Help - Hilfe zur SelbsthilfeHelp-Historie: Die Armen der Welt fordern und fördern

25-11-2015

Seit 1981 unterstützt Help Menschen in humanitären Notlagen

Es herrschte Hungersnot. Aber trotzdem ging niemand an Hunger zugrunde: Die Reichen hatten vorsorglich sehr große Getreidevorräte angelegt, ebenso Lager an Öl, getrocknetem Gemüse und Pökelfleisch. Also sagte Chadidscha zu ihrem Mann: „Nasreddin, die ganze Stadt hält dich für einen weisen Mann. Lege nicht die Hände in den Schoß, sondern gehe auf den Marktplatz, versammle alle Leute und versuche die Reichen zu überzeugen, den Armen zu essen zu geben.“ Nasreddin fand, dass seine Frau dieses eine Mal Recht hatte! Er tat, wie sie gesagt hatte, und Stunden später kam er freudestrahlend zurück. „Meine liebe Frau, danken wir Gott dem Barmherzigen!“ sagte Nasreddin. „Hast du Erfolg gehabt?“ fragte ihn Chadidscha. „Zur Hälfte habe ich Erfolg gehabt. Es war wirklich keine leichte Mission“, erwiderte Nasreddin. Chadidscha verstand nicht ganz: „Wieso? Zur Hälfte?“ „Ja“, meinte Nasreddin. „Es ist mir gelungen, die Armen zu überzeugen.“

Wolfgang Nierwetberg kam immer wieder gerne auf diese Geschichte von Nasreddin Hodscha, dem orientalischen Eulenspiegel, zu sprechen. Immer dann nämlich, wenn es um die Arbeit der Bonner Hilfsorganisation Help ging, deren Geschäftsführer Nierwetberg lange Jahre war. „Seit unseren Anfängen haben wir die Armen von unserem Ansatz der Hilfe überzeugen und ihre Selbsthilfekräfte mobilisieren können, als auch die Reichen zu großzügigen Spenden und vielfältiger Unterstützung bewegen können. Darauf sind wir bei Help zu Recht stolz.“

Die Anfänge der Organisation liegen im Jahr 1979. Der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan löste die seinerzeit größte Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg aus: Über drei Millionen Menschen flüchteten aus Afghanistan ins benachbarte Pakistan. Mitglieder aller im Bundestag vertretenen Parteien und mehrere Personen des öffentlichen Lebens wollten der Not nicht mehr tatenlos zusehen: Sie schlossen sich zusammen und gründeten Help. Die Arbeit konnte sofort beginnen, da das Auswärtige Amt bereit war, aus seinen Mitteln für humanitäre Hilfe Help zu unterstützen.

Gründung im Terminal


Die offizielle Gründungsveranstaltung am 15. Juli 1981 um Punkt 10 Uhr fand dann in einem denkbar unglamourösen Rahmen statt: in einem Terminal des Frankfurter Flughafens. Von dort aus starteten einige der neu gewählten Vorstandsmitglieder direkt in einer mit Medikamenten vollgeladenen Bundeswehrmaschine nach Islamabad. Es folgten 20 LKWs, tonnenweise beladen mit Decken, Zelten, Proteinzusatznahrung und Prothesen.

Anfangs konzentrierte sich die Hilfe in Pakistan auf das absolut Lebensnotwendige. Aber mit den Monaten und Jahren, während derer der Krieg in Afghanistan weiter ging und die Menschen nicht zurück in ihre Dörfer konnten, wurden die Flüchtlingslager zu Dauereinrichtungen. Help hatte deshalb zusätzliche Maßnahmen aufgenommen, die nicht nur unmittelbar dem Überleben dienten. So wurde eine Klinik gegründet, in der plastische Chirurgen aus Deutschland und Afghanistan Menschen operierten, die der Krieg auf schlimmste Weise entstellt hatte.

Seit dem Jahr 2001 liegen die Schwerpunkte der Afghanistan-Hilfe im Bereich Bildung und ländliche Entwicklung. Ebenso wichtig war Help die Minenräumung: So bildete Vera Bohle, die erste weibliche deutsche Entminerin, für Help afghanische Minenräumer aus.

Seit 1990 nutzte Help seine in Afghanistan und Pakistan gewonnen Erfahrungen, um auch in anderen Ländern humanitäre Hilfe zu leisten. So war Help zum Beispiel 1992 und 1994 an der Flüchtlingshilfe in Somalia und Ruanda beteiligt, nach dem Wirbelsturm Mitch in Mittelamerika half Help 1998 beim Wiederaufbau der zerstörten Länder, nach den großen Erdbeben in Indien und im Iran in den Jahren 2001 und 2003 waren Nothelfer von Help schnell zur Stelle und unterstützten die Überlebenden – ebenso nach den Beben 2010 auf Haiti und 2015 in Nepal.

Balkan, Syrien, Irak, Pakistan und Simbabwe

Und dann war da noch der Konflikt auf dem Balkan und mit ihm die bosnischen Serben, die serbischen Serben, die serbischen Kroaten, die montenegrinischen Serben, die bosnischen Kroaten, die bosnischen Muslime, die auf muslimischer Seite kämpften und die bosnischen Muslime, die auf serbischer Seite kämpften. Eine verwirrende Gemengelage, die viele Menschen zu Opfern machte. Help nahm sich den Opfern an: Entminung und Rückkehrhilfe, Einkommen schaffende Maßnahmen und Schaffung von Wohnraum – die Projekte in Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Serbien waren extrem vielfältig. Und immer nahmen auch Bildungsaspekte einen breiten Raum ein: So wurde zum Beispiel im ärmsten Stadtteil der montenegrinischen Stadt Podgorica ein Kindergarten für die besonders benachteiligten Roma-Kinder errichtet.

Krieg in Syrien und im Irak, Erdbeben in Nepal, Cholera in Simbabwe, Tsunami in Südostasien, Flut in Pakistan, Hungerkrise im Südsudan bis hin zur aktuellen Flüchtlingshilfe auf dem Balkan – die Help-Mitarbeiter stellen sich stets neuen Herausforderungen in wechselnden Ländern, koordiniert von 23 Mitarbeitern in der Zentrale an der Bonner Reuterstraße.

Die wachsenden Herausforderungen erfordern wachsende finanzielle Mittel. Waren es zu Beginn in den 80er Jahren noch rund ein bis zwei Millionen D-Mark, die damals in den Projekten zur Unterstützung der afghanischen Flüchtlinge in Pakistan eingesetzt wurden, so waren es 2014 bereits rund 25 Millionen Euro, mit denen Menschen in 19 Ländern geholfen werden konnte. Immer mit dem Ziel, die Selbsthilfekräfte der Armen zu mobilisieren und die Reichen zu großzügigen Spenden zu bewegen. Auf dass Nasreddin auch die andere Hälfte seiner Mission erfüllen kann...

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