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Erdbeben HaitiHelfer kämpfen an vielen Fronten

22-01-2010

ADRA-Mitarbeiter Fritz Neuberg berichtet aus Port au Prince

Haiti: PlanungstreffenWeiterstadt, 22. Januar 2010 - Seit dem Erdbeben am 12. Januar sind die Ärzte vom Diquini –Hospital im Einsatz, um Verletzte zu versorgen. Bis auf diesen Tag reißt der Zustrom nicht ab. Ausländische Chirurgen haben das örtliche Team inzwischen verstärkt. Der Bedarf an Medikamenten und medizinischem Gerät ist dennoch kaum zu befriedigen. Vor allem fehlt es an Knochensägen, denn bei vielen Patienten müssen Gliedmaßen amputiert werden. Meistens ohne Narkose. ADRA Deutschland konnte hier durch eine Medikamentensendung der deutschen Johanniter eine temporäre Entlastung schaffen. Die Mittel sind schon alle aufgebraucht und auch an andere notleidende Krankenhäuser verteilt worden, berichtet Neuberg, denn allein auf dem Areal des Krankenhauses und der angegliederten Universität haben über 10.000 Menschen Zuflucht gefunden. Nachts sind es dann über 30.000 Obdachlose, die hier Sicherheit und Schutz suchen. Insgesamt sind in Port au Prince über 250.000 Menschen auf medizinische Hilfe angewiesen.

Die zweite Notlage betrifft die Versorgung der Menschen mit Wasser und Nahrung. Auch hier ist der Bedarf kaum zu stillen. Acht große Sattelschlepper mit Wasser und Nahrung konnte ADRA bisher über bewachte Ausgabestellen verteilen, um Übergriffe zu vermeiden. Doch der Nachschub muss weiter laufen und er läuft auch weiter.

Die dritte Notwendigkeit betrifft die Unterbringung der Obdachlosen. ADRA hat schon in den ersten Tagen an ausgewählten Orten in der Stadt Zelte aufgestellt, um Kranken und Kleinkindern eine erste Bedachung zu schaffen. Insgesamt schätzen wir, dass etwa 80 Prozent der Einwohner obdachlos sind. Daher wird ADRA Zeltlager einrichten und die Versorgung der Menschen organisieren. Hierbei ist die Herstellung hygienischer Verhältnisse durch den Bau von Latrinen erste Priorität. ADRA Deutschland hat eine Wasseraufbereitungsanlage, Wassertanks, Wasch- und Körperpflegemittel auf den Weg gebracht. Über 6000 dieser Hygiene-Sets wurden am Freitag von den Schülern der Hessenwaldschule in Weiterstadt so zusammengestellt, dass ADRA die Gebinde schneller vor Ort verteilen kann. Die große Menge an Hygienemitteln verlangte von der METRO in Weiterstadt, Wiesbaden und Frankfurt eine hohe logistische Leistung. Sämtliche Lager und Regale mussten leer geräumt werden. Die Auszubildenden der Metro Weiterstadt halfen kräftig mit, die Packstraßen zu organisieren.

Die nächsten Schritte führen Fritz Neuberg in den Westen der Insel. In der Stadt Leogane wird ein zweites Einsatzzentrum von ADRA entstehen. Leogane liegt dem Bebenzentrum noch näher. Die ersten Eindrücke zeigen eine Stadt, die zu 90 Prozent zerstört ist. „Bisher ist dieser Teil der Insel nur wenig beachtet worden, weil sich alles auf Port au Prince konzentriert. Wir werden als ADRA Deutschland uns besonders der Städte auf der Halbinsel annehmen“, meint Fritz Neuberg. Eine besondere Herausforderung stellen die tausende von Kindern dar, die unbeaufsichtigt umherirren. ADRA Deutschland sieht hier einen Schwerpunkt der weiteren Arbeit.

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