Nach dem schweren Hochwasser in Pakistan ist Trinkwasser überlebenswichtig. Ein Mädchen erhält von einer Organisation Wasser.

WasserWasser – Ware oder Menschenrecht?

Heute sind die deutschen Standards und das technische Know-how im Wasser- und Sanitärbereich weltweit führend. Doch gibt es viele Länder, die in Bezug auf Trinkwasser- und Sanitärversorgung heute da stehen, wo Deutschland vor mehr als 150 Jahren stand.

Wie sieht die Trinkwasser- und Sanitärversorgung weltweit aus?
Laut UN Report 2009 haben ca. 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser und 2,5 Milliarden Menschen, dies sind 40 Prozent der Weltbevölkerung, sind ohne Zugang zu einfacher Sanitärversorgung. Zudem fehlt vielen Menschen in den so genannten „unterentwickelten“ Ländern das Wissen über einfachste Hygieneregeln. Dies sind Ursachen dafür, dass täglich ca. 5.760 Kinder, davon 20 Prozent unter fünf Jahren, an vermeidbaren wasser- und sanitärbedingten Krankheiten sterben.

Welche Konsequenzen sind mit dem (fehlenden) Zugang zu Wasser verbunden?

Keinen sicheren Zugang zu sauberem Wasser zu haben, bedeutet oft Armut für die betroffenen Familien, denn sie müssen bis zu 20 Prozent ihres Einkommens, welches teilweise bei nur 3 USD pro Tag liegt, für bedenkliches Trinkwasser von dubiosen Wasserhändlern und für oftmals nicht wirksame Medikamente ausgeben. Neben Krankheitsrisiken und Armut ist der fehlende Zugang zu Wasser auch für mangelnde Bildungschancen bei Kindern und Frauen mitverantwortlich, die im Allgemeinen für das Wasserholen zuständig sind. Zugleich bedeutet der Zugang zu Wasser aber auch Macht und Einfluss für diejenigen, die diesen besitzen und veräußern können. Auch aus ökonomischer Sicht gibt es erschreckende Zahlen: 560 Milliarden Arbeitstage und 443 Millionen Schultage gehen jährlich allein aufgrund von Erkrankungen an Diarrhöe verloren. All dies ist nicht neu. Trotzdem bedurfte es enormen politischen Druckes seitens der Zivilgesellschaft und der Betroffenen, dass die Vereinten Nationen im September 2000 eine Erklärung über die Milleniumsziele 2015 verfassten (kurz MDG – Millenium Development Goals), die von allen UN Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde, (u. a. Beseitigung extremer Armut, Verwirklichung allgemeiner Grundschulbildung, Senkung der Kindersterblichkeit). Ein Unterziel ist dabei die Halbierung der Anzahl derjenigen Menschen, die keinen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und Sanitäranlagen haben, bis zum Jahr 2015 angestrebt – ein Ziel, das großen Einfluss auf alle anderen Ziele hat. Um es noch einmal zu betonen, es geht um die Halbierung der betroffenen Menschenmenge – nicht um die vollständige Erreichung aller Menschen.

Wassersituation weltweit
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Was bedeutet dies für die Weltgemeinschaft?

Zwischen 1990 und 2008 erhielten 1,6 Milliarden Menschen Zugang zu sicherem Trinkwasser, womit die Welt auf gutem Weg ist, das Milleniumsziel zu erreichen. Allerdings muss eingeschränkt werden, dass z.B. in Asien, wo bereits 88 Prozent der Gesamtbevölkerung Zugang zu sicherem Trinkwasser haben, größtenteils die städtische Bevölkerung (insbesondere in den beiden Schwellenländern Indien und China) davon profitierte. Bei der ländlichen Bevölkerung in den „unterentwickelten“ Ländern, liegt der Anteil mit Zugang zu sauberem Trinkwasser nur bei 16 Prozent! Diesen Teil der Bevölkerung zu erreichen ist ungleich schwieriger, kostenintensiver und auch weniger attraktiv für private Investoren. Die afrikanischen Staaten südlich der Sahara sind weit hinterher. Hier haben bisher nur 58 Prozent der Menschen Zugang zu sicherem Trinkwasser (1990: 49 Prozent). Rechnet man das Bevölkerungswachstum bis 2015 ein, so müssten täglich 300.000 Menschen weltweit an eine Wasserversorgung angebunden werden, um das Milleniumsziel zu erreichen.

Weitaus problematischer sieht es für die Zielsetzung einer gesicherten Sanitärversorgung aus. Der Finanzbedarf beträgt hier das zwei- bis dreifache der Summe für die Wasserversorgung. Seit 1990 erhielten 1,1 Milliarden Menschen Zugang zu sicherer Sanitärversorgung. Um das Milleniumsziel zu erreichen, müssen für weitere 1,4 Milliarden Menschen Toiletten zur Verfügung gestellt werden. Die größte Herausforderung liegt in Südasien, wo sich der Zugang zu Sanitäreinrichtungen von 2006 bis 2015 verdoppeln müsste. Schätzungen zufolge nutzen dort ca. 780 Millionen Menschen keine Sanitäreinrichtungen für ihre Notdurft! Mit technischen und finanziellen Ressourcen ist es jedoch nicht getan. Erst kulturell angepasste Bildungs- und Aufklärungsarbeit hilft abzusichern, dass die Sanitäreinrichtungen auch langfristig und mit dem entsprechenden Hygienebewusstsein
genutzt werden.

Wie kann der Zugang zu einer sicheren Trinkwasser- u. Sanitärversorgung weltweit erreicht werden?

Der Zugang zu Wasser und Sanitäreinrichtungen muss in den betreffenden Ländern politische und finanzielle Priorität bekommen. Betrachtet man allein die Wassermaßnahmen, so muss sich die Finanzierung von jährlich 14 Mrd. USD auf ca. 30 Mrd. USD erhöhen. Voraussetzung ist zum einen der politische Wille in den westlichen Industrienationen und zum anderen eine entsprechende politische und institutionelle (Verwaltungs-) Struktur in den betroffenen Staaten. Aber auch die fachliche Ausbildung, die Effizienzsteigerung des öffentlichen Sektors, die Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der Einsatz angepasster Technologien sind Maßnahmen in denen alle Akteure zusammenarbeiten müssen.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Umsetzung von Beschlüssen, politischen Willensbekundungen oder gar Verfassungstexten in Gesetze und Verordnungen sowie die Möglichkeit des Einklagens des Menschenrechtes zu sicherer Trinkwasser- und Sanitärversorgung und nicht zuletzt das Wissen darum in der lokalen Bevölkerung.

Quelle: arche noVa 2012

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