Erdbeben Tsunami IndonesienBericht einer Helferin: "Verwüstung ist kaum zu fassen"

08-10-2018

von World Vision

Sabtarina Dwi Febriyanti (Foto rechts) ist Mitarbeiterin von World Vision Indonesien in Palu. Hier erzählt sie, welchen Schrecken sie während der Naturkatastrophe auf Sulawesi durchlebt hat.

"Ich lebe in Indonesien – einem Land, in dem es immer wieder zu Naturkatastrophen kommt. Szenen der Trauer sind mir also nicht fremd. Aber das Ausmaß an Verwüstung, die das Erdbeben und der Tsunami vor einer Woche in Palu angerichtet haben, ist auch für mich kaum zu fassen."

Tsunami & Erdbeben: Alle weinten und fühlten sich hilflos

Sie berichtet weiter: "Als das Erdbeben am 28. September unseren Ort erschütterte, gerieten die Menschen in Panik und versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Ich hörte, wie die Leute immer wieder "Tsunami" riefen. Alle schrien, man solle schnell in höhere Regionen gehen. Es war laut und chaotisch und keiner wusste wirklich, was man machen sollte.

Nach dem Erdbeben kamen dann diese riesigen Wellen, die ganze Siedlungen in Palu einfach wegschwemmten. Als das passierte, war ich gerade zusammen mit anderen Kollegen im World Vision-Büro in Palu. Wir – die Helfer – weinten und fühlten uns hilflos."


Bildergalerie: Erdbeben & Tsunami Indonesien

"Es ist furchtbar zu sehen, wie das Erdbeben und der Tsunami einfach alles zerstört haben. Kommunikationsleitungen brachen zusammen und Lebensmitteln und sauberes Wasser wurden knapp. Wir hörten, dass die Menschen anfingen, die Geschäfte zu plündern. Es herrschte totales Chaos. Ich sah viele Kinder mit Gegenständen, die sie aus den Ruinen ihrer Häuser retteten. Verzweiflung war überall sichtbar.

Glücklicherweise verfügt unser Büro über einen großen Hof, auf dem wir einige Familien aufnehmen konnten, die alles verloren haben. Unter ihnen viele Kinder unter 5 Jahren, schwangere und stillende Frauen. 200 Familien teilten sich den Platz. Wir versorgten sie mit Essen. Mit dem wenigen, das wir zur Verfügung hatten, kochten wir lokale Gerichte aus Moringa-Blättern."

Lächeln der Kinder lässt die Helfer durchhalten

"Meine Kollegen aus Jakarta kamen rasch zu Hilfe und wir konnten erste Kinderschutzzonen errichten (s. Foto oben). Es ist ein Ort, an dem sich die Kinder besonders bei Nachbeben sicher fühlen können. Es freut mich, Kinder zu sehen, die wieder lächeln können. Und irgendwie erleichtert ihr Lächeln mir das Durchhalten. Es lässt mich meine Müdigkeit vergessen.

Es gibt viel zu tun und meine Kollegen und ich arbeiten fast rund um die Uhr, um den Menschen hier zu helfen. Die Zahl der Todesopfer ist in den letzten Tagen auf mehr als 1.900 gestiegen, zwei Millionen Menschen sind betroffen. Die Retter versuchen ihr Bestes, um alle betroffenen Gebiete zu erreichen. Und World Vision und andere Hilfsorganisationen versuchen ihr Bestes, um trotz der vielen Herausforderungen schnell Hilfe zu leisten.

Es ist eine schwierige Zeit für uns alle. Aber ich bin auch dankbar. Dankbar für die internationale Hilfe und dafür, dass meine Mitmenschen trotz dieser schmerzhaften Erfahrungen versuchen, positiv zu bleiben. Und ich weiß, dass wir zu gegebener Zeit Palu wieder gemeinsam aufbauen können."

Erdbeben & Tsunami Indonesien: Fragen & Antworten

Was ist in Indonesien passiert?

Die indonesische Insel Sulawesi ist am 28. September 2018 von mehreren Erdbeben und einem Tsunami getroffen worden. Auf ein Beben der Stärke 7,4 folgte ein Tsunami mit bis zu sechs Meter hohen Wellen. Besonders schwer traf es die Regionen um Palu und Donggala. Kurz zuvor hatte die zuständige Behörde eine Tsunami-Warnung aufgehoben. 

Die indonesische Regierung stellte am 1. Oktober ein internationales Hilfsersuchen. Zunächst hieß es, dass nur wenige hundert Menschen durch die Erdbeben und den Tsunami ums Leben gekommen seien. Inzwischen stieg die Zahl der Todesopfer auf bislang 2.113 Tote. Fast 225.000 Menschen verloren bei der Katastrophe ihre Häuser und Wohnungen, Tausende wurden verletzt. Mehr als 1.300 Menschen werden noch immer vermisst.

Die zerstörte Infrastruktur erschwert die Hilfe noch immer: Straßen und Autobahnen sind verschüttet und Brücken eingestürzt. Das stellt auch Hilfsorganisationen vor große Herausforderungen: Hilfsgüter können wegen des fehlenden Benzins schwer verteilt und viele zerstörte Straßen nicht befahren werden. Da unsere Bündnisorganisationen jedoch Hand in Hand mit lokalen Partnern arbeiten, konnte die Nothilfe direkt nach der Katastrophe starten.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Kurz nach dem Tsunami hieß es zunächst, dass nur wenige hundert Menschen durch die Naturkatastrophen ums Leben gekommen seien. Inzwischen stieg die Zahl der Todesopfer auf bislang 2.113 Tote. Fast 225.000 Menschen verloren bei der Katastrophe ihre Häuser und Wohnungen, Tausende wurden verletzt. Mehr als 1.300 Menschen werden noch immer vermisst. 

