Aus Liebe zum Leben

Die JohanniterAus Liebe zum Leben

09-11-2015

Seit den 1950er Jahren engagiert sich die Johanniter-Unfall-Hilfe im In- und Ausland

Wer sich für die Ursprünge der Johanniter interessiert, der muss weit zurückgehen. Sehr weit. Bis ins Jahr 1099, um genau zu sein. Damals trug es sich zu, dass sich christliche Ritter einer Laienbruderschaft anschlossen, die in einer Herberge in Jerusalem kranke und arme Pilger pflegte. Nach ihrem Ordenspatron Johannes dem Täufer nannten sie sich „Johanniter“. Daraus hervorgegangen ist später unter anderem der deutsche Johanniterorden – eine Gemeinschaft evangelischer Christen, die aus ihrem Glauben die Kraft schöpfen, diakonische Aufgaben wahrzunehmen.

Die  deutsche  Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) ist hingegen noch nicht ganz so alt: Nach Vorgesprächen zwischen dem Johanniterorden und der britischen  Rheinarmee  beschloss der Orden am 14. Januar 1952 in Hannover die Gründung der Johanniter-Unfall-Hilfe, die am 7. April in Bad Pyrmont in das Vereinsregister  eingetragen wurde. Das erste Büro des Vereins wurde im August in Rolandseck bei Bonn in einem winzigen Holzhaus bezogen, eine erste Spendensammlung brachte 8000 Mark.

Zunächst stand die Ausbildung in Erster Hilfe im Mittelpunkt. So ließ beispielsweise die Lufthansa im Jahr 1955 von der JUH-Hamburg sämtliche Stewardessen und Stewards in Erster Hilfe ausbilden.  Beim  Evangelischen  Kirchentag  in  Frankfurt/Main stand ein Jahr später der erste überregionale Großeinsatz auf  dem Programm – und infolge des Ungarn-Aufstandes auch der erste Auslandseinsatz: Im österreichischen Burgenland mussten die JUH-Helfer vollkommen erschöpfte Flüchtlinge betreuen.

Benefiz-LP für Erdbebenopfer

Die frühen 70er Jahre standen für einige entscheidende Neuerungen: So setzte mit dem Einsatz der ersten 47 Zivildienstleistenden eine Entwicklung ein, die für die JUH große Bedeutung bekommen sollte: Viele Aufgaben der Zukunft konnten nur dank der wachsenden Zahl der Ersatzdienstleistenden bewältigt werden. Außerdem boten die Johanniter erstmals, und zwar in der Stadt Singen, einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung an – und wagten zeitgleich erste Versuche im Bereich des Schulsanitätsdienstes. Im Bereich der Auslandshilfe rückte man in dieser Zeit zu Hilfseinsätzen in die Türkei, nach Jordanien und nach Pakistan aus – und kümmerte sich intensiv um die Betroffenen der verheerenden Dürrekatastrophe in  Äthiopien.

1981 versuchte man sich auf neuen Feldern: So produzierten die Johanniter ihre erste Benefiz-LP zugunsten der Erdbebenhilfe für Italien. Den umfangreichen und erfolgreichen Hilfsgütertransporten nach Polen folgte 1982 eine Enttäuschung: Der Einsatz im bürgerkriegserschütterten Uganda musste abgebrochen werden, da die Sicherheitsrisiken für die Helferinnen und Helfer zu groß waren. Dennoch lag in den 80er Jahren der Schwerpunkt der Auslandsarbeit weiterhin in Afrika; der Bedarf der vom Verhungern bedrohten Menschen auf diesem Kontinent war immens.

Das Wendejahr 1989 war auch für die Johanniter aufwühlend – hatte der Fall der Mauer doch einen Großeinsatz zur Folge. Die Organisation wurde in das Soforthilfeprogramm der Bundesregierung eingebunden und belieferte Krankenhäuser mit Pflegematerial. Und bereits 1990 wurden erste JUH-Strukturen in Ostdeutschland aufgebaut: So entstand am 9. März in Wismar der erste Kreisverband, am 1. Juli existierten bereits sieben Kreisverbände, drei Monate später schon 22. Unterdessen wuchs das Engagement für Rumänien im Winter 1989/90 zum bislang  größten  Auslandseinsatz  der  Johanniter-Unfall-Hilfe an. Umfangreiche Hilfslieferungen gingen zudem in die Sowjetunion.

Elbeflut und Tsunami

1997 zeigten die deutschen Johanniter erstmals Präsenz im Worldwide Web: Mit dem „Johanniter-Forum” entstand eine Möglichkeit, sich am Austausch über aktuelle Themen zu beteiligen. Zugleich richtete die JUH ein bundesweites Servicetelefon ein. Ein Jahr später verlegte die JUH-Bundesgeschäftsstelle ihren Hauptsitz von Bonn nach Berlin.

Im Jahr 2002 kam es im Rahmen der Flutkatastrophe entlang der Elbe zum größten JUH-Einsatz im Inland: Mehr als 1800 Helfer waren im August im Einsatz, 120 Wiederaufbau-Projekte wurden mit Spendengeldern in Höhe von 11,5 Millionen Euro unterstützt. Zwei Jahre später ist dann die Auslandshilfe gefragt: Nachdem ein Tsunami von unvorstellbaren Ausmaßen am 26. Dezember Tod und Zerstörung entlang vieler Küstenstreifen Südostasiens gebracht hatte, leisteten die Johanniter zunächst Not- und später Wiederaufbauhilfe. In den Folgejahren unterstützten sie unter anderem die Opfer des Hurrikans Katrina in New Orleans und des Erbebens im pakistanischen Teil Kaschmirs (2005), des schweren Erdbebens in Indonesien (2006) oder des Zyklons in Birma (2008).

Die Johanniter-Unfall-Hilfe – was 1952 in einem Holzhaus in Rolandseck begann, hat sich heute zu einer Organisation mit 12.000 Mitarbeitern, 28.000 ehrenamtlichen Helfern und rund 1,5 Millionen Fördermitgliedern entwickelt. Im Bereich der Auslandshilfe arbeiten 21 hauptamtliche Mitarbeiter in der Berliner Zentrale sowie 19 internationale und 500 lokale Mitarbeiter in den Länderbüros. Getreu dem Motto: Aus Liebe zum Leben.

Johanniter

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