Tsunami SüdasienZwischen Trauma, Angst und Hoffnung

26-08-2005

Die Lagune von Mullaitivo stinkt nach Fisch. In den Brunnen, die einst inmitten der Siedlung standen, gärt grünliches Wasser.

„Tsunami“, sagt Jayanthi müde. Mit ihrer knochigen Hand deutet sie auf den Hügel, über den das salzige Wasser geschossen kam. Dort liegen noch immer einige zertrümmerte Boote, tote Bäume und Ruinen zerstörter Häuser. Dazwischen ein kleiner Transporter mit der Aufschrift „Arche Nova“ und einige Männer. Ein Kompressor pumpt röhrend dreckiges Wasser aus drei Brunnen. Mehr als 500 Meter hinter der Küste dürfen die Menschen hier ihre Häuser wieder aufbauen.

Jayanti ist hager, Mitte 30, war Mutter von drei Kindern. Nicht nur vor den Trümmern ihres Hauses steht sie. Der Tsunami hat ihren Mann und die jüngste Tochter - in einer gewaltigen Welle gefüllt mit Steinen und Schlamm ins Meer geschleudert und weggespült. Jayanthi blickt zweifelnd, fragend Richtung Meer, ihre Augen suchen etwas. Jayanthi ist traumatisiert.

Nicht nur das die Menschen bereits 20 Jahre Bürgerkrieg hinter sich haben, Mullaitivu im Nord-Osten Sri Lankas, gehört zu den am schwersten vom Tsunami betroffenen Regionen. Von den 20.000 Einwohnern starben 2.800 in den Fluten, die Stadt selber wurde ausradiert. Insgesamt wurden 900 Kilometer der 1500 Kilometer Küstenlinie Sri Lankas vom Salzwasser überflutet. Grundwasser und Ackerland sind versalzen. Hier reinigen die Arche Nova-Teams die vom Tsunami verdreckten Brunnen.

18 Millionen Singhalesen und Tamilen haben über 40.000 Tote zu beklagen.

Seit Monaten wartet Jayanthi in einem Übergangslager. Sie wartet auch noch immer auf die von der Regierung versprochenen 2500 Dollar für den Wiederaufbau ihres Hauses. Über 20.000 ehemalige Hauseigentümer haben aber bereits eine oder mehrer Zahlungen nach Regierungsangaben erhalten. Eigentlich sollten die Lager schon nach 4 Monate aufgelöst werden. Hilfsorganisation schätzen aber, dass die Menschen noch bis zu einem Jahr unter diesen Umständen leben werden müssen, bis endlich alle Fragen zu Bauland, Krediten und Umsiedlungen geklärt sind. Allein die Gesamtschadensaufnahme für den Inselstaat wird noch bis Ende August andauern.

Immerhin müssen 100.000 private und öffentliche Gebäude Häuser wieder aufgebaut werden. Dabei will die Regierung, dass die Häuser erst 100 Meter hinter der Küste wieder aufgebaut werden - für jedes zerstörte Haus soll ein Neues entstehen. Noch fehlt Bauland und Baumaterial. Begrenzter Bauholzbestand der Insel. Ein weiteres Problem ist die vorgegebene Größe der Häuser: Früher haben mehrere Familien in einem Haus oft auch gewohnt. Die zweite Familie hat jetzt keinen Platz mehr im Haus....

Brunnenreinigung und Brunnenneubau geht schneller.

Die beiden überlebenden Kinder von Jayanthi beobachten wie die Pumpe über den Brunnenrand gehoben wird. Dort steht 03.05.05/223/Arche Nova geschrieben. Bräunliches Wasser fließt durch ein 20 m langes Rohr nach oben. Jemand steigt in den Brunnen – holt Schlamm und Unrat heraus. Die Geschwister beobachten, wie alle zehn Minuten der Salzgehalt gemessen wird. Auf Kommando langsameres Abpumpen damit der Brunnen nicht absinkt einbricht. Was das blaue Ding ist – wollen die Kinder wissen. Jemand übersetzt für sie. Ihre Augen sind groß, gefüllt mit Hoffnung. 1000 Mikrosiemens. Man kann das Wasser jetzt trinken – es schmeckt noch salzig – liegt aber in der Norm. Der Brunnen liefert Brauchwasser. Falls der salzige Geschmack nicht verschwindet, kann Arche Nova einen neuen Brunnen bauen – eine Jetwell, die das Grundwasser oberhalb der Salzgrenze anzapft.

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