Nach UN-Angaben benötigten anfangs mehr als 2.600 Menschen mit schweren Verletzungen medizinische Hilfe. Mehr als 65.000 Häuser sind durch das Erdbeben und den Tsunami zerstört worden. Noch immer ist die Angst vor weiteren Nachbeben so groß, dass sich viele Menschen nicht in ihre Häuser zurücktrauen.

Wie ist die aktuelle Lage in der betroffenen Region?

Nach mehreren Tagen der verzweifelten Suche schwand die Hoffnung, unter Trümmern und Schlamm weitere Überlebende zu finden. Der Zugang zu ländlichen Regionen ist noch immer schwierig. Viele Straßen und Autobahnen sind verschüttet und Brücken eingestürzt.

Nach der Unterstützung der Bergungsteams steht für Hilfsorganisationen die Versorgung der Überlebenden im Mittelpunkt: Trinkwasser und Nahrungsmittel werden zunehmend knapper. Außerdem fehlt es den Menschen an Hygieneartikeln, Decken und Haushaltsgegenständen. Da zehntausende Häuser zerstört oder beschädigt wurden, harren viele Kinder, Frauen und Männer in Notunterkünften aus.

Die lokalen Kapazitäten von Krankenhäusern, Polizei und Armee sind überlastet. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Sie waren auf so eine Katastrophe nicht vorbereitet. Es wird dringend weiteres Personal benötigt, Medikamente und medizinische Hilfsmittel werden knapp. Aus Platz- und Sicherheitsgründen werden viele Menschen im Freien medizinisch versorgt oder operiert.

Ende Oktober gab der indonesische Katastrophenschutz bekannt, dass Erdbeben udn Tsunami Schäden von umgerechnet einer Milliarde Euro angerichtet haben. Die Schadenssumme ist damit weitaus höher als frühere Schätzungen und könnte noch steigen.

Wie helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft den Menschen?

Mehrere Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft waren bereits vor der aktuellen Erdbebenserie und dem Tsunami mit Hilfsprojekten im Land tätig und konnten nach der Katastrophe schnell Nothilfe leisten. Sie arbeiten dabei eng mit lokalen Partnerorganisationen und Mitarbeitern zusammen.

Sie unterstützen beispielsweise die Bergungsarbeiten der lokalen Helfer. Daneben steht die Verteilung von Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten, Decken und Hygieneartikeln im Vordergrund. Da zehntausende Häuser durch die Erschütterungen und den Tsunami zerstört oder beschädigt wurden, müssen viele Kinder, Frauen und Männer in Notunterkünften untergebracht werden. Einige Organisationen entsenden Teams in entlegenere Regionen, um den Menschen dort Nothilfe zu leisten.

Um ein vollständiges Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu erhalten, prüfen diverse Hilfsorganisationen die Lage vor Ort. Einige Teams sind auch in entlegenere Gegenden unterwegs, um dort den Hilfsbedarf zu erfahren und den Menschen zur Seite zu stehen.

Hat das indonesische Frühwarnsystem versagt?

Von verschiedenen Seiten wird kritisiert, dass die Tsunami-Warnung von den indonesischen Behörden zu früh aufgehoben wurde. Als Bündnis von Hilfsorganisationen und Experten für Humanitäre Hilfe können wir nicht über die Funktionsweise des indonesischen Frühwarnsystems urteilen. Die Prüfung dieses Sachverhalts ist unter anderem Aufgabe der indonesischen Regierung.

Warum dauert es so lange, bis Hilfe ankommt?

Die zerstörte Infrastruktur stellt Hilfsorganisationen vor große Herausforderungen und erschwert die Bergungsarbeiten: Straßen und Autobahnen sind verschüttet, Brücken eingestürzt, Telefon- und Internetverbindungen, Strom- und Wasserleitungen weiterhin unterbrochen.

Wegen fehlenden Benzins und vieler zerstörter Straßen können vorhandene Hilfsgüter nicht verteilt werden. Der Flughafen der Stadt Palu ist mittlerweile wieder geöffnet, doch die Start- und Landebahn ist nur eingeschränkt nutzbar.

Die hilfsbedürftigen Menschen sind also schwer zu erreichen. Die Hilfsorganisationen unseres Bündnisses sowie internationale Organisationen versuchen aber, so schnell wie möglich über Luft- und Wasserwege in das Katastrophengebiet zu gelangen. Zurzeit sind die Helfer für wenige hundert Kilometer bis zu 20 Stunden unterwegs.

Wie ist die aktuelle Sicherheitslage einzuschätzen?

Die Sicherheitslage auf Sulawesi gilt als angespannt. Aus der stark betroffenen Stadt Palu wurde von Plünderungen in Supermärkten und Häusern berichtet. Außerdem besteht die Gefahr starker Nachbeben und von Erdrutschen in bergigen Gebieten.

Die Hilfsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft arbeiten unter verschäften Sicherheitsvorkehrungen. Beispielsweise nutzen sie bei der Verteilung von Hilfsgütern eine Polizeieskorte oder fahren in Konvois. So konnten hilfsbedürftige Menschen bereits mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und weiteren Gütern versorgt werden.

Für die Sicherheit im Land ist die indonesische Regierung zuständig.


World Vision ist eine der 23 Hilfsorganisationen unseres starken Bündnisses. Gemeinsam schneller helfen - das ist unsere Devise. Möglich ist unsere weltweite und koordinierte Nothilfe nur dank Ihnen - jetzt spenden & helfen!

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Betroffenen der Naturkatastrophen in Indonesien:

Spenden-Stichwort: Indonesien
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden