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Eine Frau sieht sich gemeinsam mit einer Helferin von ADRA ein Prospekt in einem Gewächshaus an
© ADRA Mongolei
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  • Humanitäre Katastrophenvorsorge
  • Grüne Nothilfe gleich nachhaltige Wirkung

Katastrophenvorsorge Grüne Nothilfe gleich nachhaltige Wirkung

17.08.2026

von Aktion Deutschland Hilft/ADRA

Portrai von Dorothea Kulla, Fachberaterin für Umweltfragen bei ADRA

Dorothea Kulla ist Fachberaterin für Umweltfragen bei unserer Bündnisorganisation ADRA Deutschland. Sie hat mehr als zehn Jahre in der ländlichen Entwicklung in Afrika südlich der Sahara gearbeitet. Heute beschäftigt sie sich unter anderem mit der Frage, wie humanitäre Hilfe umweltfreundlicher gestaltet werden kann. 

Das Prinzip “Do No Harm” gehört zu den Grundlagen humanitärer Hilfe: Maßnahmen sollen Menschen in Krisen helfen und dabei keine unbeabsichtigten Schäden verursachen. Im Interview spricht Dorothea Kulla über “Do No Environmental Harm”– einen Ansatz, der dabei gezielt auch schädliche Folgen für die Umwelt in den Blick nimmt.

Aktion Deutschland Hilft: Der Begriff “Do No Harm” ist in der humanitären Hilfe seit Jahrzehnten etabliert. “Do No Environmental Harm” scheint neu zu sein und das bestehende Prinzip zu erweitern. Was genau verbirgt sich dahinter?

Dorothea Kulla: Die Idee, das “Do No Harm”-Prinzip um die ökologische Komponente zu “Do No Environmental Harm” zu ergänzen, ist eigentlich gar nicht so neu. Sogar auf der Homepage des Auswärtigen Amtes zu den Grundlagen der humanitären Hilfe steht ziemlich prominent geschrieben, dass humanitäre Einsätze keine Umweltschäden verursachen dürfen. 

Implizit wird der Umweltaspekt bei “Do No Harm” immer mitgemeint – aber eben nicht mehr. Es fehlt an konkreten Umsetzungsstrategien und auch gezielten Fundings. 

Ich habe 2024 nach einem von Aktion Deutschland Hilft organisierten Training mit Kolleg:innen aus anderen Hilfsorganisationen eine Arbeitsgruppe zum Thema Nachhaltigkeit gegründet. Wir haben zur besseren Einbindung des Umweltaspektes ins “Do No Harm”- Prinzip Mitte 2025 in einem Positionspapier Stellung bezogen, in dem wir für eine bessere Beachtung und stärkere Gewichtung von Umweltaspekten in der humanitären Hilfe plädieren. 

Warum ist das wichtig?

Die Abwendung von menschlichem Leid muss nicht nur in den akuten Notsituationen, auf die wir mit unseren Hilfseinsätzen reagieren, unser oberstes Gebot sein. Wenn wir dieses Leid lediglich auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, indem wir die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen durch unsere Einsätze beschädigen, verfehlen wir unseren humanitären Auftrag ebenso. 

Umweltschutz und Nothilfe wirken auf den ersten Blick wie zwei unterschiedliche Prioritäten. In Krisen und nach Katastrophen geht es schließlich vor allem um die Menschen und die Linderung humanitärer Not. Wie sieht “Do No Environmental Harm” in der Praxis aus? Wie lassen sich Nothilfe und Umweltschutz konkret verbinden? 

Zuerst einmal ist es wichtig, nicht in den Kategorien “entweder, oder” zu denken, sondern Umweltschutz und humanitäre Hilfe als sich ergänzende Aufgaben zu verstehen. Die Einbindung von Nachhaltigkeitsaspekten in humanitäre Projekte ist keine leichte Aufgabe. Aber es gibt bewährte Instrumente, um den ökologischen Fußabdruck eines Hilfseinsatzes von vorneherein kleinzuhalten. 

