von Habitat for Humanity/Aktion Deutschland Hilft
Am 26. August hat eine gewaltige Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China für große Verwüstung gesorgt. Ganze Ortschaften wurden von der Masse aus Eis, Schlamm und Geröll weggeschwemmt. Eliza Sthapit ist Nationaldirektorin bei Habitat for Humanity Nepal. Im Interview berichtet die Helferin, wie sie und ihr Team auf die Katastrophe reagiert haben und welche Schwerpunkte sie für die Hilfe setzen.

Eliza, wo waren Sie, als Sie von der Katastrophe erfuhren?
Es war ein gewöhnlicher Mittwochmorgen gegen 9 Uhr. Ich saß bei einer Veranstaltung neben einem ehemaligen Kollegen, als auf seinem Handy plötzlich Bilder von der Zerstörung erschienen. Als er mir die Videos zeigte, fragte ich als Erstes, ob sie KI-generiert seien. Zu meinem großen Entsetzen waren sie jedoch echt und entstanden genau in diesem Moment.
Als immer mehr erschütternde Details über die Sturzfluten in Rasuwa bekannt wurden, verließ ich die Veranstaltung verunsichert und tief betroffen, um mich mit meinem Team zu beraten, welche unmittelbaren Schritte wir als Organisation und vor allem als nepalesische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger nun ergreifen mussten.
Was haben Sie und Ihr Team in dieser Situation als Erstes getan?
Besonders schwierig war die Geschwindigkeit, mit der sich die Lage entwickelte. Es gab unaufhörlich neue Informationen und herzzerreißende Bilder in den Medien. Unsere oberste Priorität war zunächst sicherzustellen, dass alle Mitarbeitenden in Sicherheit und erreichbar waren.
Wir selbst waren zwar in Kathmandu in Sicherheit, aber unsere Provinz war schwer getroffen. Auch die Distrikte Rasuwa, Nuwakot, Dhading und Chitwan waren betroffen. Hunderte Menschen wurden vermisst, Tausende vertrieben. Zahlreiche Wasserkraftwerke wurden zerstört, viele Brücken stürzten ein und die wichtigste Verbindung nach Kathmandu wurde durch Erdrutsche unterbrochen.
So schwer uns diese Bilder trafen, mussten wir unseren Schmerz beiseiteschieben und für die betroffenen Familien da sein. Deshalb aktivierten wir umgehend unser Notfallteam.
Die Lage scheint sehr dynamisch zu sein. Worauf konzentrieren Sie sich derzeit?
Zunächst ging es darum, verlässliche Informationen zu erhalten. Wir begannen sofort, uns mit Regierungsstellen, humanitären Koordinierungsplattformen, dem Verband internationaler Nichtregierungsorganisationen (AIN), dem Shelter Cluster und unseren Partner:innen abzustimmen.
Aktuell konzentrieren wir uns auf zwei Dinge: den Zugang zu Notunterkünften für die am stärksten betroffenen Familien sowie die Vorbereitung des langfristigen Wiederaufbaus. Familien können nicht warten, bis die Akutphase vorüber ist, bevor sie beginnen, ihre Zukunft zu planen.
Darauf sollen Übergangsunterkünfte sowie zweckgebundene Bargeldhilfen für Reparaturen und Wiederaufbau folgen, sofern ausreichend Finanzierung zur Verfügung steht. Dafür müssen wir die Risiken vor Ort, die Verfügbarkeit von Land, den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen sowie Möglichkeiten für einen sicheren und widerstandsfähigen Wiederaufbau bewerten.
Was wird am dringendsten benötigt?
Im Moment ist das Wichtigste, Menschen in Sicherheit zu bringen. Überlebende benötigen Unterkünfte, Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Versorgung und Schutz. Familien, die weiterhin nach Angehörigen suchen, brauchen ebenfalls Unterstützung.
Nach dem Ende der Nothilfephase wird sicherer Wohnraum zu den größten Herausforderungen gehören. Ein Zuhause ist mehr als ein Haus. Es ist Sicherheit, Geborgenheit und Hoffnung. Wenn eine Katastrophe es zerstört, verlieren Familien nicht nur ihr Dach, sondern auch den Ort, an dem ihr Leben verankert war.
Zelte und Planen verschaffen den Menschen etwas Zeit. Was sie wirklich brauchen, ist ein Zuhause, das einer zukünftigen Katastrophe standhält. Genau hier liegt die besondere Stärke von Habitat: nicht nur in der Nothilfe, sondern auch im langfristigen Wiederaufbau.
Wie schaffen Sie es, inmitten all dessen weiterzumachen?
Wir sind alle Menschen. Das Ausmaß an Verlust und Zerstörung zu sehen, ist schmerzhaft. Gleichzeitig empfinden wir eine große Verantwortung. Wir sind erschüttert und tief traurig über das, was geschieht, aber wir lassen uns nicht entmutigen. Ich habe ein engagiertes Team, das weiß, dass unser Handeln einen Unterschied für Familien machen kann, die ihr Zuhause verloren haben.
Außerdem schöpfe ich Kraft aus den betroffenen Gemeinden selbst. Selbst unter schwierigsten Bedingungen helfen die Menschen einander. Nepal hat bereits viele verheerende Katastrophen erlebt und ist jedes Mal stärker daraus hervorgegangen. Diese Widerstandskraft motiviert mich. Unsere Aufgabe ist es, den betroffenen Familien und Gemeinschaften beizustehen und sie dabei zu unterstützen, ihr Leben in Würde wiederaufzubauen.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die von der Sturzflut betroffenen Menschen.
Stichwort: Flut Nepal
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX






