patric verstummen

Jean-Patric* hat Angst. Er spricht mit niemandem. Die Erinnerung an den schrecklichsten Moment seines Lebens beherrscht die Gedankenwelt des jungen Mannes. Er muss verarbeiten, was eigentlich nicht zu verarbeiten ist. „Während der Angriffe der Rebellen nahe der Stadt Goma wurden Jean-Patric und seine Mutter vor den Augen des Vaters aus dem Haus gezerrt und verschleppt“, sagt Christof Ruhmich, Länderkoordinator der Malteser im Kongo. Da Jean-Patric den Helfern gegenüber stumm blieb, erzählten die anderen Flüchtlinge, was ihm geschehen ist. „Die Rebellen wollten die Mutter vor den Augen des Sohnes vergewaltigen“, so Ruhmich weiter. „Doch die Frau hat sich wohl dagegen gewehrt. Daraufhin töteten die bewaffneten Angreifer die Mutter mit einer Machete und entführten Jean-Patric.“

Nach einigen Tagen gelang es Jean-Patric, sich aus den Händen der Rebellen zu befreien. Über Umwege kam er in ein Flüchtlingslager in der Nähe von Minova, in dem Mitarbeiter von Malteser International traumatisierte Patienten behandeln. Ruhmich: „Jean-Patric floh jedoch regelmäßig aus dem Camp, um sich im Wald zu verstecken. Oft zog er sich auch nackt aus und wälzte sich auf dem Boden.“ Die entsetzlichen Erfahrungen machten Jean-Patric zu einem besonders schweren Fall. Schwer, aber nicht hoffnungslos – die Malteser verlegten ihn ins „Centre Sosame“, eine auf die Behandlung von Traumapatienten spezialisierte Klinik in Bukavu. Dort wurde und wird er bis heute von Psychologen und Ärzten betreut. „Wir hoffen, dass Jean-Patric wieder ins Leben zurückfindet“, sagt Christof Ruhmich. „Auch wenn wir wissen, dass solche Wunden nie wirklich ganz heilen können.“

*Name geändert

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