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Zyklon Pam im SüdpazifikVanuatu: Das Leben nach Zyklon Pam

25-03-2015

Text von Friedrich Machein (Wasseringenieur bei arche noVa)

Aus Flusswasser Trinkwasser gewinnen

Heute traf ich in der Ortschaft Epoule auf Jack Willie. Ihm gehört das Land am gleichnamigen Fluss, wo arche noVa in Kooperation mit ADRA in den nächsten Tagen eine Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser aus Flusswasser aufstellen wird. Das Trinkwasser soll anschließend per Tankwagen in fünf Orten mit etwa 3000 Menschen verteilt werden. Die dortigen Wasserpipelines werden aus Bächen in den Bergen gespeist, die durch Erdrutsche und umgestürzte Bäume im Zuge des Zyklons "Pam" jedoch zerstört wurden.

Abhängig vom Tourismus

Jack (45) lebt mit seiner Frau Annie (36), seinen Töchtern Ellina (21) und Marianne (9), Ellinas Ehemann Ken (25) und dem Baby Mary-Lucie (9 Monate) direkt am Ufer des Flusses. Seine Familie ist ziemlich arm und lebte vom Tourismus. Bevor Wirbelsturm Pam über Vanuatu fegte, kamen zahlreiche Touristen in Kreuzfahrtschiffen auf die idyllische Südsee-Insel. Jack bot für die Touristen Paddelfahrten mit seinem Einbaum-Boot an. Wenn die Ausflügler von ihren Flussfahrten zurückkamen, verkaufte Annie ihnen traditionell zubereitete Speisen. Für ihr eigenes Essen hatte die Familie einen Gemüsegarten.

Der Wirbelsturm zerstörte nicht nur die Hütten von Ellina, Ken und Mary-Lucy sowie das Zuhause von Jack und Annie, sondern auch das Kanu von Jack. Vom Gemüsegarten ist ebenfalls nichts mehr übrig. Die Familie steht vor dem Nichts.

Der stärkste Sturm seit Jahren

Seit vielen Jahren hatte es in der Gegend keinen so starken Sturm mehr gegeben. Deshalb dachten Jack und seine Familie am Abend des 14. März, dass auch dieses Mal alles gut gehen werde. Als es gegen 20:00 Uhr stark zu regnen begann und der Wind immer stärker wurde, saßen alle Familienmitglieder zusammen in der Hütte von Jack und hofften, es würde bald aufhören.

Als das Wetter jedoch immer schlimmer wurde, sich die ersten Tafeln des Blechdachs geräuschvoll lösten und in die schwarze Nacht geweht wurden, entschied sich die Familie zur Flucht. Der Regen fiel inzwischen waagerecht, man konnte kaum die Hand vor Augen sehen, berichtet Jack. So krochen sie, einander gegenseitig festhaltend, zur 50m entfernten Straße. Jack erinnert sich, dass sie alle große Angst hatten und ihnen ständig Sand und Blätter ins Gesicht geweht wurden. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie das stabiler gebaute Haus von Bekannten.

Es kann als kleines Wunder bezeichnet werden, dass kein Familienmitglied verletzt wurde, nicht einmal das Baby von Ellina.

Wenig Hoffnung

Heute schauen Jack und seine Familie mit wenig Hoffnung in eine ungewisse Zukunft. Ihre Einnahmequellen, das Boot und der Garten sind zerstört. Derzeit leben sie alle zusammen in der 3x3 Quadratmeter großen Hütte von Jack. Gerne würde er ein neues Boot kaufen, doch das ist nicht leicht und ihr Geld ist mit den meisten Dokumenten beim Einsturz von Jacks Hütte verlorengegangen. Wenigstens Jacks Geburtsurkunde konnten sie in den Trümmern wiederfinden und trocknen.

Jack glaubt nicht, dass die Touristen wiederkommen. Wer will schon eine zerstörte Insel sehen, fragt er sich. Die Reiseagentur könnte ihn ohnehin nicht erreichen, da die Handynetze seit dem Sturm zusammengebrochen sind.

Und dann sagt er noch: „Wir können im Moment vielleicht kein Geld verdienen und sind selbst auf humanitäre Hilfe angewiesen, aber wenigstens können wir mit unserem Land durch die Trinkwasserstation jetzt anderen helfen, die noch schlechter dran sind.“

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