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Tsunami SüdasienTsunami - fünf Jahre danach - Tür an Tür den Frieden sichern

25-04-2010

Friedhelm Simon von HELP über Hausbau und Konfliktbewältigung

Tsunami: Beratung vor den BauarbeitenHoffnung soll es vermitteln und Frieden sichern, jenes Dorf, das dort vor den Toren der Kleinstadt Blangpidie entsteht. „Hope Village“, also „Dorf der Hoffnung“, heißt es deshalb. 50 Häuser und eine Schule lässt HELP dort bauen, um sie danach an Familien zu übergeben, die eine besonders gewalttätige Vergangenheit hinter sich haben. Einerseits handelt es sich um die Familien von 25 ehemaligen Kämpfern der Autonomiebewegung GAM, andererseits um 25 Familien, die Opfer des erbittert ausgetragenen Konflikts geworden sind. Künftig erhalten alle die Gelegenheit, die harte Zeit gemeinsam und Tür an Tür aufzuarbeiten. Das Projekt ist als „friedenssichernde Maßnahme“ angelegt. Friedhelm Simon (57) leitet seit Februar 2006 das Büro in Blangpidie.

Wie wurden die Begünstigten ausgewählt?

Wir hatten eine lange Bewerberliste und haben jeden einzelnen Bewerber besucht. Fast alle lebten zu diesem Zeitpunkt in Bretterverschlägen. Unsere Kriterien waren klar: Wir vergeben die Häuser nicht an Alleinstehende, es müssen Familien mit Kindern sein. Die Menschen haben praktisch keinen Besitz, oft ziehen sie nur mit einigen Matratzen und Kochtöpfen ein. Ihr weniges Geld verdienen sie als Fischer, Bauer oder mit dem Verkauf von Flusskrabben.

Was mussten die Menschen während des Konflikts durchmachen?

Immer dann, wenn die Menschen sich weigerten, die geforderten Schutzgelder zu bezahlen, wurde massiv Druck ausgeübt. Vielen wurde das Haus angezündet. Oder es wurden Familienangehörige wie zum Beispiel die Eltern entführt. Die Menschen waren verzweifelt.

Tsunami: Schlosser hilft bei den BauarbeitenWir besichtigen mit Friedhelm Simon die Baustelle. Rund 50 Männer aus dem Nachbardorf hat HELP angestellt, um eine Schule und insgesamt 50 Häuser zu bauen. Jedes Haus hat eine Wohnfläche von 36 Quadratmetern und besteht aus einem Eingangsbereich, zwei Zimmern, einer Kochnische und einer Toilette. Die installierten Brunnen werden mit Solarpumpen betrieben. Unterstützt wird Simon von der 30-jährigen Architektin Ulfa. Sie dient ihm auch als Übersetzerin.

Seit wann arbeiten Sie für HELP?

Seit 1997. Ich sollte für einige Monate nach Sarajevo gehen, um dort beim Wiederaufbau mit anzupacken. Daraus wurden dann fünf Jahre. Danach folgten Kurzeinsätze in Liberia und Sierra Leone. Ende 2003 ging ich dann infolge des Erdbebens in Bam für zwei Jahre in den Iran. Direkt nach dem Tsunami war dann Indonesien an der Reihe, unterbrochen durch kürzere Aufenthalte in Belgrad und Indien.

Simon erkundigt sich auf der Baustelle nach dem Bedarf an Werkzeug und Baumaterialien. Gemeinsam mit Ulfa setzt er sich in seinen Mitsubishi-Pick-up und fährt ins Zentrum der Kleinstadt. Im ersten Laden kaufen sie Beschläge, Schrauben, Farbe und Pinsel, im zweiten kommen Kunststoffrohre, Schmirgelpapier und Bereifungen für die Schubkarren hinzu.

Bekommen Sie alles Nötige auf dem lokalen Markt?

Ja, wenngleich es sich natürlich meist nicht um die gleiche Qualität wie in deutschen Baumärkten handelt. Oft entdeckt man zwar den Schriftzug „Technology Germany“ oder sogar einen TÜV-Siegel auf den Waren, aber das ist natürlich Quatsch. Die Sachen kommen aus China, genauso wie auch die Händler. In den 90er Jahren gab es mal Ausschreitungen in Indonesien, die sich gegen die vielen chinesischen Geschäftsleute richteten.

Tsunami: zukünftige BewohnerinAuf dem Weg zurück zur Baustelle hält Simon bei einer Werkstatt. Hier werden derzeit die defekten Motoren der Betonmischmaschinen repariert. „Nichts Großes“, sagt Simon. „Es müssen nur einige Dichtungen ausgewechselt werden.“ Unterdessen werden im „Hope Village“ an den ersten fertigen Häusern die Hausnummern angebracht, während Simon mit einem geländegängigen Gabelstapler Kies zu den Rohbauten transportiert. Der 57-Jährige arbeitet an allen sieben Tagen in der Woche – nur an den Freitagnachmittagen nimmt er sich regelmäßig eine Auszeit.

Inwieweit war Blangpidie vom Tsunami betroffen?

Weite Teile der Stadt liegen hinter hohen Riffs und waren dadurch sicher vor der Welle. Nicht so das Hafenviertel Bali Bay. Hier wurden dutzende Häuser von den Wassermassen zerstört. Viele Menschen waren auf einen Schlag obdachlos und verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Nach dem Tsunami lebten die Menschen anderthalb Jahre lang in provisorischen Zelten.

Diesen Menschen galt ihre erste Unterstützung…

Ja. Wir bauten an anderer Stelle 100 Holzhäuser, die auf stabilen und erdbebensicheren Stelzen stehen. Zuvor war dort Brachland. Auch einen Spielplatz haben wir errichtet, so dass sich die Gegend mittlerweile sogar zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt hat. Auch eine Handvoll Restaurants haben sich inzwischen dort angesiedelt. Dass es dort einmal so lebendig wird, hätte ich nie gedacht.

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