Warum die Menschen in Myanmar so dringend Hilfe benötigen
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Überschwemmungen Myanmar/Südasien Interview - Warum die Menschen in Myanmar so dringend Hilfe benötigen

21-08-2015

Ein Interview mit Nikolaus Kirchler, ADRAs Regionalkoordinator Asien Süd

Nikolaus Kirchler arbeitet seit 4 Jahren für ADRA Deutschland. Alles, was die lokalen ADRA Büros mit Beteiligung von deutschen Geldern vor Ort umsetzen, landet bei ihm auf dem Schreibtisch. Er koordiniert Projekte, pflegt Kontakte zur Bundesregierung und weiteren öffentlichen Geldgebern und ist außerdem Mitglied im ADRA Emergency Response Team, in dessen Rahmen er im Fall von Mega-Katastrophen im direkten Einsatz vor Ort die Arbeit koordiniert. In einem Interview zur aktuellen Notlage in Myanmar steht Nikolaus Kirchler auf verschiedene Fragen Rede und Antwort: Wie ist die Situation der Betroffenen vor Ort? Was macht ADRA, um den Menschen zu helfen? Was wird mit den eingenommenen Spendengeldern erreicht?

Doch schlussendlich geht es im Großen und Ganzen nur um eine Frage: Wieso ist Humanitäre Hilfe insbesondere in Myanmar so extrem wichtig?

Herr Kirchler, was genau ist in Myanmar passiert und wie ist die aktuelle Situation für die Betroffenen vor Ort?

Im gesamten Juli und August war der Monsunregen in Myanmar besonders heftig. Hinzu kam der Zyklon Komen, der am 30. Juli 2015 auf die Küste von Bangladesch traf und heftige Winde mit sich brachte. Diese Kombination führte in großen Teilen Myanmars zu katastrophalen Überschwemmungen. Manche Dörfer standen zehn Meter unter Wasser, das ist beinahe unvorstellbar. Die Schlammablagerungen durch die Flut sind so extrem, dass man mit normalen Verkehrsmitteln erst gar nicht durch kommt. Manche Häuser stecken bis zum Dach im Schlamm. Viele Straßen sind überschwemmt und einige Brücken konnten den Wassermassen nicht standhalten.

Wie gehen die ADRA Teams mit den Wasser– und Schlammmassen um?

Ein ADRA Team konnte zum Glück eine Seilbrücke benutzen, die Menschen vor Ort eigenständig gebaut haben. Die vorherige Brücke war einfach nicht mehr verwendbar. Dadurch konnten wir mehr als zwölf Tonnen Reis, Hülsenfrüchte, Öl, Salz, Kartoffeln und Zwiebeln über den Fluss bringen, um auch die Menschen auf der anderen Seite mit Nahrung zu versorgen. Unserem Team blieb nichts anderes übrig, als mit Reissäcken und Kanistern auf den Schultern die Waren auf die andere Seite zu bringen. Das war ziemliche Knochenarbeit.

Was kann ADRA denn für die Menschen in Myanmar tun?

Wenn man sich die Bilder anschaut, dann ist die Situation ziemlich prekär. Wir haben den Vorteil, dass wir bereits seit 27 Jahren ein Büro in Myanmar haben. Erfahrene Mitarbeiter, die sich mit dem Land und der Situation auskennen sind für schnelle und effektive Hilfe von großem Vorteil. In den ersten Tagen konnten wir bereits an 600 Familien Grundnahrungsmittel verteilen. Hierfür hat ADRA einen weltweiten Nothilfefonds. Er ermöglicht, dass innerhalb von 48 Stunden 15.000 US-Dollar und Hilfskräfte zur Verfügung stehen und einige Tage später nochmal mindestens 50.000 US-Dollar. Im Prinzip geht es darum das unmittelbare Überleben zu sichern.  Jetzt helfen wir den Betroffen bei den Aufräumarbeiten. Wenn alles zerstört ist brauchen die Menschen all ihre Kraft für den Wiederaufbau. Doch sie müssen auch arbeiten, um Geld für das Überleben der Familie zu verdienen. Hier können wir durch ein sogenannte „Cash for Work“ Programm diejenigen entlohnen, die für den Wiederaufbau arbeiten.

Die Flut hat fast 370.000 Hektar Farmland beschädigt. Warum ist das so ein großes Problem?

Aktuell sind viele der Felder, die überflutet wurden, nicht mehr nutzbar und ein Großteil der bevorstehenden Ernte ist zerstört. Viele Menschen in Myanmar leben jedoch von dem, was sie auf ihren Feldern ernten. Hier stellt sich ADRA der Herausforderung den Menschen möglichst schnell dabei zu helfen ihr Farmland  wieder in Stand zu setzen. Wenn so etwas wie diese große Überschwemmung passiert, fehlen den Menschen schlicht und ergreifend Ressourcen, von denen sie zehren können. Wenn von einem auf den anderen Tag alle Vorräte zerstört sind, kämpfen sie ums nackte Überleben. Eben dieses Überleben zu sichern, das ist unsere Aufgabe.

Wie genau finanziert ADRA die Arbeiten vor Ort und vor allem: Wohin fließt das Geld?

Innerhalb weniger Tage konnte ADRA weltweit 130.000 US-Dollar Spenden sammeln, womit noch mehr Menschen mit Lebensmitteln und erster Hilfe versorgt werden können. Das, was wir auf die Schnelle mobilisieren konnten, ist natürlich nur eine kurzfristige Hilfe. Die Kanadische Regierung hat ADRA Myanmar schon umgerechnet 575.000 Euro zugesagt und wir hoffen auf weitere Hilfsbereitschaft. Dieses Geld ermöglicht es uns auch langfristige Hilfsmaßnamen wie die Rekultivierung der zerstörten Felder und weitere Wiederaufbaumaßnamen anzupacken.

Einige dieser Gelder werden in die Wiederherstellung von Trinkwasserquellen und die Reparatur von Sanitäranlagen fließen. Sauberes Trinkwasser ist aktuell besonders wichtig, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Unser Ziel ist es, 700 bis 1000 der beschädigten Wasserquellen wieder her zu richten.

Von Myanmar haben wir in Deutschland im Jahr 2004 schon sehr viel gehört. Damals richtete ein Tsunami apokalyptische Zerstörungen an. Auch noch Jahre später hat ADRA den Wiederaufbau unterstützt. Wir haben Dörfer mit zentraler und dezentraler Wasserversorgung ausgestattet. Wasserkanäle wurden gebaut, die Infrastruktur wurde wieder hergestellt. Das Ziel ist es, die Ressourcen so nachhaltig wie möglich einzusetzen. Es geht nicht nur darum, ein Haus aufzubauen oder einen Brunnen zu reparieren, sondern die Menschen auch zu befähigen, es so zu tun, dass es der nächsten Naturkatastrophe hoffentlich standhält.

 

 

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