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Ein Junge auf dem Arm seines Vaters in einem der überschwemmten Flüchtlingscamps in Bangladesch
© World Vision/Himaloy Joseph Mree

NewsGeberkonferenz in Genf: UN beraten über Hilfe für Rohingya

23-10-2017

von Aktion Deutschland Hilft

In Genf veranstalten die Vereinten Nationen heute eine Geberkonferenz für die notleidenden Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar (ehemals Birma).

Regierungsvertreter aus der ganzen Welt kommen in der schweizerischen Stadt zusammen. Die UNO-Hilfswerke benötigen nach eigenen Angaben bis 2018 mindestens 434 Millionen US-Dollar, um für die nach Bangladesch geflohenen Rohingya Lebensmittel, Wasser, Medikamente und andere humanitäre Güter bereitzustellen.

Rund 1,2 Millionen Menschen sollen insgesamt Hilfe erhalten - neben den Flüchtlingen selbst auch Gastfamilien und andere Helfer.

Hintergründe zur Geberkonferenz

Seit Ende August sind den Vereinten Nationen zufolge rund 580.000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. In dem bitterarmen Land entstehen notdürftige Flüchtlingscamps auf Feldern, an Straßenrändern und in den Wäldern. Viele sind durch den Monsunregen überschwemmt. Mehr als die Hälfte der geflüchteten Rohingya sind Kinder und Frauen.

FAQ: Rohingya in Myanmar und Bangladesch

Was ist in Myanmar und Bangladesch passiert?

Seit Ende August sind mehr als 600.000 Rohingya aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar (ehemals Birma) gehören die Rohingya zur muslimischen Minderheit. Seit 1982 wird ihnen der Status als ethnische Volksgruppe und eine Staatszugehörigkeit verwehrt.

Im August 2017 griff eine islamistische Rebellengruppe, die sich zu den Rohingya zählt, verschiedene Ziele in Myanmar an. Eine Gegenoffensive des Militärs sowie Angst vor den Aufständischen verursachten daraufhin die Flucht hunderttausender Menschen: Während Buddhisten vor islamistischen Kämpfern flohen oder evakuiert wurden, versuchen hunderttausende Rohingya, die Grenze nach Bangladesch zu überqueren, um dort Schutz vor den Kämpfen zu finden.

Mittlerweile hat die Regierung in Myanmar den Flüchtlingen Humanitäre Hilfe in Aussicht gestellt. In Bangladesch und Myanmar müssen Organisationen registriert sein, um Humanitäre Hilfe leisten zu können.

Der starke Monsunregen in Bangladesch verschärft die Lage: Ohne Dach über dem Kopf sind die Flüchtlinge dem Starkregen schutzlos ausgeliefert. Zudem sind viele der ohnehin überfüllten Camps überschwemmt. Die Sorge vor Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser übertragen werden könnten, steigt täglich. Zudem ist es teilweise schwierig, die Menschen mit Hilfslieferungen zu erreichen, da Zugangswege durch tiefen Schlamm unpassierbar sind.

Wer sind die Rohingya?

Über 87 Prozent der Bevölkerung Myanmars bekennen sich zum Buddhismus, sechs Prozent zum Christentum und etwa vier Prozent zum Islam. Die Muslime, die sich mehrheitlich als Rohingya bezeichnen, leben überwiegend im nördlichen Rakhine State.

Sie gelten seit 1982 als Staatenlose und dürfen nicht ausreisen, wählen oder Land besitzen. Sie sind Diskriminierung und Gewalt wie illegalen Inhaftierungen, Folter, Vergewaltigungen und Morden ausgesetzt. Schätzungsweise 1,5 Millionen Rohingya lebten bereits vor den Ausschreitungen im August 2017 als Staatenlose im Ausland und etwa eine Million im Rakhine State. Seit 2012 kommt es verstärkt zu Ausschreitungen. Ebenso steigt seither die Zahl der Rohingya, die ins benachbarte Bangladesch fliehen.

Sprachwissenschaftlern zufolge leitet sich der Name Rohingya von dem birmanischen Namen der Provinz Rakhine ab. Er wird erst seit den 50er Jahren von den muslimischen Minderheiten verwendet, um die eigene Identität als Volksgruppe zu bekräftigen. In den Medien hingegen wurde der Begriff ab den 1990er Jahren als Bezeichnung für verschiedene Gruppen von aufständischen Muslimen verwendet, die an der Grenze zu Bangladesch im Rakhine State einen unabhängigen muslimischen Staat errichten wollen.

Wie viele Menschen sind bisher geflohen?

Seit dem 25. August 2017 sind mehr als 600.000 Menschen nach Bangladesch geflohen. Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Bereits vor August befanden sich fast 200.000 geflüchtete Angehörige der Rohingya in Bangladesch. Die meisten Flüchtlinge leben dort in der Region um Cox's Bazar. Von dort dürfen sie nicht in andere Landesteile ausreisen. Die Camps in Bangladesch sind jedoch nicht für die große Zahl an Flüchtlingen ausgelegt. Deshalb kommt es zu Überfüllungen und "wilden Camps".

