StudieStudie: Effizienzsteigerung durch Reduzierung des Katastrophenrisikos

Wie effizient ist Katastrophenvorsorge wirklich? Lohnt es sich, nicht nur aus ethischen, sondern auch aus ökonomischen Gesichtspunkten, bereits vor einer Katastrophe zu investieren, um die Schäden für Bevölkerung und Infrastruktur in dem betroffenen Land zu minimieren?

Studie mit Blick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Katastrophenvorsorge

Die Ergebnisse der im März 2021 abgeschlossenen Meta-Analyse von Aktion Deutschland Hilft sprechen eindeutig dafür: Um humanitäre Notlagen weltweit bewältigen zu können, muss zukünftig noch mehr in Katastrophenvorsorge investiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass präventive Maßnahmen in den allermeisten Fällen auch ökonomisch sinnvoll sind.

Im Rahmen der Analyse wurden 157 internationale Fallstudien im Hinblick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Vorsorgemaßnahmen untersucht. In der überwiegenden Mehrheit der Studien, nämlich in 89 Prozent der Fälle (139 Studien), übersteigt der ökonomische Nutzen der Katastrophenvorsorgemaßnahmen deren Kosten. Gezielte Vorsorgemaßnahmen können demnach die Kosten möglicher Schäden im Falle einer Naturkatastrophe um ein Vielfaches reduzieren. 

Weitere Ergebnisse der Studie zur Effizienz von Katastrophenvorsorge

  • Vorsorgemaßnahmen in Ländern mit niedrigem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) sind am effizientesten.

Diese Länder sind noch am wenigsten befähigt, eigene Gelder für Katastrophenvorsorgemaßnahmen zu mobilisieren und daher besonders auf internationale Finanzierung angewiesen. Ausreichende Schutzmaßnahmen können nur ergriffen werden, wenn Investitionen – auch durch internationale Geldgeber – massiv erhöht werden.

  • Kombinierte Maßnahmen weisen ein besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis auf als einzelne Maßnahmen.


Die Kombination mehrerer Maßnahmen und Strategien, einschließlich einer Kombination aus Vorsorge- und Eindämmungsmaßnahmen, kann daher von Vorteil sein.

  • Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Katastrophenfall ("Preparedness") sind im Durchschnitt kosteneffizienter als Maßnahmen zur Abmilderung ("Mitigation/Prevention") der Gefahren.

Ein Beispiel für eine Abmilderungsmaßnahme kann die Umsiedlung von Gemeinden in weniger gefährdete Gebiete zur Abwendung der Katastrophe sein oder der Bau eines Deichs.

Maßnahmen zur Vorbereitung sind unter anderem Frühwarnsysteme oder die Ausbildung von Helfer:innen. Solche Initiativen tragen dazu bei, dass die Gemeinden besser für Katastrophen gewappnet sind und im Notfall schnell handeln können.

  • Nicht-strukturelle Vorsorgemaßnahmen erweisen sich im Durchschnitt als kostengünstiger als strukturelle Maßnahmen.

Bei Vorsorgemaßnahmen wird unterschieden zwischen strukturellen, also baulichen Maßnahmen, wie dem Bau von Dämmen oder Deichen zur Abfederung von Überschwemmungen und nicht-strukturellen Maßnahmen, wie der Vermittlung von Wissen.

Nicht-strukturelle Maßnahmen sind flexibler anpassbar. Als besonders kostengünstig schnitten in der Studie ökosystem- und gemeindesystembasierte Maßnahmen ab, ebenso wie die Einführung von Systemen zur Frühwarnerkennung.

  • Katastrophenvorsorge wird zunehmend ganzheitlicher betrachtet: Die Stärkung der Gemeinschaft, also die Steigerung der Resilienz, steht im Fokus.

Bei der Ergreifung von Maßnahmen ist es wichtig, sogenannte kumulative Risiken zu berücksichtigen und sich auf den Auf- und Ausbau der Kapazitäten der Bevölkerung zu konzentrieren. Die COVID-19-Pandemie zeigt eindringlich, dass ärmere Länder besonders stark von Mehrfachkatastrophen betroffen sind, die sich gegenseitig verstärken.

Um dem Risiko zu begegnen, dass eine Maßnahme letztendlich nicht kosteneffektiv ist, weil erwartete Gefahren ("Hazards") womöglich nicht auftreten, ist es ratsam, in sogenannte "no-regret"-Optionen zu investieren: Ziel hierbei ist die Schaffung von generellen Vorteilen, die nicht an das Eintreten einer konkreten Gefahr gekoppelt sind.

Beispielhaft hierfür steht die Anpflanzung von Mangroven, die sich auf mehrere unterschiedliche Weisen positiv auf Land und Bevölkerung auswirkt.

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