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GastkommentarKann der Wetterbericht Leben retten?

18-08-2011
Inge Niedek

Die Rolle der Medien beim Thema Katastrophenvorsorge

Die Medien mit ihren verschiedenartigen Kommunikationsformen haben durch die weltweite Verbreitung weitgehend alle Informationsgrenzen überwunden. Spektakuläre Nachrichten, zu denen oft genug Wetterereignisse wie schwere Stürme oder Überschwemmungen gehören, werden durch die Medien in kürzester Zeit in alle Winkel der Welt getragen. Wetterberichte, häufig mit begleitenden Informationen zu diesen Ereignissen, sind Bestandteil aktueller Nachrichten. Tagtäglich werden auf der ganzen Welt Entscheidungen aufgrund von Wetterinformationen und -vorhersagen getroffen, die entweder weitreichende soziale und ökonomische Auswirkungen haben oder sogar Leben retten können. Trotz der unterschiedlichen Kommunikationsformen des Wetterberichtes, ist er für viele Menschen immer noch eine der Hauptinformationsquellen über das gegenwärtige und zukünftige Wetter. Der Wetterbericht kann eine wichtige Rolle in der Katastrophenvorsorge spielen, wenn er begleitend oder ergänzend zum öffentlichen Warnprozess gesehen wird und wenn ein paar wichtige Punkte in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit berücksichtigt werden.

Der Umgang mit Katastrophen ist keine Unterhaltung, sondern ernsthafte Information. Diese Information sollte sachlich, objektiv und ausgewogen sein. Genau diese Kriterien sind auch für Wetterberichte gültig, um falsche Interpretationen und Aktionen in der Bevölkerung zu vermeiden. Im Vorfeld von absehbaren, gefährlichen Wetterereignissen und sich anbahnenden Katastrophen (schwere Stürmen oder ungewöhnlich große Regenmengen wie z. B. Monsun, Dauerniederschläge mit Überschwemmungsgefahr) kann ein Gefährdungshinweis auf das zu erwartende Ereignis, verbunden mit Informationen über geeignete Schutzmaßnahmen vor den Auswirkungen, die Bevölkerung vorwarnen und Vorsorgemaßnahmen können eingeleitet werden. Der bestmögliche Schutz der Bevölkerung steht dabei im Vordergrund. Alle Hinweise sollten daher sorgfältig mit den nationalen Wetterdiensten abgestimmt werden.

In diesem sensiblen Bereich muss eine Sensationsmache ausbleiben. Es dürfen keine unterschiedlichen Warnungen oder Fehlalarme an die Öffentlichkeit gelangen, weil sie erhebliche Verunsicherung bewirken können. Bei sehr kurzfristigen oder unerwarteten Ereignissen gestaltet sich die Vorwarnung schwieriger. Selbst in diesen Fällen können bei intakter Kommunikationsinfrastruktur begleitende Informationen zu dem Ereignis im Wetterbericht hilfreich sein (Wann hört der Regen auf? Wann wird der Sturm vorbei sein? Wo gibt es weitere Informationen? etc.).

Die Möglichkeiten der Wettervorhersage haben sich durch kontinuierliche Forschung und Weiterentwicklung der numerischen Modellketten in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Dadurch sind weltweit nicht nur bessere kurzfristige Vorhersagen, sondern auch frühzeitige Hinweise auf zu erwartende kritische Wettereignisse, die eine Gefährdung für die soziale und gesellschaftliche Infrastruktur und das Leben der Menschen darstellen, möglich. Aus physikalischen Gründen kann jedoch der Vorhersage-Status „100-prozentige Genauigkeit“ nie erreicht werden.