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Erdbeben HaitiJanika Simon von action medeor über die Lage in Haiti

09-01-2012

Janika Simon koordiniert seit Mai 2010 die Aktivitäten von action medeor in Haiti. Hier ihre Eindrücke:

Haiti - 2 Jahre nach dem Erdbeben


Man kann noch lange nicht von einer Stabilisierung des Landes sprechen. Noch immer leben ca. 500 000 Menschen in Haiti in Zelten und Notunterkünften. Darüber hinaus ist auch die weitere Bevölkerung auf Unterstützung angewiesen. Es mangelt an Infrastruktur: Häuser, Strassen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen usw.

Immerhin wurde mittlerweile ein neue Regierung eingesetzt und damit neue Hoffnung geschaffen. Es wird jedoch lange dauern, bis strukturelle Veränderungen in Haiti wirklich zum Tragen kommen. Der Staatsapparat kämpft mit beschränkten Ressourcen und korrupten Instanzen. (Stellen Sie sich vor, sie gehen zu einer öffentlichen Anstalt, um einen Antrag zu stellen o.ä. und der dortige Sachbearbeiter verfügt nicht mal über Papier und Stift…Es fehlt an Ordnern, Systemen, adäquater Supervision. Offiziell sind natürlich Regelwerke für so ziemlich alles vorhanden, aber praktisch ist vieles davon nicht umsetzbar.)

action medeor’s Arbeit

Die Ende 2010 ausgebrochene Choleraepidemie hat zunächst einmal eine konkrete Unterstützung unserer Partner vor Ort gefordert. Zum einen haben wir umfassende Medikamentenlieferungen geschickt. Insgesamt haben seit dem Erdbeben ca. 125 Tonnen an Hilfslieferungen unser Lager in Tönisvorst in Richtung Haiti verlassen. Zum anderen haben wir konkrete Maßnahmen sowohl zur Cholerabehandlung als auch zur –prävention unterstützt. Dazu gehörten der Betrieb eines Cholerabehandlungs-Zentrums inkl. Aufklärungsarbeit und Hygieneschulungen als auch Projektaktivitäten in der Bereitstellung von Sanitäranlagen und Trinkwasseranlagen.

Neben dieser eher akuten Hilfe, engagiert sich action medeor vor allem auch im Bereich der pharmazeutischen Fachberatung. Durch Trainings- und Schulungseinheiten, beispielsweise im Bereich Qualitätssicherung in der Medikamentenproduktion, soll die lokale Pharmaindustrie gestärkt werden.

Für 2012 werden wir uns in längerfristig angelegte Projekte investieren. Dabei bleiben unsere Schwerpunkte gemäß unserer Expertise im Gesundheitsbereich und in der Pharmazie. Wir setzen dabei auf unsere haitianischen Partner, die wir auch institutionell stärken. In Kooperation mit lokalen Organisationen engagieren wir uns im Bereich Gesundheit und damit verbundenen Sektoren, wie z.B. Hygiene, Wasserversorgung, Nahrungssicherheit und eben der Versorgung mit qualitativ hochwertigen, aber dennoch günstigen Medikamenten zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in Haiti.

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