Welche wären das?

Es gibt beispielsweise das “Nexus Environmental Assessment Tool”, abgekürzt NEAT+. Damit können wir schnelle Umweltprüfungen durchführen, am besten vor Projektbeginn. Dabei werden mögliche Umweltrisiken des jeweiligen Hilfsprojektes analysiert und Möglichkeiten aufgezeigt, diese Risiken zu minimieren oder ganz auszuschalten.

Ein Beispiel: Angenommen, wir wollen in einem Hilfsprojekt in Burkina Faso Binnenvertriebene und ihre Gastfamilien mit Nahrung versorgen. Das sind meistens haltbare Lebensmittel, wie Reis, Hirse oder Bohnen. Diese müssen gekocht werden, und das passiert über offenem Feuer oder auf einfachen Kochherden mit einem hohen Holz- oder Holzkohleverbrauch.

Hier würde ich nach einem Umweltscreening empfehlen, zusätzlich Energiesparherde zu verteilen. Diese sparen erhebliche Mengen an Brennstoff ein. Zusätzlich würde ich Aufforstungsmaßnahmen anraten, um den zusätzlichen Verbrauch von Rohstoffen zu kompensieren. 

Wenn wir uns Ihr Beispiel aus Burkina Faso anschauen, könnte man sich fragen: Wieso nicht gleich so? Warum nehmen Hilfsorganisationen die Umweltfolgen ihrer Projekte erst jetzt so systematisch in den Blick?

Ich denke, dass Akteur:innen in der Humanitären Hilfe und im Umweltbereich recht verschiedene Personengruppen sind, die nicht per se systematisch miteinander kommunizieren, weshalb das Problem vermutlich lange unterschätzt wurde. 

Ein Umdenken findet heute statt, weil wir immer häufiger mit Krisen konfrontiert sind, die direkt mit Umweltthemen wie beispielsweise der Klimakrise zusammenhängen. Während jetzt im Sommer nach ausgedehnten Dürren die Wälder in Kanada und Südwesteuropa brennen, stehen Küstenstädte wie Accra und Abidjan nach sintflutartigen Regenfällen unter Wasser, und in Nordindien werden Menschen unter Schlammlawinen begraben. 

Alles, was die Klimakrise befeuert, führt auch zu mehr Wetterextremen, die wiederum humanitäre Krisen auslösen. Im Ergebnis sind heute neue humanitäre Einsätze notwendig, die beides in den Fokus rücken. 


