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Erdbeben HaitiIn Sonntagskleidern zum Arztbesuch

11-01-2013

Mit dem Bau von Gesundheitsstationen engagieren sich die Johanniter am Aufbau einer nachhaltigen medizinischen Grundversorgung in Haiti. Ein Interview mit Pasquale Ionta, dem medizinischen Projektkoordinator der Johanniter Auslandshilfe.

Wie sah die bisherige medizinische Versorgung aus?

In der Region hatten wir bisher keine vergleichbaren Einrichtungen. In der Nähe gibt es ein Krankenhaus, aber in Deutschland beispielsweise geht man auch nicht mit einer Grippe oder Bauchschmerzen in ein Krankenhaus. Die medizinische Versorgung und vor allem Beratung für diese Art von Beschwerden war also bisher nicht vorhanden und wurde meistens lediglich nur mit der Einnahme von Medikamenten ohne Untersuchungen ausgeglichen. Der Einsatz der mobilen Kliniken der Johanniter direkt nach dem Erdbeben hat dann aber gezeigt, dass feste Einrichtungen dringend nötig sind.

Wie viele Menschen können Sie mit den Gesundheitsstationen erreichen?

Wir gehen davon aus, dass wir mit jeder Station den Bedarf an medizinischer Grundversorgung von 12.000 bis 14.000 Menschen decken. Da es allerdings außerhalb der Region Léogâne keine vergleichbare Einrichtung gibt, vermuten wir, dass die Zahlen stark ansteigen werden, sobald die Station in vollem Betrieb ist, da auch viele Menschen aus anderen Regionen zu uns kommen werden.

Welche Aufgaben erfüllt die Station?

Die Gesundheitsstationen sind die erste Anlaufstelle der Menschen für medizinische Probleme und sollen eine Basisversorgung sicherstellen. Vergleichbar mit deutschen Allgemeinärzten werden hier erste Diagnosen gestellt. Bei speziellen oder komplizierten Fällen werden Überweisungen an Krankenhäuser ausgestellt. Neben der medizinischen Versorgung und Ausgabe von Medikamenten bei z.B. Grippefällen, Malaria oder auch chronischen Krankheiten wie Asthma sind Gespräche zur Aufklärung und Beratung ein sehr wichtiger Bestandteil der Arbeit.

In welchen Bereichen müssen die Menschen hier beraten bzw. aufgeklärt werden?

HIV/Aids ist in Haiti nach wie vor ein großes Problem. Die sexuelle Aufklärung und Ausgabe von Kondomen ist z.B. ein großer Bereich – bis zu 70 Kondome werden teilweise an einem Tag in einer der fünf Stationen an Patienten ausgegeben.
Besonders wichtig ist für uns aber auch die Beratung von Frauen, Schwangeren und jungen Müttern. Es gibt sehr viele sehr junge Frauen, die Mütter werden. Wir begleiten sie zunächst in der Schwangerschaft, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu sichern. Nach der Geburt begleiten wir die Mütter weiter und stehen neben der gesundheitlichen Versorgung auch für Familienfragen zur Verfügung. Gerade in dieser Woche hatten wir eine 17-jährige Mutter mit einem stark unternährten Säugling, die in einer unserer Stationen Rat gesucht hat, weil sie völlig unvorbereitet in die Schwangerschaft und Geburt gegangen ist. In ihrem persönlichen Umfeld stand ihr niemand zur Seite, um sie zu beraten und das Leben des Kindes zu schützen. Hier sind dafür unsere Krankenschwestern da.

Wer leistet all diese Arbeit, wie sieht die personelle Besetzung der Stationen aus?

Ärztin und Krankenschwestern eines Gesundheitszentrums der Johanniter in Haiti

In jeder der Stationen arbeiten drei Krankenschwestern und eine pharmazeutische Assistentin. Gemeinsam mit den Gemeinden haben wir hierfür einen Bewerbungsprozess entwickelt. Somit kommen einige der Schwestern auch aus den Gemeinden, in denen sie arbeiten. Für alle fünf Stationen gibt es zurzeit – aus finanziellen Gründen – nur eine Ärztin, die die Krankenschwestern in medizinischen Fragen unterstützt und trainiert. Sie besucht täglich zwei der fünf Stationen und sieht nach dem Rechten. Hinzu kommt aber, dass die Ärztin auch unsere beste Verbindung zu den Gemeinden ist und den Austausch mit ihnen befördert. Dem gesamten Team stehen die Johanniter für einen bestmöglichen medizinischen Service beratend zur Seite.

Welche Rolle spielen die Gemeinden bei diesem Projekt?

Die Gemeinden übernehmen im Grunde die wichtigste Rolle. Es ist ein Grundsatz unserer Arbeit, Projekte dieser Art gemeinsam mit den Menschen voranzutreiben, die letztendlich davon profitieren sollen. Die Gemeinden selbst errichten mit unserer Beratung und zunächst unserer Finanzierung diese Art von Einrichtungen.

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