Wiederaufbau nach Erdbeben in NepalNepal: Wege zur Beständigkeit

Die Folgen des verheerenden Erdbebens im April 2015 sind in Nepal noch immer deutlich sichtbar: Rund 9.000 Menschen nahm die damalige Katastrophe das Leben. Über 600.000 Familien verloren ihr Zuhause. Rund 285.000 Häuser wurden stark beschädigt und waren nicht mehr bewohnbar.

Betroffene des Erdbebens packen mit an


"Das Erdbeben hat den Menschen all das genommen, was sie sich bis dahin im Leben mühsam aufgebaut hatten. Aber das gemeinsame Wiederaufstehen trotz aller Widrigkeiten konnte es nicht zerstören", sagt Tek Bahadur aus Tupche im Distrikt Nuwakot. Auch er und seine Familie verloren ihr Zuhause. Heute ist er wieder stolzer Hausbesitzer und konnte dank des Wiederaufbauprogramms von Habitat for Humanity sein neues Heim auch katastrophensicher errichten.

Seit rund fünf Jahren hilft unser Bündnismitglied betroffenen Familien und ganzen Gemeinden beim Wiederauf- und Neubau von noch immer dringend benötigtem Wohnraum.

Dabei geht es den Helfern nicht nur darum, für die betroffenen Menschen einfach ein Dach über dem Kopf zu schaffen. Sondern sie wollen sie aktiv einbeziehen und ihnen mehr Möglichkeiten geben, sich selbst zu helfen.

Hilfsprogramm in Nepal stützt sich auf die Sphere-Standards

Auf vier Säulen, die allesamt in den Sphere-Standards verankert sind, stützt sich das ganzheitliche Hilfsprogramm in Nepal. Es fördert Partizipation und schafft damit Nachhaltigkeit.

Mit Hilfe sogenannter Hausbau-Servicecenter, eingerichtet in den Distrikten Kavrepalanchok und Nuwakot, bringen Helfer alle Parteien zusammen, um einen gemeinsamen und selbstbestimmten Wiederaufbau zu koordinieren. Vertreter der Regierung, Ingenieure aus dem In- und Ausland sowie Gemeindevertreter und Betroffene arbeiten dabei Hand in Hand.

Wichtiges Wissen für eine sichere Zukunft

Betroffene werden befähigt, individuell und selbstständig wesentliche Entscheidungen über Hausbau, Wasserversorgung, sanitäre Einrichtungen und weitere gemeinsame Ressourcen zu treffen. Durch gezielte Trainings und Fortbildungen beispielsweise in Hausbautechniken und die Bereitstellung des nötigen Werkzeugs können sie ihr Wissen jetzt und in Zukunft selbst umsetzen.


Sharada, eine junge Frau aus Pipaltar, ahnte nicht, dass sich die Katastrophe irgendwann positiv auf ihr Leben auswirken würde. Nachdem das Beben große Teile Pipaltars zerstört und die einfachen Hütten der Bewohner dem Erdboden gleichgemacht hatte, hörte Sharada von der Möglichkeit, im Rahmen des Wiederaufbauprogramms eine Maurerausbildung zu machen.

Neue Perspektiven für Frauen wie Sharada

In vielen Gemeinden Nepals sind die Tätigkeiten von Frauen aufgrund von gesellschaftlichen Zwängen oftmals auf Haushalts- und Gartenarbeiten beschränkt. Die Chancen auf ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben sind daher eingeschränkt. Sharada nahm dennoch am Programm teil und wurde schließlich nicht nur die erste zertifizierte Maurerin Pipaltars, sondern auch der ganzen Region Nuwakot.

Nach erfolgreichem Abschluss hat Sharada eine sichere Arbeitsstelle als Maurerin gefunden. Sie ist stolz darauf, dass sie als Frau einen männlich geprägten Beruf ausübt und einen wesentlichen Teil dazu beiträgt, erdbebensichere Häuser zu bauen. Durch ihr Handeln ermutigt Sharada andere Frauen dazu, ihrem Beispiel zu folgen und eine handwerkliche Ausbildung zu beginnen.

Sphere Standards der humanitären Hilfe

"Jeder hat das Recht auf angemessenen Wohnraum" – dieses erklärte, auch in den SPHERE-Standards der humanitären Hilfe inkludierte Menschenrecht – steht im Fokus des vorgestellten Hilfsprojektes. Wie eine angemessene Unterkunft aussehen und was sie ihren Bewohnern bieten soll, kann je nach vorhandenen Gegebenheiten eine Herausforderung sein.

Internationale Standards unterstützen Hilfsorganisationen wie Habitat for Humanity in solchen Situationen, indem sie einen klaren Orientierungsrahmen schaffen, auf den sich alle am Projekt Beteiligten beziehen können.

Das Programm von Habitat for Humanity in Nepal stützt sich dabei auf vier Säulen:

1. Soziale Mobilisierung

Einbindung der Bevölkerung durch transparente Projektinformation. Aufklärung über sichere Unterkünfte.

2. Technische Hilfe

Training, Maurer-Fortbildung für Ingenieure, Training für professionelle und ungelernte Maurer, Wohnungsbauhilfe-Service-Center

3. Passende Hilfsangebote für verschiedene Bauphasen

Baumaterial, Unterstützung betroffener Haushalte durch Facharbeiter, Sachspenden zur Reparatur und Nachrüstung

4. Marktentwicklung

Ausbau der Zulieferkette des Wohnungsbaumarktes, berufliche Aus-/Weiterbildung, Verleih von Bauequipment


Aktion Deutschland Hilft, Bündnis von 23 Hilfsorganisationen, leistet weltweit humanitäre Hilfe. Möglich ist das dank Ihrer Spende!