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Erdbeben IndonesienInterview mit Dr. Bernward Hammel

30-05-2007

Steckbrief:

BHammel_groß_endName: Dr. Bernward Hammel

Alter: (41)

Studium: Medizin.

Berufliche Stationen: Er arbeitete für „Ärzte ohne Grenzen“ im Sudan, in Afghanistan, Indonesien und Somalia. Seit August 2006 ist er Projektkoordinator für Malteser International auf Java, Indonesien.

Hammel_200px.jpgAm 27. Mai 2006 erschütterte ein schweres Erdbeben den Distrikt Bantul auf Java. Rund 6.200 Menschen kamen dabei ums Leben, hunderttausende wurden obdachlos. Wie geht es den Menschen ein Jahr nach dieser Katastrophe?

Das größte Problem hier ist, dass viele Menschen noch immer unter den Folgen des Erdbebens leiden. Viele haben damals alles verloren und vor allem geht es vielen Menschen zusätzlich gesundheitlich schlecht, weil sie nach dem Erdbeben nicht vernünftig versorgt werden konnten. Mehr als tausend Menschen sind seit dem Erdbeben behindert.

Als Mitgliedorganisation von Aktion Deutschland Hilft hat sich Malteser International nun ein Jahr lang auf Java für die Opfer der Katastrophe eingesetzt. Wie sieht Ihr Engagement aus?

Wir haben zuerst Notversorgung in einem Feldhospital angeboten. Dann haben wir unsere Hilfsprogramme für einen mittelfristigen Einsatz ausgebaut und uns auf die Gesundheitsversorgung spezialisiert: Mobile Teams fahren in die Dörfer, besuchen die Verletzten, behandeln sie und überführen sie – wenn erforderlich - in örtliche Krankenhäuser. Außerdem haben wir acht temporäre Dorfkliniken aus Bambus errichtet, um die zerstörten Krankenhäuser zu ersetzen, bis sie wieder aufgebaut sind.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen von Aktion Deutschland Hilft war sehr fruchtbar. Hier konnten wir Synergien nutzen. Beispielsweise lieferte Terra Tech orthopädische Hilfsmittel, wie Gehilfen und Rollstühle, die wir dann an körperlich behinderte Menschen im Distrikt Bantul und in Yogyakarta verteilten. Mindestens 150 Menschen erhielten so die Chance, sich wieder aus eigener Kraft fort zu bewegen. Wenn unsere mobilen Teams in den Dörfern Menschen vorfanden, die dringend auf behindertengerechte Sanitäranlagen angewiesen waren, so meldeten wir dies arche noVa, eine andere Mitgliedsorganisation von Aktion Deutschland Hilft, die sich dann wiederum um den Bau  der Anlagen kümmerte.

Herr Dr. Hammel, was haben Sie mit Ihrem mobilen Team in den Dörfern vorgefunden und wie wurden Sie von den Menschen dort aufgenommen?

Wissen Sie, das Problem direkt nach dem Erdbeben war, dass die lokalen Krankenhäuser völlig überlastet waren. Die Menschen konnten zum Teil nur unzureichend behandelt werden. Selbst Monate nach dem Beben gab es viele Menschen mit unbehandelten Frakturen, mit Rückenmarksverletzungen oder sogar welche, deren offene Brüche einfach eingegipst worden waren und Menschen, die externe Fixatoren bekommen hatten, nun aber ohne Nachbehandlung blieben. Viele Menschen blieben auch unbehandelt, weil sie sich, aus Angst vor den Kosten, nicht trauten einen Arzt zu konsultieren.

Unsere Teams haben die Bedürftigen kostenlos behandelt, daher haben sich die Menschen sehr gefreut, wenn wir kamen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, den Menschen auf Java zu helfen?

Ich wollte immer schon für Menschen arbeiten, die kaum medizinische Versorgung erhalten, und habe deswegen Medizin studiert. In Indonesien habe ich, wie viele andere, nach dem Tsunami angefangen. Dann kam der Einsatz für die Erdbebenopfer auf Java. Leider haben die meisten Helfer das Land schon bald wieder verlassen. Es gab nur wenige Organisationen, die den Aufwand und die Kosten in Kauf genommen haben, auch nach den ersten Nothilfemaßnahmen mit einem medizinischen Team in die Gemeinden zu gehen, um für die zahlreichen Erdbebenopfer eine medizinische Nachversorgung sicher zu stellen. Ein Grund mehr für mich, mich hier zu engagieren.

Was wünschen Sie sich für die Menschen auf Java?

Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen möglichst umfassende medizinische Hilfe bekommen. Es ist kaum vorstellbar, aber selbst ein Jahr nach dem Beben gibt es noch immer Menschen in entlegenen Dörfern, die nur sehr selten medizinische Hilfe bekommen und die noch immer an Verletzungen leiden, die in Europa innerhalb kürzester Zeit verheilt wären. Und natürlich wünsche ich mir, dass die Menschen endlich ihre Häuser aufgebaut bekommen. Hier passiert schon einiges, aber noch nicht genug.

Wann haben Sie sich das letzte Mal richtig gefreut?

Eigentlich freue ich mich über jeden Patienten, den wir während meiner Arbeit auf Java medizinisch versorgen konnten, vor allem, wenn die Behandlung erfolgreich gewesen ist, wenn die Druckgeschwüre langsam verschwunden und die Brüche geheilt sind. Besonders gefreut habe ich mich allerdings, als unser Projektpartner, das Krankenhaus der Region Bantul, gesagt hat, er wolle unsere Arbeit der medizinischen Teams fortführen, auch wenn wir uns nun ein Jahr nach der Katastrophe zurückziehen. Wir haben den Mitarbeitern alles gezeigt und sie gut eingearbeitet. So bekommen auch die Vergessenen endlich nachhaltige Hilfe.

Herr Dr. Hammel, wir danken für das Gespräch.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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