ASB-Archiv

Arbeiter-Samariter-BundMit einem Unfall fing es an…

08-12-2008

Eigentlich versprach der 28. November 1884 ein guter Tag zu werden. Den drei Bauarbeitern fehlten nur noch wenige Meter Aufsatz, um die rund 40 Meter hohe Seitenwand für die neue Lagerhalle der märkischen Eiswerke fertigzustellen. Doch dann geschah das Unfassbare: Die gigantische Betonwand kippte nach innen und begrub die drei Männer unter sich. Jede Hilfe kam zu spät.

Unfälle wie dieser waren im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung an der Tagesordnung: Arbeitsschutzvorschriften gab es nicht, es waren weder ausgebildete Ersthelfer noch Verbandsmaterial verfügbar und bis der Rettungsdienst eintraf, verging viel wertvolle Zeit. Im Jahr 1888 ergriffen deshalb sechs Berliner Zimmerleuten die Initiative und setzten gegen viele Widerstände den ersten „Lehrkursus über die Erste-Hilfe bei Unglücksfällen“ durch – sie waren die Gründerväter des heutigen ASB. Nach und nach entstanden in immer mehr deutschen Städten so genannte Arbeiter-Samariter-Kolonnen, die Laien in Erster Hilfe ausbildeten, Sanitätsdienste durchführten und nach Unglücken Verletzte versorgten. 1909 schlossen sich die Kolonnen zum Arbeiter-Samariter-Bund zusammen.

Dann kam der Erste Weltkrieg und riss tiefe Wunden: Gab es zu Kriegsbeginn noch 6000 ASB-Mitglieder, waren es 1918 nur noch 1400. Mit der Neuorganisation nach Kriegsende packten die ASB´ler zugleich neue Aufgaben an. Sie engagierten sich auf allen Gebieten der Volkswohlfahrt, bauten eine umfassende Hauskrankenpflege auf und versorgten hungernde und frierende Familien mit Lebensmitteln und Kleidung. Bereits 1932 gab es wieder 1574 ASB-Kolonnen mit 52.362 aktiven Helfern.

ASB war den Nazis ein Dorn im Auge

Doch dann kam es zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – und damit auch zum Verbot des ASB, der den braunen Machthabern trotz seiner politischen Neutralität ein Dorn im Auge war. Direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs gründeten die Samariter in den westlichen Besatzungszonen neue ASB-Kolonnen. „Wir wollen mithelfen beim Aufbau Deutschlands“, hieß es damals in einer Erklärung an die britische Militärregierung. Jenseits der Mauer, in der DDR, blieb der ASB jedoch auch weiterhin verboten. 1956 gab es den ersten großen humanitären Auslandshilfe-Einsatz des ASB: Während des Volksaufstandes in Ungarn schickten deutsche Samariter 31 LKW mit Medikamenten, Verbandmaterial und Lebensmitteln ins Land.

In den Sechzigern erschloss sich der ASB kontinuierlich neue Aufgabenbereiche. Er errichtete Altenpflegeheime, kümmerte sich um behinderte Menschen, organisierte Fahrdienste und führte einen mobilen Mahlzeitenservice ein. In den 70ern verstärkte der ASB sein Engagement in der Auslandshilfe. Beispiele hierfür waren die Hilfsaktionen für Erdbebenopfer in der Türkei, Peru, Nicaragua und Italien. In den Achtzigern bauten die ASB´ler die Kinder- und Jugendhilfe sowie der Flüchtlingsbetreuung aus und führten neben den Mobilen Sozialen Diensten auch den Hausnotrufdienst ein. Die ASB-Auslandshilfe leistete weiter Soforthilfe wie z.B. in Eritrea, Mexiko und Kolumbien und Armenien, engagierte sich aber auch in längerfristigen Projekten.

Dem Mauerfall folgten in den neuen Bundesländern schnell erste ASB-Neugründungen – inzwischen ist der ASB dort mit dem gleichen breiten Leistungsangebot präsent wie in der alten BRD. Nach dem Zerfall des Ostblocks engagierte sich die ASB-Auslandshilfe verstärkt in den Ländern Mittel- und Osteuropas, um zur Entwicklung neuer Gesundheits- und Sozialstrukturen beizutragen und so die Zivilgesellschaften vor Ort zu fördern. Einen seiner längsten Auslands-Hilfseinsätze startete der ASB nach dem Krieg in den Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Er leistete humanitäre Soforthilfe und arbeitet bis heute mit an der Beseitigung der Kriegsfolgen. Unterstützt von der EU und dem Auswärtigen Amt führte er Projekte im Wert von mehr als 140 Mio. Euro durch. Auch in Mittelamerika ist der ASB seit 1998 mit langfristigen Projekten aktiv.

Großeinsatz bei Fußball-WM

Das neue Jahrtausend begann für den ASB mit Großeinsätzen verschiedenster Art: 1500 ASB´ler halfen mit, als 2002 die Elbe weite Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und Tschechiens überflutete. Während der Fußball-WM stellte der ASB 2000 Helferinnen und Helfer – es war der größte Rettungs- und Sanitätseinsatz in der ASB-Geschichte. Und für die ASB-Auslandshilfe begann mit dem Tsunami 2004 eine umfangreiche Hilfsaktion: Der unmittelbaren Soforthilfe folgte die bis heute andauernde Wiederaufbauhilfe. Zunehmend engagiert sich der ASB seit Beginn des Jahrzehnts auch in Afrika. Ein Gesundheitszentrum in Gambia und zahlreiche Projekte in Uganda sind Beispiele hierfür.

Aus dem zunächst kleinen Verein der sechs Berliner Zimmerleute anno 1888 wurde einer der führenden deutschen Wohlfahrtsverbände, der von über 1,1 Millionen Mitgliedern unterstützt wird und im sozialen Bereich wie z.B. der Alten- und Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe ebenso aktiv ist wie im Rettungsdienst und in der Auslandshilfe. Über 20.000 hauptamtliche und fast 11.000 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich dafür, Menschen in Not zu unterstützen.

ASB
ASB Logo

Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V.
Sülzburgstr. 140
50937 Köln
Tel.: 0221/47605-0
Fax: 0221/47605-288
E-Mail: info(at)asb.de
Internet: www.asb.de