In Myanmar gibt es keine gesicherten Zahlen zu Flüchtlingen. Seit Februar 2017 sind jedoch mindestens 120.000 Menschen in Camps untergebracht worden. Schätzungen zufolge wurden 40.000 Flüchtlinge an der Grenze festgesetzt. Sie versuchen nun, diese auf anderem Weg zu überqueren. Mindestens 4.000 Rohingya wurden bei Kämpfen getötet.

Wie ist die politische Situation in Myanmar?

Von 1962 bis 2010 stand Myanmar (ehemals Birma) unter Militärherrschaft. In dieser Zeit wurden Opposition und Proteste unterdrückt. Seit den 1990er Jahren besteht zudem ein politischer Konflikt zwischen dem Militär und der von Aung San Suu Kyi geführten Demokratiebewegung. Ab 2010 leitete das Militär selbst politische Reformen ein: Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit wurden ausgeweitet und politische Gespräche mit der Opposition aufgenommen. 2015 gewann Aung San Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie die Wahlen und stellt seitdem die Regierung. Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist Außenministerin.

Wie helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft?

Bis die geflüchteten Menschen in Bangladesch ankommen, legen sie oft weite Wege zurück. Viele müssen medizinisch versorgt werden, die meisten haben alles verloren. Ihr Überleben zu sichern, steht für die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft an erster Stelle. Zudem benötigen die Frauen, Männer und Kinder Trinkwasser, Nahrungsmittel, Unterkünfte und Hygieneeinrichtungen.

So helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft den Menschen in Not:

  • Wir versorgen neu angekommene Flüchtlinge mit Medikamenten
  • Wir sichern den Zugang zu Nahrung und verteilen Hygienepakete, damit Krankheiten sich nicht ausbreiten
  • Wir verteilen Decken, Planen und Zelte und sichern den Menschen Notunterkünfte
  • Wir unterstützen die geflüchteten Frauen, Männer und Kinder in Not mit psychosozialer Betreuung
  • Wir achten darauf, dass die Hilfe bei den besonders Schutzbedürftigen - Kinder, Frauen und ältere Menschen sowie Menschen mit Behinderung - ankommt

Um die notleidenden Menschen in Myanmar und Bangladesch weiter zu unterstützen und die Hilfe auszubauen, brauchen wir Sie. Helfen Sie uns zu helfen – jetzt mit Ihrer Online-Spende!

Eine Rohingya-Gruppierung ist selbst an den Konflikten beteiligt. Warum wird den Rohingya geholfen?

Die Hilfsorganisationen stehen auf keiner Seite der Konfliktparteien, sondern helfen unabhängig von Ethnien oder Religionszugehörigkeit notleidenden Menschen. Zudem steht Gewalt radikalisierter Gruppen den Werten von Aktion Deutschland Hilft fundamental entgegen. Die Mehrheit der Rohingya sind friedlich und nicht an den gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt. Diese Menschen fliehen vor Gewalt. In Myanmar und Bangladesch sind vor allem Frauen und Kinder unter den Flüchtlingen.

Wie helfen die Bündnisorganisationen?

Die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft helfen den Menschen in Not:

  • Wir versorgen neu angekommene Flüchtlinge mit Medikamenten
  • Wir sichern den Zugang zu Nahrung und führen Hygieneschulungen durch, damit Krankheiten sich nicht ausbreiten
  • Wir unterstützen die geflüchteten Frauen, Männer und Kinder in Not mit psychosozialer Betreuung und Notunterkünften

Um die notleidenden Menschen in Südasien weiter zu unterstützen und die Hilfe auszubauen, brauchen wir Sie. Helfen Sie uns zu helfen – jetzt mit Ihrer Spende

Kurz erklärt: Burma, Birma oder Myanmar?

Burma, Birma oder Myanmar: Drei Namen verwenden Medien für das südostasiatische Land, das unter anderem an Thailand, China und Indien grenzt. Die Vereinten Nationen verwenden die offizielle Staatsbezeichnung "Myanmar". Im angelsächsischen Raum überwiegt "Burma".

Die Briten eroberten das Land im 19. Jahrhundert und nannten ihre Kolonie "Burma". Im Deutschen wurde daraus das leicht abgewandelte "Birma". Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1948 behielten die Burmesen den Landesnamen Burma bei - und die damals herrschende Militärregierung führte 1989 "Myanmar" als offiziellen Staatsnamen ein.

Im Video erfahren Sie mehr über die dramatische Lage der Rohingya:

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die vom Monsun bedrohten Menschen in Südasien:

Spenden-Stichwort: Monsun Südasien
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
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