Ein Kind sitzt hinter Gittern im Gaza.
© Islamic Relief

HilfsorganisationenKindersoldaten: Heilen, was zu heilen ist

17-10-2017

von Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs muss der Frieden auf dem Papier in die Herzen und Köpfe der Menschen dringen. Doch in einem halben Jahrhundert des Kriegs sind Generationen herangewachsen, die fast nur Leid und Gewalt kennen. Es gibt derzeit etwa 14.000 Jungen und Mädchen, die als Kindersoldaten entweder zwangsrekrutiert wurden oder sich aus Armut und Not den Truppen angeschlossen haben.

68 Prozent der Kinder Kolumbiens leben in Armut

68 Prozent der Kinder Kolumbiens leben in Armut, jedes dritte hat keinen Zugang zur Schulbildung, etwa 30.000 Kinder leben dauerhaft auf der Straße. Überlässt man die ehemaligen Kindersoldaten sich selbst, versuchen sie, die Macht in den Slums an sich zu reißen. "Was können wir tun, damit aus den Opfern des Kriegs, der Gewalt und der Perspektivlosigkeit nicht die nächsten Täter werden? Wie können derzeitige und ehemalige Kindersoldaten wieder in die Schulen und die Gesellschaft integriert werden?", fragt Bernd Ruf, geschäftsführender Vorstand der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners. Er führt seit 2006 notfallpädagogische Katastrophenvorsorge durch, die seit 2013 auch in Kolumbien angeboten werden.

Ein Platz für Kinder und Jugendliche abseits der Straße

In dieser Zeit haben die Freunde der Erziehungskunst wertvolle Erfahrungen gesammelt, etwa in Sozialzentren der Slums wie dem CES Waldorf (Corporación Educativa y Social Waldorf), das mitten in einem Brennpunkt von Bogotá liegt. Ein Kindergarten, Hausaufgabenbetreuung und Werkstätten bieten den Kindern und Jugendlichen einen Platz abseits der Straße. Sie erleben einen geborgenen Rahmen, in dem sie wahrgenommen werden. Neben Pädagogen sind hier auch Mediziner, Logopäden und Sozialarbeiter tätig.

Zu dem ganzheitlichen System aus Bildung, Gemeinschaft und Gesundheit gehören auch Eltern- und Erwachsenenkurse. CES Waldorf soll zudem ein Modellzentrum für die Integration von ehemaligen Kindersoldaten sein. Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, um ihrer Arbeit gewachsen zu sein.

Neben den Konflikten ist Kolumbien auch immer wieder von schweren Naturkatastrophen betroffen. Die notfallpädagogischen Helfer werden aktiv, sobald die Menschen mit dem Nötigsten an Wasser, Nahrung und Medizin versorgt sind.

"Wir heilen, was zu heilen ist"

Zunächst wird den Betroffenen ein sicherer Ort geboten, um sich zu stabilisieren. Durch den gleichmäßigen Ablauf der Angebote und die notfallpädagogischen Methoden wie rhythmische Spiele und Übungen, die den Körper wieder erlebbar machen, durch Malen und Zeichnen können die Kinder aus ihrer Schockstarre geholt werden, Freude empfinden. So lernen sie, mit dem Erlebten umzugehen.

Doch bei allen Bemühungen muss einem bewusst sein, dass nicht alle Wunden verschwinden werden und dass ein Gefühl der Sicherheit für Körper und Seele für viele im Land noch lange nicht erreicht ist. "Und trotzdem", sagt Bernd Ruf, "wir machen, was möglich ist und heilen, was zu heilen ist."

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