Katastrophenprävention: Eine neue Brücke dient als Rollstuhlrampe für einen Jungen im Rollstuhl

Katastrophenvorsorge„Ein Sprachrohr für Menschen mit Behinderung“

Roland Hansen

Roland Hansen (Malteser International) über inklusive Katastrophenvorsorge

Katastrophenvorsorge zielt darauf ab, die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf die Gesellschaft abzuschwächen. Erreicht wird dies durch Projekte in den Bereichen Training und Aufklärung, Nahrungsmittelsicherung, Bau und andere Schutzmaßnahmen, die dazu führen, dass die Gesellschaft weniger verwundbar ist. Da Menschen mit Behinderung im Katastrophenfall besonders schutzlos sind, beschäftigt sich ein Bereich der Katastrophenvorsorge mit der Inklusion. Aktion Deutschland Hilft wird hierzu am 10. Oktober ein Symposium in Bonn veranstalten.

Herr Hansen, Sie sind Abteilungsleiter der Region Asien bei Malteser International. Was genau bedeutet inklusive Katastrophenvorsorge?

Wir wollen das Ziel „Katastrophenvorsorge für alle“ realisieren. In den letzten Jahren hat die Praxis aber gezeigt, dass viele Menschen, die beeinträchtigt sind in der Wahrnehmung von Gefahren oder in der Bewegungs- und damit Fluchtmöglichkeit, nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Zu diesen zählen Menschen mit Behinderung, aber auch Kinder und ältere Personen mit Beeinträchtigungen.

Im Oktober 2012 haben sich Malteser International, der ASB, Handicap International und die Christoffel Blindenmission zu einem Netzwerk der inklusiven Katastrophenvorsorge zusammengeschlossen. Mit welcher Zielsetzung?

Weitere Gründungsmitglieder des Netzwerks sind drei asiatische Organisationen für Menschen mit Behinderung. Das Netzwerk will es diesen Menschen ermöglichen, für sich selbst zu sprechen – und dafür zu kämpfen, dass die internationale Richtlinie für Katastrophenvorsorge, die 2015 mit allen Nationen in Japan neu verhandelt wird, entsprechende Ziele für diese Gruppe aufnimmt. In dem bisherigen Dokument, dem „Hyogo Framework for Action“ von 2005 ist das bislang nicht der Fall. Deswegen haben viele Länder in ihren eigenen Richtlinien die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung oft noch nicht im Blick. Auch in Deutschland gibt es da Nachholbedarf.

Auf was muss bei der Umsetzung von inklusiver Katastrophenvorsorge geachtet werden?

Zuerst arbeiten wir mit den Menschen mit Behinderung und bereiten sie durch Trainings auf Katastrophenfälle in ihrer konkreten Umgebung vor. Dazu zählen zum Beispiel das Erstellen von Gefahrenkartierungen und Fluchtwegen sowie Evakuierungsübungen. In einem zweiten Schritt sensibilisieren wir die Mehrheitsbevölkerung dafür, dass sie Menschen mit Behinderung gleichberechtigt in die Arbeit von Katastrophenvorsorge-Komitees einbezieht. Menschen mit Behinderung sollen nicht mitleidig als Hilfsbedürftige abgestempelt werden. Vielmehr sind sie Individuen einer diversen Gesellschaft, die auch ihren Beitrag leisten können. Übrigens ist der Bevölkerungsanteil der Menschen mit Behinderung viel höher als oft angenommen – in ärmeren Ländern liegt er bei bis zu 20 Prozent.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die Katastrophenvorsorge:

Spenden-Stichwort: Katastrophenvorsorge
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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