Bildergalerie: Die Katastrophenvorsorge unseres Bündnisses

Ein Mann beim Bau eines sturmsicheren Hauses
Ein Mann beim Bau eines sturmsicheren Hauses
© Aktion Deutschland Hilft/Fulvio Zanettini
Katastrophenvorsorge rettet Leben – dafür ist unser Bündnis weltweit im Einsatz. Menschen in gefährdeten Regionen erhalten Unterstützung beim Bau von sturm- und erdbebensicheren Häusern. Dort können sie sich bei künftigen Katastrophen sicher fühlen.
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Helfer im Einsatz nach der Explosionskatastrophe in Beirut, Libanon
Helfer im Einsatz nach der Explosionskatastrophe in Beirut, Libanon
© ADRA/Libanon
Als Folge des menschengemachten Klimawandels werden diese Katastrophen häufiger und heftiger. Und auch aufgrund der Corona-Pandemie, Grenzschließungen und Lieferengpässen hat die Bedeutung der Vorsorge zugenommen.
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In Georgien lernen Kinder, wie sie sich bei Erdbeben verhalten
In Georgien lernen Kinder, wie sie sich bei Erdbeben verhalten
© ASB/Georgien
Auch Wissen rettet Leben – gerade bei Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis, die oft ohne Vorwarnung für große Zerstörung sorgen. In gefährdeten Gebieten wie Georgien oder Indonesien lernen Kinder schon in der Schule, wie sie sich und andere schützen können, wenn die Erde bebt.
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Getreidespeicher spielen bei der Katastrophenvorsorge gegen Hungersnöte eine wichtige Rolle
© ASB/Niger
Unser Bündnis hilft Menschen, sich auf lange Trockenphasen vorzubereiten. Dürren verursachen Ernteausfälle, Wassermangel und Hungersnöte. In Getreidespeichern können Familien überlebenswichtige Nahrung lagern, beispielsweise im Niger in Afrika.
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Im Süden von Thailand pflanzt eine Frau Mangroven zum Schutz vor der Flut
© Valeria Turrisi/Myanmar
Ein anderes Wetterextrem sind starke Regenfälle, die zu Fluten und Überschwemmungen führen können. Mit dem Bau von Dämmen und dem Pflanzen von Mangroven sorgen wir dafür, dass Menschen an Küsten oder Flüssen vor den Wassermassen geschützt sind.
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Bei Fluten in Süd- und Südostasien sterben immer wieder viele Menschen - sie müssen wissen, was im Ernstfall zu tun ist
© Benoit Marquet
Hochwasser kann lebensgefährlich sein. Während der Monsunzeit in Südasien beispielsweise gibt es jedes Jahr viele Tote und Verletzte. Unsere Bündnisorganisationen bereiten die Menschen mit Erste-Hilfe-Trainings vor. So können sie einander im Notfall zur Seite stehen, noch bevor erste Helfer eintreffen.
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Eine alte Frau sitzt auf den Trümmern eines Hauses, das beim Erdbeben zerstört wurde
© Aktion Deutschland Hilft/Stefan Trappe
Wenn Menschen in große Not geraten, hilft unser Bündnis – unabhängig von Nationalität, Herkunft, Religion und politischer Überzeugung. Im Katastrophenfall und auch bei der Katastrophenvorsorge achten unsere Hilfsorganisationen besonders auf die Bedürfnisse von Kindern, schwangeren Frauen, alten, kranken und behinderten Menschen.
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Katastrophenvorsorge: Ein Helfer mit einer Bäuerin in Somalia, wo große Dürre herrscht
© World Vision/Somalia
Aufklärung spielt bei der Katastrophenvorsorge weltweit eine wichtige Rolle. Auf dem Foto erklärt ein Helfer einer Frau in Somalia, wie sie trotz Dürre ihren Gemüsegarten bewirtschaften kann. Und dürreresistentes Saatgut trotzt Hitzewellen in trockenen Gebieten.
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Helfen Sie uns zu helfen. Online-Spenden für die Not- und Katastrophenhilfe
© Aktion Deutschland Hilft
Katastrophenvorsorge rettet Leben! Mit Ihrer Spende können Sie den weltweiten Einsatz unseres Bündnisses unterstützen. Und als Förderer helfen Sie jeden Tag und immer da, wo die Not am größten ist. Danke, dass Sie helfen!
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Was ist nötig, damit “Do No Environmental Harm” zum Standard in der gesamten humanitären Hilfe wird? Spielen dabei auch Geber wie zum Beispiel das Auswärtige Amt eine Rolle?

Die öffentliche Finanzierung spielt eine große Rolle. Schließlich entscheiden Geber wie das Auswärtige Amt oft darüber, welche Maßnahmen in Hilfsprojekten finanziert werden und welche nicht. Aber auch Hilfsorganisationen selbst können viel tun: Sie können ihre Mitarbeiter:innen zum Beispiel für Umweltthemen sensibilisieren und zur Einhaltung von Standards verpflichten. 

Wichtig sind auch praktische Instrumente – wie das angesprochene Umweltscreeningtool NEAT+. Im Juli dieses Jahres haben wir ein Positionspapier an Politik und Förderinstitutionen gerichtet. Darin haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass durch Mittelkürzungen die Finanzierung von NEAT+ wegbricht. 

