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Tsunami SüdasienTsunami - fünf Jahre danach - Sollten wir aufgeben? Nein!

05-04-2010

Peter Böttcher vom Hammer Forum über die Probleme beim Wiederaufbau eines Krankenhauses

5Jahre nach dem Tsunami: Peter BöttcherHier an der Nordostküste Sri Lankas, wo der Tsunami mit voller Wucht auf das malerische palmengesäumte Ufer schlug, kümmert sich das Hammer Forum seit März 2005 um die Rehabilitierung des örtlichen Distriktkrankenhauses. Im Distrikt Mullaitivu kamen während der Flut rund 3000 Menschen ums Leben, 2500 wurden verletzt und über 21.000 verloren ihr Zuhause. Wir sind angetreten, eine Klinik für 62 Patienten zu errichten. In nur sieben Monaten sollte sie bezugsfertig sein. Die Menschen dort litten nicht nur unter der Flutkatastrophe, sondern auch an den Folgen des Bürgerkriegs. Sie hätten diese Hilfe dringend gebraucht. Aber es sollte anders kommen.

Rückblende:

Im Januar 2006 hatten Projektleiter Jörg Winter und Architekt Lukas Wünsch die bürokratischen Hürden für die Durchführung des Projekts genommen und konnten mit den Bauarbeiten beginnen. Zug um Zug erzielten sie beachtliche Fortschritte. Die Baugrube wurde ausgehoben, das Fundament gelegt und die Mauern hochgezogen. Ohne die tatkräftige Unterstützung unseres tamilischen Bauleiters Sebastian Martyn wäre das gar nicht so schnell gegangen. Er fand die rar gesäten Hilfskräfte und kümmerte sich um die Beschaffung des Baumaterials. Auf der Baustelle herrschte emsiges Treiben. Gerüste aus Bambusrohren markierten den Weg, den die Krankenhausmauern in die Höhe nahmen. Dann zwischendurch, so berichtete mir Lukas Wünsch, war ein Kreischen am Himmel zu hören. Mehrfach rasten Kampfjets der Regierung vom Meer her über das Land, um LTTE-Stellungen zu bombardieren. Dann war die Angst groß, besonders, wenn die Explosionen der abgeworfenen Bomben auf ein Ziel in unmittelbarer Nähe niedergingen. Einmal wurden Dutzende Schulkinder Opfer der „Donnervögel“.

Die Drähte liefen heiß…

Auf dem Baugrund gingen derweil die Arbeiten auch im ersten Quartal 2007 viel versprechend weiter. Zwar mussten wir unsere ausländischen Fachkräfte wegen der anstehenden Kampfhandlungen bereits im Herbst 2006 evakuieren. Der Vertrag unseres Architekten Lukas Wünsch endete nach getaner Arbeit ohnehin. Aber die Planungen waren abgeschlossen und der Baufortschritt wurde durch unseren treuen Mr. Martyn vorangetrieben. Trotz Kampfhandlungen hielt er auf der Baustelle aus, instruierte die Bauarbeiter, die nicht zum Militärdienst eingezogen worden waren und nutzte das immer knapper werdende Material, um die Mauern des Stationsgebäudes weiter hochzuziehen.

Tsunami: 5 Jahre danach, WiederaufbauGemeinsam stellten Jörg und Mr. Martyn die Weichen für eine zügige Fertigstellung der Bauarbeiten. Mal schien der Herbst 2007 als möglicher Abschlusstermin realistisch, dann wieder hätte es auch zum Jahresende 2007 klappen können. Hätte – denn wie ein Blitz traf uns im Mai die Nachricht, dass Mr. Martyn von der LTTE verhaftet worden sei. Die Drähte liefen heiß. Jörg Winter versuchte von Colombo aus auf allen möglichen Kanälen Kontakt zu unserem Bauleiter aufzubauen. Auch von Deutschland aus haben wir versucht zu intervenieren. Leider vergeblich. Erst im Mai 2009, nach Ende der Militäraktion, sollte Mr. Martyn freikommen.

Die Bauarbeiten, die zunächst noch von einigen der verbliebenen Arbeitern fortgeführt wurden, lagen schließlich brach. Unser Vertragspartner, die Firma Road Engineering in Kilinochchi, tat nichts, um den Baufortgang aus eigener Initiative voranzutreiben. Während einer Krisensitzung haben wir alle Optionen geprüft, das Projekt zu retten. Wir haben uns damals entschieden, gemeinsam mit UNOPS (United Nations Office for Project Services) den Baufortschritt zu sichern, eine Verwitterung der ungeschützten Gebäude zu verhindern und Optionen für eine Fortsetzung des Projektes zu einem späteren Zeitpunkt zu erarbeiten. Doch später wurde auch UNOPS der Zugang in das Gebiet verwehrt.

Mitarbeiter trotzt Behördenwillkür

Zum 31.01.2008 ist auch Jörg Winter aus den Diensten des Hammer Forums ausgeschieden. Er hat sein Möglichstes getan, um das Projekt immer wieder voranzutreiben, hat der Willkür der sri-lankischen Behörden getrotzt und immer wieder Wege gefunden, das Projekt einige Schritte weiter voranzubringen. Seine Hartnäckigkeit und sein Durchhaltevermögen haben ihm die sri-lankischen Behörden schlecht gelohnt. Seit Oktober 2008 konnte er sich nur noch mit einem Touristenvisum in Colombo aufhalten.

Tsunami: 5 Jahre danach, lachendes MädchenSollten wir aufgeben? Das Projekt, wenn auch schweren Herzens, einstellen? Nein! Das kam und kommt auch heute nicht in Frage. Denn wir sind angetreten, den Menschen von Mulativu zu helfen. Noch Monate nach dem Tsunami lebten sie in Notunterkünften am Rande der Straße des Krankenhauses, das wir gerade aufbauten. Der Bürgerkrieg hat ihre Leiden ins Unermessliche gesteigert.

 

 

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