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Wilma, Otto, Nargis: Wie ein Wirbelsturm zu seinem Namen kommt  Wie ein Wirbelsturm zu seinem Namen kommt
2008/dpa

Hurrikane und WirbelstürmeWilma, Otto, Nargis: Wie ein Wirbelsturm zu seinem Namen kommt

Die Devise: kurze, einprägsame Namen

Meteorologen verwenden für Wirbelstürme lediglich die Zahlenkombinationen aus Längen- und Breitengrad. Das sorgte in der Öffentlichkeit lange Zeit für Verwirrung. Denn tropische Wirbelstürme sind meist länger als eine Woche unterwegs. Und oft treten in dieser Zeit mehrere Stürme in einem Gebiet auf. Daher kam man auf die Idee, den Stürmen kurze, einprägsame Namen zu geben.

Von Exfreundinnen, ungeliebten Politikern und Pflanzen

Mehrere Jahrhunderte lang benannte man Wirbelstürme vielerorts nach dem Heiligen, an dessen Feiertag sie auftraten. Ende des 19. Jahrhunderts begann der australische Meteorologe Clement Wragge, Frauennamen aus der Südsee für tropische Stürme zu verwenden. Als sich die damalige Regierung weigerte, einen staatlichen Wetterdienst zu gründen und ihn als Direktor einzusetzen, benannte er sie nach Politikern, die er nicht leiden konnte. Dies inspirierte 40 Jahre später den Autor George Stewart. In seiner Novelle "Storm" gab ein Nachwuchsmeteorologe Stürmen auf dem Pazifik die Namen seiner Exfreundinnen. Meteorologen griffen diese Idee auf und erstellten 1945 eine Liste mit Frauennamen für den Westpazifik, die der US-Wetterdienst 1953 tatsächlich übernahm.

Diese vor allem bei Frauen umstrittene Praxis wurde 1979 außer Kraft gesetzt. Stattdessen wurden von der World Meteorological Organization WMO sechs alphabetische Listen mit je 21 abwechselnd männlichen und weiblichen Namen für Wirbelstürme im Atlantik erstellt. Gibt es in einem Jahr mehr als 21 Stürme, werden sie nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. Dies war erst ein einziges Mal erforderlich, nämlich in der atlantischen Hurrikansaison 2005, in der 28 tropische Wirbelstürme aufgezeichnet wurden.

Im Nordwestpazifik erhalten Stürme seit dem 1. Januar 2000 Namen von einer Liste, die von Mitgliedern des Typhoon Committee erstellt wird. Diese unterscheiden sich von allen anderen in zwei Dingen: Sie werden meist nach Pflanzen, Tieren, Lebensmitteln oder sogar Adjektiven benannt. Außerdem werden sie nicht in alphabetischer Reihenfolge, sondern nach den Anfangsbuchstaben der namensgebenden Länder vergeben.

Warum sind weibliche Stürme tödlicher als männliche?

War ein Sturm besonders schwerwiegend, etwa aufgrund der Sachschäden oder der Opferzahlen, kann dessen Name durch die WMO von der Liste gestrichen werden. So wird es beispielsweise keinen zweiten Hurrikan mit dem Namen Katrina, Igor oder Wilma geben.

Bei einer Auswertung schwerer Hurrikane zwischen 1950 und 2012 stellten amerikanische Wissenschaftler fest, dass weibliche Hurrikane fast dreimal so viele Menschenleben forderten wie männliche, obwohl bei allen ähnlich hohe Windgeschwindigkeiten gemessen wurden.

Experimente ließen die Vermutung aufkommen, dass weiblichen Namen unterbewusst geschlechtsspezifische Stereotype wie körperliche Schwäche, Wärme und passives Verhalten zugeschrieben werden. Sie werden also als weniger bedrohlicher wahrgenommen. Die Testpersonen waren nicht bereit, sich evakuieren zu lassen oder Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Deshalb wird von Experten dazu geraten, die Namenslisten zu überarbeiten und bevorzugt männliche Sturmnamen zu verwenden.

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