Dadurch ist die Existenz des Instruments gefährdet. Wir haben ein Fördermittelpaket zu seiner Rettung gefordert. Die Aufmerksamkeit ist groß, und NEAT+ wird wieder stärker diskutiert. Das wollten wir erreichen. 

Private Spenden sind auch ein wichtiger Teil der Finanzierung von Hilfsprojekten. Und für viele Spender:innen zählt vor allem, dass ihr Geld direkt Menschen in Not zugutekommt. Wie würden Sie Spender:innen erklären, warum “grüne” Nothilfe wichtig ist – und wieso dafür auch Spenden eingesetzt werden müssen?

Ich würde ihnen sagen, dass ihr Geld kaum direkter bei den Menschen ankommen kann als über grüne Nothilfe. Oft zeigt sich deren Wirkung allerdings erst später. Wenn Schäden gar nicht erst entstehen, wird häufig unterschätzt, wie viel im Vorfeld verhindert wurde. Das nennt man dann Präventionsparadox. Umwelt- und Klimaschutz können deshalb zunächst wie eine zusätzliche Investition wirken. 

Mittel- und langfristig helfen sie aber, Schäden zu vermeiden, Leid zu lindern und Kosten zu sparen. Private Spenden können vor allem dort hilfreich sein, wo öffentliche Finanzierung fehlt, Maßnahmen aber notwendig sind. In unserem Projektbeispiel in Burkina Faso könnten wir mit Spenden Bäume pflanzen und so ganz sichergehen, dass wir beim Helfen keinen Schaden anrichten. 

 

+++ Spendenaufruf +++

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die Katastrophenvorsorge:

Stichwort: Katastrophenvorsorge
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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Zwei Kinder in Uganda freuen sich über frisches Trinkwasser

Humanitäre Katastrophenvorsorge

Es gibt Wege, schlimmen Folgen von Naturereignissen vorzubeugen. Dafür leisten Hilfsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft weltweit Katastrophenvorsorge.

Menschen in vielen Teilen der Welt bekommen die Folgen des Klimawandels zu spüren - auch Kinder wie diese in Äthiopien.

Klimawandel

Was ist der Klimawandel? Was sind die Ursachen und Folgen der globalen Erwärmung? Und wie kann Katastrophenvorsorge Menschen weltweit helfen, gewappnet zu sein?

© Bündnis deutscher Hilfsorganisationen

Gemeinsam besser vorsorgen


Video: Unsere Botschafter:innen sind schneller als die Katastrophe

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Interaktive Grafik: Katastrophenvorsorge weltweit

Infografiken
Infografik: Weltweite Hilfsprojekte
Infografik: Was ist Katastrophenvorsorge?
Infografik: Klimawandel und Katastrophen

Bildergalerien
Bildergalerie: Folgen des Klimawandels 
Bildergalerie: Aufbau sicherer Infrastruktur
Bildergalerie: Sicherheit durch Bildung

Podcast
Sonderfolge: Wie retten wir das Klima, Herr Latif?
Podcast: Mit Hunden Leben retten
Podcast: Umweltbildung auf vier Rädern

Studien & Berichte
Studie: Katastrophenvorsorge & Inklusion (2024)
Impulsvorträge: Hilfe im In- und Ausland
Studie: Spendenbericht Katastrophenvorsorge (2023)
Studie: Cost-Benefit analysis of disaster risk reduction (2021)
Studie: Findings Fachforum Katastrophenvorsorge (2021)
Studie: Relevanz von Katastrophenvorsorge (2020)
Studie: Katastrophenvorsorge zahlt sich aus (2016)

Quiz
Quiz: Naturkatastrophen und humanitäre Hilfe

zum Video: Katastrophenvorsorge im Bündnis

Videos
Video: 20 Jahre Katastrophenvorsorge im Bündnis
Video: Horst Köhler zur Bedeutung von Katastrophenvorsorge
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